Fesseln der Macht

 

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Bewertung
****
Originaltitel
True Confessions
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1981
Darsteller

Robert De Niro, Robert Duvall, Charles Durning, Kenneth McMillan, Ed Flanders

Regie
Ulu Grosbard
Farbe
Farbe
Laufzeit
108 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© United Artists Corporation

Kalifornien in den frühen 60er Jahren: Police Sergeant Tom Spellacy (Robert Duvall) aus Los Angeles fährt in der Mittagshitze auf einer Landstraße durch die Sierra Nevada in Richtung seiner Heimatstadt. Im Radio verkünden die Nachrichten, dass Präsident John F. Kennedy nach Washington D.C zurückgeflogen sei, um vor Vertretern der Weltbank zu sprechen. Tom Spellacy beschließt, in der naheliegenden Gemeinde St. Mary’s den in der hiesigen Kirche ansässigen Monsignore Desmond Spellacy (Robert De Niro), seinen jüngeren Bruder, zu besuchen. So hält er bei dem inmitten der Ödnis gelegenen Gotteshaus, vor dem Pastor Eduardo Durarte (Jorge Cervera jr.) soeben ein Auto repariert. Er hoffe, dass es dem Monsognore bald besser gehe, teilt er Tom mit, der davon überrascht ist. Aber schon tritt der Monsignore auf die Schwelle und die Brüder besprechen sich im Kirchenschiff. Er werde sterben, teilt Desmons Tom auf dessen Drängen mit, seine zum Herz führenden Arterien seien zerstört… Los Angeles, im Jahr 1946: Monsignore Dellacy vollzieht im Beisein von Kardinal Danaher (Cyril Cusack) die Trauung der Tochter (Susan Myers) des mächtigen und einflussreichen Jack Amsterdam (Charles Durning), eines spendablen Gönners der katholischen Kirche. Zur gleichen Zeit trifft Detective Tom Spellacy downtown seinen Kollegen Frank Crotty (Kenneth McMillan) und die beiden verschaffen sich Zutritt zum Bordell von Brenda Samuels (Rose Gregorio), wo es heute einen toten Freier zu beklagen gibt….

 

Die Geschichte der Brüder Desmond und Tom Spellacy beleuchtet die Strukturen der Macht und den Fluss des Geldes im Los Angeles der Nachkriegsjahre und zwar anhand mehrerer Einzelschickale aus unterschiedlichen Perspektiven. Sieht man davon ab, dass die 40er Jahre des letzten Jahrhunderts natürlich alle Dramen des Film Noirs bebilderten, nutzt Fesseln der Macht nicht nur die Kulisse sondern auch den Erzählstil und die typischen Charaktere seiner Vorbilder. Ein zentrales Motiv ist der Mord an einer jungen Frau, der demjenigen an Elisabeth Short nachempfunden ist, die im Januar 1947 als “Schwarze Dahlie“ - auch als Black Dahlia (USA 2006) nach einem Roman Jack Ellroys (EA 1987) - bekannt wurde und bis heute als einer der spektakulärsten unaufgeklärten Mordfälle in der Historie von Los Angeles gilt. Ulu Grosbards Inszenierung konzentriert sich auf die Figuren, rasante Action bleibt außen vor. Demegenüber erweisen sich das Taktieren, die Doppelmoral und der Sozialdarwinismus in der bildungsbürgerlichen bis reichen Oberschicht der Metropole als ein Fegefeuer der Desillusionierung. Dabei werden viele Schichten der Gesellschaft in den Blick gerückt, via Brenda Samuels, einst Toms Geliebte und nun Leiterin eines Bordells, auch die der Protistuierten. John Gregory Dunne, neben d Ehefrau Joan Didion der Autor des Drehbuchs nach seinem gleichnamigen Roman (EA 1977), zeigt sie uns als Menschen zweiter Klasse, deren Hoffnungen auf ein besseres Leben samt ihren Wurzeln ausgerissen werden. Die Scheinheiligkeit und Heuchelei der Beherrscher der Stadt scheinen grenzenlos und gänzlich amoralisch. Christliche Werte, wie sie die katholische Kirche durch ihre Würdenträger herausstellt, bieten bloß eine Fassade für einen mit allen zu Gebote stehenden Mitteln ausgefochtenen Kampf um Privilegien und eine grenzenlose Machtfülle. Die zentrale Frage für die Brüder Spellacy bleibt, wer dagegen zu halten vermag und wer daran womöglich zerbrechen wird.

 

“You know who we're going to pull in on this one? Panty sniffers, weenie flashers, guys who fall in love with their shoes, guys who beat their hog on the number 43 bus.” Der Film profitiert von seiner literarischen Vorlage und zwar vor allem durch jene zugespitzten Dialoge, die dem Miteinander von De Niro und Duvall ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit verleihen. Alles in allem bietet Fesseln der Macht einen ungeschönten Blick auf die Verhältnisse in den USA auf dem Weg in die McCarthy-Ära und der Verzicht auf drastische Brutalität oder aufgeblähte Dramatik belegt die Stlsicherheit des Außenseiters Ulu Grosbard. Nicht nur die Stars, auch das Ensemble der Nebendarsteller ist einer Erwähnung wert, darin neben Rose Gregorio vor allem noch Burgess Meredith (Tödliches Geheimnis, UK 1947) heraussticht, der in den 40er Jahren auch in mehreren Film Noirs auftrat, bevor er auf der Schwarzen Liste des Komitees für unamerikanische Umtriebe (HUAC) landete und ein Opfer der Hexenjagd des Senators Joseph McCarthy wurde. Meredith, der mit 89 Jahren starb, trat bis zu seinem Lebensende in US-Filmproduktionen auf, allerdings selten in solch exzellenten Charakterrollen wie eben in diesem ungewöhnlichen Neo Noir der frühen 80er Jahre. Empfehlenswert!

 

Ein auf 1500 Stück limitiertes Mediabook bringt den Film unterm Titel True Confessions als deutsche Blu-ray Disc (2018) plus DVD via Justbridge Movies, ton- und bildtechnisch erstklassig, auch ungekürzt im Originalformat, dazu den original englischen Ton oder die deutsche Kinosynchronisation ohne Untertitel, als Extra ein zwanzigseitiges Booklet mit einem Filmessay von Christoph N. Kellerbach. Als DVD gibt es auch eine Einzelausgabe (2018), die aufgrund des korrekten Bildformats (anamorph) den früheren deutschen Editionen (2003 und 2008) der MGM Home Entertainment GmbH klar überlegen ist.

 


Neo Noir | 1981 | USA | Ulu Grosbard | Burgess Meredith | Charles Durning | Dan Hedaya | James Hong | Richard Foronjy | Robert De Niro | Robert Duvall

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