Vom FBI gejagt

 

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Psychologische Verteidigung


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Wenn es Nach wird in Paris


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Bewertung
***
Originaltitel
Manhandled
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1949
Darsteller

Dorothy Lamour, Dan Duryea, Sterling Hayden, Irene Hervey, Philip Reed

Regie
Lewis R. Foster
Farbe
s/w
Laufzeit
96 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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© Paramount Pictures Corporation

New York: Der Schriftsteller Alton Bennet (Alan Napier) sitzt spät nachts in seinem Salonsessel, als im unteren Stockwerk die Haustür aufgeschlossen wird und seine Ehefrau Ruth Bennet (Irene Hervey) sich von ihrem Hausfreund, dem Architekten Guy Bayard (Philip Reed), verabschiedet. Flinken Fußes erklimmt sie die Stufen zu ihrem Zimmer, indessen sich auch Mr. Bennet im Schlafrock auf den Weg macht. Am Toilettentisch vor dem Spiegel nimmt sie ihre Juwelen ab, als sich ihr Mann von hinten nähert und ihr eröffnet, dass er endgültig genug von ihr habe. Er werde sie töten, ruft er, greift sich die große Parfümflasche, und während Ruth sich verzweifelt zur Wehr setzt, schlägt er erbarmungslos zu… An der Stelle erwache er jedesmal, erklärt Alton Bennet seinem Psychotherapeuten Dr. Redman (Harold Vermilyea), während dessen Assistentin Ms. Merle Kramer (Dorothy Lamour) das Gespräch protokolliert. Sie sei bereits 4 Jahre bei ihm, teilt Redman Bennet mit, bevor die Sitzung fortgesetzt wird. Alton Bennet ist von dem Traum erschüttert und Redman glaubt, dass er es womöglich auf die mit 100.000 US-Dollar versicherten Juwelen seiner Frau abgesehen haben könne und rät ihm, vorerst besser im Gästezimmer zu schlafen. Nachdem Bennet gegangen ist, bittet er Ms. Kramer, die tatsächlich erst 4 Wochen bei ihm beschäftigt ist, mit Mrs. Ruth Bennet einen Termin zu vereinbaren. Als Merle Kramer nach Hause kommt, klingelt sie beim Privatdetektiv Karl Benson (Dan Duryea), der sie in den letzten 6 Wochen eifrig unterstützte…

 

Allein die Besetzung des Werks beinhaltet für den erfahrenen Connaisseur des Film Noirs ein Versprechen und lässt die Erwartung daran deutlich ansteigen. Mit Dan Duryea (Gewagtes Alibi, USA 1949) und mit Sterling Hayden (Asphalt-Dschungel / Raubmord, USA 1950) verfügt Vom FBI gejagt über zwei Hauptdarsteller, die in den 40er und in den 50er Jahren in mehreren der besten Film Noirs auftraten und deren Präsenz aus dem Kanon des Filmstils gar nicht wegzudenken wäre. Mit Irene Hervey, Alan Napier und Art Smith kommen zudem mehrere Leute aus der zweiten Reihe hinzu, deren Beteiligung an vielen Filmwerken ihrer Zeit positiv auffällt. Zu guter Letzt ist auch der Kameramann Ernest Laszlo (Opfer der Unterwelt, USA 1950) ein Garant für Bilderwelten weit jenseits der Standards seiner Zeit, ein innovativer und ausdrucksstarker Vertreter seines Berufsstands, der in einem Atemzug mit John Alton, James Wong Howe oder Nicholas Musuraca genannt werden darf. Insofern stehen die Zeichen günstig, dass Vom FBI gejagt sich als Perle des B-Films jener Jahre erweisen könnte. Zudem bieten die ersten Minuten mit jener Traumsequenz eine bestechend kompromisslose und brillant inszenierte Eröffnung, die den Zuschauer noch heute nach den Armlehnen seines Kinosessels greifen lässt. Doch leider geht es von dort nur mehr nirgendwohin und zwar in jeder Hinsicht, so dass die Fülle der verpassten und verpatzten Möglichkeiten am Ende kaum in Worte zu fassen ist.

 

Vom FBI gejagt-lc-web1.jpg Vom FBI gejagt-lc-web2.jpg Vom FBI gejagt-lc-web3.jpg

© Paramount Pictures Corporation

“The problem with Manhandled is that after those first great moments it goes steadily downhill, its grip slackening away to almost nothing“, fasst es The Professor für Film Noir Of The Week zusammen und liegt damit zu 100% richtig. Dies beginnt bereits mit der an erster Stelle genannten Dorothy Lamour und ihrem so zentralen Rollencharakter, Ms. Merle Kramer. Ich möchte nicht behaupten, dass die Darstellerin der Rolle nicht gewachsen wäre, aber womöglich ist es umgekehrt. Merle Kramer ist solch ein Mauerblümchen, dass einer sich sogleich darüber wundert, was der abgebrühte Privatdetektiv Karl Benson bitte an ihr findet. Und so läuft die damals weit weniger populäre Irene Hervey (Todesfalle von Chikago, USA 1950) dem in der ersten Hälfte der 40er Jahre enorm beliebten Star romantischer Komödien und Musicals, Dorothy Lamour, locker den Rang ab. Geradezu unerträglich ist die komödiantische Ebene zwischen Detective Lieutenant Bill Dawson (Art Smith) und seinem Sidekick Sergeant Fayle (Irving Bacon), die dank eines Dauerwitzes über Fayles Fahrkünste und die defekten Bremsen des Dienstwagens mit ihrem ersten Auftritt wie im falschen Film platziert erscheinen. Auch Sterling Haydens vierschrötiger Versicherungsdetektiv Cooper ist eine Nullnummer, und das lässt Dan Duryea als einzigen ernstzunehmenden Charakter und Schauspieler auf weiter Flur allein. Vom FBI gejagt, ein zudem unpassender deutscher Verleihtitel, ist trotz vereinzelt guter Szenen und Ernest Laszlo eine Enttäuschung auf ganzer Linie. Sein Autor und Regisseur Lewis R. Lewis drehte einige Jahre später mit Straße des Terrors (USA 1955) nochmals einen Film Noir und dieses Mal mit einem weit besseren Resultat.

 

Unter dem Titel La traccia del serpente gibt es via A&R Productions s.a.s eine italienische DVD-Edition (2018) mit dem Film ungekürzt und im Originalformat samt dem original englischen Originalton inklusive italienischer Untertitel oder auch als italienisch synchronisierte Fassung, den Kinotrailer und eine Bildergalerie als Extras.

 


Film Noir | 1949 | USA | Lewis R. Foster | Ernest Laszlo | Alan Napier | Art Smith | Dan Duryea | Sterling Hayden

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