Railroaded!

 

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Bewertung
****
Originaltitel
Railroaded!
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1947
Darsteller

John Ireland, Sheila Ryan, Hugh Beaumont, Jane Randolph, Ed Kelly

Regie
Anthony Mann
Farbe
s/w
Laufzeit
72 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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Los Angeles: In einem von Clara Calhoun (Jane Randolph) betriebenen Schönheitssalon befindet sich im Hinterzimmer ein Wettbüro, wo sie mit ihrer Assistentin Marie Weston (Peggie Converse) am Abend des heutigen Tages 5000,- US-Dollar eingenommen hat. Kaum ist Mary nach Ladenschluss im Salon, um die Eingangstür zu versperren, gibt Clara den Gangstern Duke Martin (John Ireland) und Cowie Kowalski (Keefe Brasselle) an der Hintertür ein Zeichen. Als Mary in die Hinterstube zurückkehrt, halten die Maskierten Clara bereits mit vorgehaltenen Waffen in Schach. Indessen er im vorderen Raum die Kasse ausräumt hat, tritt Kowalski mit seinem Gewehr auf Mary zu, so dass sie in Panik zu schreien beginnt. Ein Streifenpolizist, der soeben an der Ladenfront vorbeiging, eilt herbei, und Kowalski schießt durchs Fenster, doch er verfehlt ihn. Der Beamte schießt zurück und trifft Kowalski, aber im nächsten Augenblick wird auch er von Duke Martin erschossen. Letzterer stützt den Schwerverletzten und schleppt ihn zusammen mit dem Geld zu einem im Hinterhof geparkten Lieferwagen von Larson’s Laundry. Clara sieht den beiden nach und bleibt am Ort des Geschehens, wo nun vieles nicht nach Plan verlief, allein zurück… Duke Martin (John Ireland) parkt den Wagen vor einer Arztpraxis am Straßenrand und instruiert den verletzten Kowalski, den Polizistenmord bei seiner Einlieferung ins Krankenhaus Steve Ryan (Ed Kelly) zuzuschieben, dem Fahrer des geklauten Lieferwagens…

 

“Don’t you trust me?“ – “I like you, if that‘s what you mean.“ Ich bin kein Freund des Regisseurs Anthony Mann, der von vielen Freunden des Film Noirs aufgrund seiner Schlüsselwerke Geheimagent T (USA 1948) und Flucht ohne Ausweg (USA 1948) sehr geschätzt wird. Geheimagent T ist im Grunde nur ein früher Propagandafilm im optischen Gewand eines Film Noirs, ganz im Sinn und im Dienst von FBI-Direktor J. Edgar Hoovers politischer Kampagnen. Er besticht vor allem durch eine für die Zeit ungewöhnliche Brutalität und Skrupellosigkeit der Gangster. Demgegenüber ist Flucht ohne Ausweg, sicher das beste der zwischen 1944 und 1950 entstandenen Film-Noir-Werke seines Regisseurs. So wie Geheimagent T profitiert es nicht zuletzt von der grandios innovativen Kameraarbeit des einmaligen John Altons, einem Pionier seiner Zunft. Aufgrund meiner Skepsis auf eine weitere Enttäuschung gefasst, hat mich Railroaded! positiv überrascht. Erst im Juni hatte Anthony Mann seinen Film Noir Desperate (USA 1947) in die Kinos gebracht. Railroaded! folgte mit einer Premiere im September 1947 fast auf den Tag genau drei Monate später. Die Geschichten der beiden Filme sind deutlich verwandt: Gangster benutzen das Auto eines Unschuldigen, jeweils ehrenwerter Kriegsheimkehrer, und versuchen dem Besitzer des Fahrzeugs mithilfe von Indizien die Schuld für ihre Taten inklusive eines Mordes in die Schuhe zu schieben. Aber die Erzählung aus der Feder von Gertrude Walker, die Railroaded! als Vorlage diente, ist bedeutend besser als jenes schwache Drehbuch, das Desperate zu einem bestenfalls zweitklassigen Werk des Film Noirs degradiert. Auch die Darsteller können in Railroaded! um einiges mehr überzeugen.

 

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“Railroaded is a well-crafted and fast-paced (…) low-budget film noir that is held together by John Ireland's nasty performance as the heartless villain without redemption“, schreibt Dennis Schwartz für Ozus‘ World Movie Reviews und benennt damit den zentralen Akteur, den ich stets gern in einer solchen Rolle sehe. John Ireland hatte so wie Dan Duryea ab Mitte der 40er Jahre die Gelegenheit, sich auch in Hauptrollen zu bewähren und konnte dabei mehr als einmal überzeugen. Doch wie Dan Duryea, Arthur Kennedy oder Charles McGraw blieb er auf B-Filme abonniert oder wurde in A-Western der 50er Jahre zu einem Mann in der zweiten, dritten Reihe hinter Stars wie Kirk Douglas, Alan Ladd oder Burt Lancaster. In dem Film Noir Railroaded! zeigt er als ruchloser Killer wahre Klasse in einer für die Zeit ungewöhnlich drastischen Darstellung. Die Geschichte ist simpel, doch die Dramaturgie und die Inszenierung holen aus dem Material das Maximale heraus. So erweist sich diese B-Produktion als kurzweilig und für Film-Noir-Freunde allemal empfehlenswert. John Ireland trat auch in Anthony Manns Flucht ohne Ausweg (USA 1948) auf. In John Reinhardts Film Noir Open Secret (USA 1948), der sich ganz unverblümt  mit dem Antisemitismus in den USA der Nachkriegsjahre befasst, agierte er erneut auch mit Jane Randolph vor der Kamera.

 

Als einen Film der Public Domain gibt es Railroaded! weltweit in mehreren DVD-Editionen, die das Werk jeweils ungekürzt im Originalformat mit dem original englischen Ton und ohne Untertitel beinhalten, natürlich weder analog noch digital restauriert und daher in bloß mittelprächtiger Bild- und Tonqualität und ohne Extras.

 


Film Noir | 1947 | USA | Anthony Mann | Hugh Beaumont | John Ireland | Ellen Corby | Jane Randolph

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