Tod fährt mit, Der

 

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Bewertung
***
Originaltitel
The Man In The Back Seat
Kategorie
Post Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1961
Darsteller

Derren Nesbitt, Carol White, Keith Faulkner, Harry Locke, Billy Dean

Regie
Vernon Sewell
Farbe
s/w
Laufzeit
60 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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London, England: Zwei Angestellte des Brookvale Greyhound Stadium, einer Hunderennbahn, Joe Carter (Harry Locke) und sein Kollege (Billy Dean), halten sich am Abend eines ergiebigen Arbeitstages stets in einem Büro der Anlage auf. Carter wird noch die Tageseinnahmen zur Bank bringen müssen, bevor er am nächsten Tag seine Tochter zum Traualtar führen soll. Der Kollege fragt ihn, ob er keine Angst habe, nachdem Sid Kines in der letzten Woche überfallen und beraubt worden sei. Aber Joe zeigt ihm, wie er die prall gefüllte Geldtasche, deren Schloss er abgeschlossen hat, mit einem Paar Handschellen an einer verlängerten Kette zu sichern weiß. Indessen warten im Schatten des gegenüber liegenden Gebäudes bereits Tony (Derren Nesbitt) und Frank (Keith Faulkner), um den Kurier Joe Carter seiner kostbaren Fracht zu berauben. Jener hat seinen Wagen direkt unteralb des Treppenaufgangs zu den Büros geparkt, und als er jetzt dort hinabsteigt, ist es Tony, der den arglosen Mann beim Öffnen seiner Wagentür hinterrücks niederschlägt. Frank folgt ihm nach, aber nun fällt den beiden auf, dass Carters Geldtasche am Handgelenk festgekettet ist. Aus Angst vor Entdeckung wuchten sie den leblosen Körper auf die Rückbank und fahren zum Tor des Rennbahngeländes, wo der Wärter das Auto Joe Carters anstandslos passieren lässt. Frank ist zunehmend nervös und Tony durchsucht hektisch Carters Jackett nach dem Schlüssel für das Schloss der Geldtasche, findet ihn jedoch nicht, denn der liegt noch immer auf dem Schreibtisch im Büro…

 

“What happens now? We’re running out of hospitals.“ Die mit einer Laufzeit von 57 Minuten enorm kurze, unabhängige Spielfilmproduktion unter der Regie Vernon Sewells gilt als Musterbeispiel eines fesselnden und übers schmale Budget hinausweisenden B-Films aus jenen Jahren. Tatsächlich gelingt dem Regisseur, das Drehbuch von Malcolm Hulke und Eric Paice dramaturgisch so aufzubereiten, dass die Handlung von Anbeginn in einer steilen Spannungskurve voranschreitet, und auch die Dialoge sind mehr als nur funktional. Zwar definieren sich die Rollencharaktere vor allem über ihre Aktivitäten, und an solchen mangelt es nicht, denn die widrigen Umstände jenes von A bis Z missglückten Raubüberfalls zwingen Tony und Frank ständig zu regaieren. Im letzten Drittel aber rückt die Beziehung zwischen den Freunden in den Mittelpunkt und offenbart ihren schicksalhaft tragischen Knotenpunkt. Komplementär erweist sich Sewell als ein Meister des Filmschnitts, ökonomisch und dennoch rasant. Leerlauf gibt es in Der Tod fährt mit kaum, sehr wohl aber Redundanz. Ein aufmerksamer Zuschauer in all jenen Hindernissen und Widrigkeiten, mit denen die Gauner zu kämpfen haben, schnell auch das Muster. Ein Hausbesitzer, dessen Garageneinfahrt zugeparkt ist, ein geplatzer Vorderreifen oder ein plötzlich aus dem Dunkel der Nacht tretender Wachtmeister – für Tony und Frank läuft nichts nach Plan. Unaufhörlich kollidiert ihr Bemühen um Neuorientierung und Korrektur mit einer gnadenlos unberechenbaren Wirklichkeit in tiefen Schatten der Nacht. Für die Zuschauer ergibt sich daraus der qualvolle Genuss einer temporeichen und doch stagnierenden Erzählung, die ihnen ein fortlaufendes Mitfiebern aufzwingt, dessen Ursache zugleich etwas konstruiert und fadenscheinig wirkt. Dennoch konnte ich mich dem Sog dieser Abwärtsspirale nicht entziehen und vergebe drei Sterne, die im Grunde dreieinhalb sind.

 

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Mit dem Kriminalschriftsteller Edgar Wallace, der sich in jenen Jahren in England und in Deutschland großer Beliebtheit erfreute, hat Der Tod fährt mit mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts zu tun. Der Film erschien in England als The Man in The Back Seat zwar in einer zwischen 1959 und 1965 als The Edgar Wallace Mysteries betitelten Filmreihe der Merton Park Productions, doch Wallace wird weder im Vor- noch im Abspann als Autor einer Vorlage genannt, demgegenüber das Skript Malcolm Hulke und Eric Paice zugerechnet wird. Noch heute rätseln Krimifreunde, auf welcher (ungenannten) Quelle des Autors der Film beruhen soll, denn niemand kennt eine Kurzgeschichte oder gar einen Roman, der den Drehbuchautoren als Vorlage diente, demgegenüber das Finale des Films offensichtlich von einer dramatischen Szene William Shakespeares in dessen MacBeth (EA 1606) mit Banquo als Geist beeinflusst wurde. Es ist zu vermuten, dass man die mit unbekannten Darstellern von einem unbekannten Autoren-Duo verfasste Filmgeschichte durch den Namen des populären Schriftstellers besser zu vermarkten hoffte. Der Tod fährt mit ist ein durchaus unterhaltsamer und straff erzählter Post Noir, der jedoch von Vernon Sewells im Folgejahr ebenfalls mit Derren Nesbitt und Keith Faulkner besetztem Im Safe wartet der Tod (UK 1962) eindeutig übertroffen wird.

 

Die deutsche DVD-Edition (2017) der KNM Home Entertainment GmbH präsentiert den Film in einer bild- und tontechnisch exzellent restaurierten Fassung, ungekürzt im Originalformat mit dem original englischen Ton und optional der deutschen TV-Synchronisation von 1964. Die Rückseite ziert irrtümlicherweise ein Motiv der Programmheft-Serie Internationale Filmbühne für den Film Journey Into Nowhere (UK 1962), der seinerzeit als Der Tod fährt mit in bundesdeutschen Kinos lief, doch sind hier Tony Wright, Sonia Ziemann und Helmut Schmid zu sehen.  Der Hinweis auf “Edgar Wallace“ wurde sogar auf das Frontcover übernommen, doch ihn nennen auch viele andere Quellen – mit Ausnahme z.B. von Denis Gifford’s Catalogue of British Films, wo die Autorschaft (wie im Vor- und Abspann) explizit nicht Edgar Wallace sondern Hulke-Paice zugesprochen wird. Untertitel oder Extras gibt es keine.

 


Post Noir | 1961 | UK | Vernon Sewell | Reginald H. Wyer | Derren Nesbitt | Carol White

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