Racer And The Jailbird

 

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Wenn es Nach wird in Paris


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Bewertung
***
Originaltitel
Le Fidèle
Kategorie
Neo Noir
Land
BEL/FRA/NL
Erscheinungsjahr
2017
Darsteller

Matthias Schoenaerts, Adèle Exarchopoulos, Eric De Staercke, Jean-Benoît Ugeux, Nabil Missoumi

Regie
Michaël R. Roskam
Farbe
Farbe
Laufzeit
130 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Brüssel, Belgien: Aufgrund einer technischen Panne an ihrem Porsche 911 scheidet die Rennfahrerin Bénédicte Delhany (Adèle Exarchopoulos) bei einem Rennen vorzeitig aus. Am Büffet begegnet sie dem akkredetierten Besucher Gino Vanoirbeek (Matthias Schoenaerts), der mit seinen Freunden Serge Flamand (Jean-Benoît Ugeux) und Younes Bouhkris (Nabil Missoumi) vor Ort ist. Gino spricht sie geradewegs an und Bénédicte lässt ihn wissen, dass sie nichts dagegen einzuwenden hat. Gemeinsam amüsieren sie sich darüber, dass er von seinen Freunden Gigi gerufen und sie von ihrer Familie Bibi genannt wird. Dann verabreden sie sich an einem Abend in zwei Wochen, denn Gino, nach eigenen Worten im Import-Export von Automobilen tätig, muss erst noch einmal ins Ausland reisen. Zwei Wochen später steht Bibi unterm Regenschirm auf einer Brücke in der Innenstadt, und Gigi beeilt sich, um sie nicht warten zu lassen. Er weist spaßhaft darauf hin, dass er ihrer Anweisung folgend keine Blumen mitgebracht habe, und im gleichen Moment wird ihnen klar, dass dies tatsächlich Liebe auf den ersten Blick sein muss… Gigi und Bibi verbringen eine leidenschaftliche Nacht miteinander und sind fortan ein Paar. Auf einer ausgelassenen Feier in einem Restaurant mit Gino und auch mit Serge und Younes lernt Bénédicte die unbeschwerte Lebensweise der Kumpanen und die Freundinnen Stéphanie (Anaëlle Potdevin), eine ehemalige Striptease-Tänzerin, und Sandra (Nathalie Van Tongelen) kennen, beide aus Antwerpen…

 

“Somewhere here, not too far away, is a really good movie. But (…) Roskam just loses it, lets it fall out his fumbling hands through his fingers“, schreibt Derek Winnert und zeigt bereits auf, wie die vielversprechende Prämisse der ersten 45 Minuten nicht eingelöst wird, sondern im Gegenteil zunehmend zerfasert. Konträr zu anderen Filnmjournalisten und Zuschauern habe ich aber kein Problem mit der Handlung des Films per se, also mit allem, was dieses Skript zu erzählen hat, sondern vielmehr mit der Art, wie es dramaturgisch den Faden verliert. Insofern die Qualität der Geschichte vor allem von seinen beiden zentralen Figuren, dem Liebespaar Bénédicte Delhany und Gino Vanoirbeek abhängt, müssen diese Rollencharaktere in ihrem Miteinander und in ihrer Entwicklung die Zuschauer fesseln, aber das tun sie trotz exzellenten Schauspiels von Matthias Schoenaerts und Adèle Exarchopoulos eben nicht. Letztendlich sind Bibi und Gigi flache Gewässer. Vor allem erscheint die ach so ambitionierte Rennfahrerin eigentümlich antriebslos und auf wenige Attribute reduziert, eine attraktive junge Frau, ganz sicher, aber ohne Kontur und ohne den Biss, den ihre Berufswahl erforderte. Im Verlauf des Films wird sie zunehmend zu einem Anhängsel des seit Jugendjahren kriminellen Ginos, der wie seine Kumpanen und ehemaligen Zellengenossen Serge und Younes ein gesuchter Bankräuber ist. Aber auch er bleibt trotz der Höhen und Tiefen, die er uns in teils hochdramatischer Weise vorlebt, merkwürdig statisch. Obendrein blendet der Film viele Nebenfiguren, die er in seiner ersten Hälfte sorgsam einführt, später vollständig aus, so dass es geradezu wundern muss, weshalb Michaël R. Roskam (The Drop - Bargeld, USA 2014) und seine erfahrenen Co-Autoren Thomas Bidegain und Noé Debré über eine Strecke von 130 Minuten nicht mehr aus ihrer Geschichte und ihren Figuren herausholen.

 

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© Koch Media GmbH

Zudem hat der zeitgenössische Neo Noir ein Problem, das Le Fidèle (der bessere Originaltitel des Werks) par excellence bebildert: er schlittert fast schon unausweichlich in Klischees. Was uns Roskams Film in seinen einzelnen Segmenten auftischt, hat der mit dem Thriller und dem Neo Noir des 21sten Jahrhunderts vertraute Cineast alles schon gesehen. Mich hat er wechselseitig an Ben Afflecks The Town – Stadt ohne Gnade (USA 2010), an Nathan Morlandos Edwin Boyd – Citizen Gangster (CAN 2011), an Julius Averys Son Of A Gun (AUS/UK/CAN 2014) und an John Hillcoats Triple 9 (USA 2016) erinnert. Und auch jener eine letzte Coup, der den Weg in die Freiheit ebnen soll, ist so alt wie die Tradition des französischen Film Noirs selbst. Zudem bin ich nicht der erste, der Arthur Hillers Love Story (USA 1970) als einen Einfluss nennt, nur dass die Zuschauer Gigi und Bibi nicht als ein Liebespaar in Überlebensgröße auffassen, so sehr die Schauspieler sich dafür auch ins Zeug legen. Fazit: Racer And The Jailbird ist ein solider Neo Noir, der als A-Produktion technisch die üblichen Register zieht, als Drama hinter seinen Möglichkeiten jedoch weit zurückbleibt, was einem unausgegorenen und streckenweise faden Skript geschuldet ist.

 

Deutschland ist in einer langen Liste von Ländern das einzige, wo der Film nie im Kino lief. Stattdessen erschien er genau ein Jahr und 20 Tage nach der Premiere auf dem Toronto Film Festival in Kanada bei der Koch Media GmbH auf BD und DVD. Immerhin beinhalten beide Editionen (2018) den Film in einer bild- und tontechnisch exquisiten Qualität inklusive der original französischen Tonspur und einer (grauenhaft lieblosen) deutschen Synchronisation, dazu optional deutsche Untertitel und zudem Interviews mit den Hauptdarstellern und dem Regisseur sowie eine Reihe verschiedener Kinotrailer und Teaser als Extras.

 


Neo Noir | 2017 | International | Michaël R. Roskam | Matthias Schoenaerts

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