Brut des Satans, Die

 

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Bewertung
***
Originaltitel
City Across The River
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1949
Darsteller

Stephen McNally, Thelma Ritter, Luis Van Rooten, Jeff Corey, Sharon McManus

Regie
Maxwell Shane
Farbe
s/w
Laufzeit
89 min
Bildformat
Vollbild

 


 

Die Brut des Satans-Poster-web2.jpg Die Brut des Satans-Poster-web1.jpg Die Brut des Satans-Poster-web3.jpg

© Universal-International Pictures Inc.

Washington D.C. in den USA: Der Journalist Drew Pearson weist auf die Jugendkriminalität und die Situation vieler Heranwachsender in US-amerikanischen Städten hin. Viele Eltern glaubten, es betreffe nur andere Orte, jene“city across the river“, doch das sei Selbstbetrug. Zwar habe sich die Geschichte Frank Cusacks (Peter Fernandez), die man in den nächsten 89 Minuten sähe, in Brooklyn zugetragen, doch hätte sie überall stattfinden können, wo Kinder unter solchen Bedingungen heranwachsen… Kirchenglocken läuten an einem sommerlichen Sonntag über den Dächern Brooklyns, doch um 10:00 Uhr schläft Frank Cusack noch tief und fest. Seine kleine Schwester Alice (Sharon McManus) ist es, die ihn weckt und ihm heute als einzige zu seinem 16. Geburtstag gratuliert. Ihre Eltern Katie (Thelma Ritter) und Joe (Luis Van Rooten) arbeiten beide, denn die Schichten an Sonn- und Feiertagen bringen deutlich mehr in die Lohntüte. Frank ist begeistert, als ihm Alice sein Geschenk, eine neue Armbanduhr überreicht, zumal sich in der Schachtel noch 5 US-Dollar finden. Er kündigt an, das Geld mit ihr bei einem Besuch Manhattans auf den Kopf zu hauen. So fahren die beiden mit der U-Bahn dorthin. Nach dem Zoo wandern sie durch die prachtvollen Straßen und bewundern die gewaltigfen Gebäude, doch als sie am Nachmittag in ihre Mietskaserne zurückkehren, ist der Traum vorbei. Frank ist bitter und lässt Alice allein, denn es zieht ihn zu seinen Kumpanen, die allabendlich meistens am Kiosk von Selma (Sara Berner) herumlungern…

 

“This is a tired and clichéd film with its main selling point all the good location shots of the city”, fast Dennis Schwartz für Ozu’s World Movie Reviews zusammen und hat leider recht. Die im Film als “Dukes“ bezeichnete Jugendbande entspringt dem Roman The Amboy Dukes (EA 1947) von Irving Shulman, einem für die Zeit seiner Entstehung ungewöhnlich harten Werk über die Zustände in den Armenvierteln New Yorks und über die dort entspringende Jugendkriminalität. Irving Shulman selbst hat an der Adaption für den Film mitgewirkt, doch das Drehbuch von Maxwell Shane und Dennis J.Cooper verwässert den Roman zu einem massenkompatiblen und von A bis Z vorhersehbaren Melodram mit einige Anklängen an den Film Noir. Zwei Jugendliche geraten mit einem Schullehrer in einen Streit, bei dem sie diesen mit einer selbstgebauten Pistole erschießen. Die Härte des Films besteht vermeintlich in der Abgebrühtheit, mit der die zwei im Folgenden ihre Tat zu vertuschen suchen. Allerdings erweist sich das Schauspiel in vielen Szenen als inadäquat für die Komplexität der Situation, und so endet man tatsächlich ím Fahrwasser der Dead End Kids, - Billy Halop, Leo Gorcey, Huntz Hall, u.a. - die von  1937 bis 1940 großteils für das Studio Warner Bros. tätig waren, u.a. in Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern (USA 1938) und in Zum Verbrecher verurteilt (USA 1939). Denn obgleich Ende der 40er Jahre so mancher Film Noir sich erneut um die Situation Heranwachsender bemühte, bleibt nach dem Genuss von Die Brut des Satans der Eindruck zurück, der Film hinke seiner Zeit hinterher.

 

Die Brut des Satans-lc-web1.jpg Die Brut des Satans-lc-web2.jpg Die Brut des Satans-lc-web3.jpg

© Universal-International Pictures Inc.

Die auf Plakaten und im Vorspann genannten Darsteller warem dem US-Publikum seinerzeit bekannt, de facto spielen sie aber im Film kaum eine Rolle – weder Stephen McNally noch Thelma Ritter oder Jeff Corey. Es sind Peter Fernandez, Al Ramsen und Joshua Shelley, deren Charaktere im Mittelpunkt stehen, doch sie kannte schon damals so wie heute fast niemand. Die drei sind nicht vollends untalentiert, aber sie tragen den Film nicht. Dafür ist ihr Schauspiel viel zu wenig ausgereift und ihr Repertoire an Fertigkeiten enorm limitiert. Die Autoren und der Regisseur mühen sich um dramatische Zuspitzung, doch letztere wirkt oft verkrampft und extrem repititiv. Als der Film nach 60 Minuten in sein letztes Drittel einspurte, war ich schon mehr als gelangweilt. Immerhin präsentiert Die Brut des Satans das Filmdebüt des späteren Weltstars Tony Curtis als Mitch, einem Mitglied der “Dukes“, und auch Richard Jaeckel (Der Henker ist unterwegs, USA 1958) hatte hier einen frühen Auftritt. Als Die Brut des Satans im Jahr 1956 in Deutschland und in Österreich ins Kino kam, landete Tony Curtis auf Plakaten direkt hinter Stephen McNally. Doch im Kanon des Film Noirs zeigen Brighton Rock (UK 1947) mit Richard Attenborough, Im Schatten der Nacht (USA 1948) mit Farley Granger und Die Nacht der Wahrheit (USA 1951) mit John Barrymore jr. ihre jugendlichen Antihelden bei weitem schärfer konturiert und bei weitem glaubwürdiger, als der auf Deutsch so lächerlich sensationsheischend beititelte Die Brut des Satans.

 

Bis heute gibt es trotz Mitwirkung Tony Curtis‘ weltweit keine BD oder DVD dieses obskuren Films, der in mittelprächtiger Qualität als Raubkopie, ungekürzt und im Originalformat, in diversen Online-Foren kursiert.

 


Film Noir | 1949 | USA | Maxwell Shane | Jeff Corey | Joe Turkel | Richard Benedict | Richard Jaeckel | Robert Osterloh | Stephen McNally | Tony Curtis | Anabel Shaw

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