Dark Crimes

 

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Bewertung
***
Originaltitel
Dark Crimes
Kategorie
Neo Noir
Land
UK/POL/USA
Erscheinungsjahr
2016
Darsteller

Jim Carrey, Marton Csokas, Charlotte Gainsbourg, Kati Outinen, Vlad Ivanov

Regie
Alexandros Avranas
Farbe
Farbe + s/w
Laufzeit
96 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Krakau, Polen: Um einen seiner Meinung nach Schuldigen zu überführen, hat der einst hoch angesehene und erfolgreiche Polizeioffizier Tadek (Jim Carrey) bei einer Fahndung angeblich Beweise selbst platziert, und so verbringt er jetzt seine Zeit im Archiv. Zuhause lebt der zurückhaltende und frustrierte Mann mit seiner Ehefrau Marta (Agata Kelesza) und seiner Tochter Olga (Marianna Figurska) wie in einer Zweckgemeinschaft; zudem kümmert er sich um seine allein lebende Mutter (Anna Polony). Tadek ist allerdings der Meinung, dass der neue Polzeichef Adam Greger (Robert Wieckiewicz) Dreck am Stecken hat. So stöbert der manische Detektiv in dem einst von Greger untersuchten und dann ungelöst zu den Akten gelegten Fall der Ermordung des Zuhälters Daniel Sardowski und der damit verbundenen Schließung des Sado-Maso-Bordells The Cage. Mithilfe seines Assistenten Victor (Piotr Glowacki) und dank der Duldung des ihm vorgesetzten Piotr (Vlad Ivanov) sichtet Tadek sowohl archivierte als auch von ihm aufgespürte Beweismittel und kommt dadurch auf die Spur des skandalträchtigen polnischen Schriftstellers Krystof Kozlov (Marton Csokas). Dessen letztes Buch Alicija, das eine Vielzahl sexuell motivierter Folterszenen beinhaltet, ist laut Victor, der gern Kozlovs Bücher liest, nur per Download aus dem Internet abrufbar. Daraufhhin beginnt Tadek, das Werk Kozlovs als Hörbuch zu goutieren und stellt schließlich fest, dass Einzelheiten eines darin beschriebenen Mordes dem an Sardowski gleichen…

 

"See, people don't want justice. They want good and evil." Mit einem Regisseur aus Griechenland und seinen Schauspielern aus Kanada, Neuseeland, Frankreich, Finnland, Rumänien und Polen erweist sich Dark Crimes als eine durch und durch internationale Produktion, was für mich einem Versprechen gleichkommt. Hier sind so viele hochkarätige Personen vor und hinter der Kamera vertreten, das im Grunde kaum etwas schiefgehen kann, zumal die Prämisse der Geschichte, die vom Journalisten Daniel Grann im Jahr 2008 in dem Artikel True Crime - A Postmodern Murder Mystery beschrieben wurde, auf einem realen Mordfall beruht. Der polnische Schriftsteller Krystian Bala hatte in seinem Roman Amok (EA 2003) einen Mord geschildert, der 3 Jahre zuvor in der Weise an einem Geschäftsmann verübt worden war, der mit Balas Freundin bekannt war. Die im Buch geschilderten Details enttarnten Bala als Mörder, der 2007 nach einem Indizienprozess in Polen für schuldig befunden und zu 25 Jahren Haft verurteilt wurde. Bereits in der dokumentarischen TV-Serie Mythos Serienkiller (UK 2014) hatte sich deren erste Episode Bala: der mordende Schriftsteller (UK 2013) des Falls angenommen. Unter dem Titel Amok (POL 2017) erschien ein Jahr nach Dark Crimes ein Film von Kasia Adamik, darin die Geschichte akkurat nacherzählt wird, mit Mateusz Kosciukiewicz in der Rolle Krystian Balas. Der Neo Noir von Alexandros Avranas geht frei mit der Geschichte um und fokussiert sich vor allem aufs Duell von Tadek versus Krystof Kozlov, zumal auch dessen Freundin Kasia (Charlotte Gainsbourg) in letzter Konsequenz eine andere Rolle zukommt. Doch leider verspielt sein Autor und Regisseur sowohl die Vorlage von Daniel Grann, die polnische Stadt Krakau, seinen Drehort, als auch das Potential seiner Mitstreiter.

 

“A good story gets stuck in a puddle of mood in Dark Crimes, a film that strays from its fascinating source - a real-life murder case - into a less successful attempt at noir“, schreibt Ken Jaworowski für The New York Times und bringt damit den Kern des Problems zum Vorschein. Das Verhältnis der Kontrahenten erweist sich über die Strecke der Filmhandlung als bei weitem zu redundant, Marton Csokas’ ach so böser Intellektueller wirft mit pseudophilosophischen Allegemeinplätzen um sich und zeigt zuviel Over-Acting, die Stadt Krakau wird ganz und gar auf ihre vorstädtische Tristesse reduziert. So bleibt der Film mit Blick auf Elemente der Spannung und im Rekurs auf seine dem Nordic Noir abgeschaute Blässe der Farbgebung klar unter seinen Möglichkeiten. Zudem ist Krystof Kozlov mit seinen Halbweisheiten nicht dämonisch sondern bloß arrogant und blasiert, demgegenüber Kasia, die im Grunde interessantere Figur, auf ihre masochistische Ader reduziert bleibt. Jim Carrey, nicht mein Favorit eines Darstellers, überzeugt in der Rolle Tadeks, zudem ist auch Robert Wieckiewicz (Ziarno Prawdy, POL 2015) immer eine gute Wahl. Das Ende setzt einen guten Schlusspunkt, allerdings war ich zu dem Zeitpunkt aus der Geschichte bereits ausgestiegen und beobachtete Ganze quasi nur mehr aus der Ferne. Schade! Dark Crimes ist nicht, was der Film hätte sein können, und ist auch nicht, was er hat sein sollen.

 

Dark Crimes lief in Deutschland nie im Kino, doch gibt es eine jeweils sehr gute deutsche BD- und DVD-Editionen (2019) von Studio Hamburg mit dem Film ungekürzt im Originalformat und inklusive der original englischen (nicht etwa polnischen) Tonspur und einer deutschen Synchrionisation, das Ganze ohne jegliche Untertitel und ohne Extras.

 


Neo Noir | 2016 | International | Alexandros Avranas | Robert Wieckiewicz | Charlotte Gainsbourg | Kati Outinen

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