Deception

 

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Bewertung
****
Originaltitel
Deception
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1946
Darsteller

Bette Davis, Paul Henreid, Claude Rains, John Abbott, Benson Fong

Regie
Irving Rapper
Farbe
s/w
Laufzeit
115 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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© Warner Bros.

New York: Die aus dem kriegszerstörten Europa geflohene Pianistin Christine Radcliffe (Bette Davis) eilt im Regen über nächtliche Straßen zu der Konzerthalle, darin heute Franz Joseph Haydns Cellokonzert Nr. 2 in D-Dur aufgeführt wird. Sie ist spät dran, und als sie in der Loge eintrifft, hört sie das Finale mit dem Solisten Karel Novak (Paul Henreid), ihrem einstigen Geliebten in einem vom Weltkrieg in den Grundfesten erschütterten Europa… Das Konzert ist ein Erfolg, doch Christine muss warten, bis Musikredakteur Jerry Spencer (Richard Erdman) Karel seine Fragen zur Aufführung und zu den aktuell lebenden Komponisten gestellt hat. Erst als sich die Journalisten und Musikfreunde zurückgezogen haben, geht auch Novak in seine Garderobe. Hier finden die Liebenden nach Jahren der Trennung wieder zusammen. Insbesondere Karel kann es nicht fassen, dass Christine plötzlich vor ihm steht, die er selbst über lange Zeit hinweg nirgendwo ausfindig machen konnte. Sie gibt ihm zu verstehen, dass sie ihn seinerzeit für tot halten musste, als sie sich selbst in Sicherheit brachte und in die USA emigrierte. Karel Novak ist seit 4 Wochen in den USA und lebt in einem Hotel, doch Christine nimmt ihn mit in ihr Penthouse mit seinem Blick über Manhattan und auf den Hudson River. Erst ist Novak betört, doch als er in ihrer Garderobe einen Pelzmatel sieht, fragt er Christine, wie eine mittellose Pianistin sich derartigen Luxus leisten könne. Christine wiegelt ab und entgegnet nur, dass sie die Wohnung recht günstig erstehen konnte…

 

“If you want to believe other people, you better give up lying yourself.” Vier Jahre nach dem großen Erfolg ihres Melodrams Now, Voyager (USA 1942), das in Deutschland als Reise aus der Vergangenheit erst 1978 einmalig im Fernsehen lief, brachte deren Studio Warner Bros. seine Stars Bette Davis, Paul Henreid und Claude Rains erneut unter der Regie von Irving Rapper zusammen. Nur war die Erzählung dieses Mal um einiges dunkler und ihre Rollencharaktere einerseits vom Weltkrieg gezeichnet, andererseits vom eigenen Erfolgs- und Geltungsstreben korrumpiert. Das furiose Musiker-Drama Deception, in Deutschland 1989 unterm TV-Titel Trügerische Leidenschaft ausgestrahlt, rangiert exakt auf dem Grat von Melodram und Film Noir. Christine Radcliffe trägt einen Künstlernamen, der ihre wahre Herkunft und Identität verschleiern hilft. Tatsächlich ist sie wie Karel Novak ein Flüchtling aus dem deutschsprachigen Raum. Der Zweite Weltkrieg hat die Liebenden geprägt und hat sie einst getrennt und sie dachte mit guten Grund, dass er gestorben sei. Ihre Vergangenheit wirft einen langen Schatten, und von Anbeginn ist das Wunder ihres Wiedersehens alles andere als unbeschwert. Der Komponist Alexander Hollenius (Claude Rains), seit Jahren Liebhaber und Gönner Christines, ist der solitäre Herrscher der klassischen Musik im New York seiner Zeit und ein Egomane von unglaublichem Ausmaß und unberechenbarem Temperament. Claude Rains beherrscht alles und jeden, denn zu herrschen ist er gewohnt, und sein Instrument der Herrschaft im Guten wie im Bösen ist die Sprache. Was der Film Noir seinen Protagonisten seit Die Spur des Falken / Der Malteser Falke (USA 1941) als verbales Rüstzeug wider die Wirklichkeit und wider die eigenen Schwächen mit auf den Weg gab, treibt Claude Rains mit dem flamboyanten Gestus einer von Oscar Wilde erdachten Romanfigur auf die Spitze: “Like all women: white as a sheet at the sight of a couple of scratches... but calm and smiling as a hospital nurse in the presence of a mortal wound. Good night!“

 

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© Warner Bros.

Für den seit 1932 beim Filmstudio Warner Bros befindlichen Weltstar Bette Davis wurde Deception der erste Flop in einer bis dato von Erfolgen gekrönten Schauspielkarriere. Das Studio verlor eine halbe Million US-Dollar, eine für 1946 erhebliche Einbuße. Die Kritiker konnten dem Remake des frühen Tonfilms Jealousy (USA 1929) nach dem Theaterstück Monsieur Lamberthier (EA 1927) des Dramatikers Louis Verneuil nicht viel abgewinnen und auch das Publikum verschmähte das in bildungsbürgerlichen Höhen angesiedelte Werk. De facto ist das Finale mit seinem im Vergleich zum Theaterstück und zur Erstverfilmung abgeänderten Schluss, darin nach dem Willen der Zensurbeörde eine des Mordes schuldige Täterin nicht davonkommen darf, ein Schwachpunkt. Doch vieles in Irving Rappers sprachlich exquisit spitzfindigem Drama ist rasant kurzweilig und hat über die Jahrzehnte nichts von seiner Besessenheit und seinem finsteren Humor eingebüßt. Wer sich auf die Tour de force im Verhältnis von Alexander Hollenius zu seiner angebeteten Christine Radcliffe einlassen kann, dem ist zuletzt die Kameraarbeit Ernest Hallers (Solange ein Herz schlägt, USA 1945) genau jene Veredelung im Sinne einer dem Expressionismus geschuldeten Bildsprache, wie sie für den Film Noir der 40er Jahre signifikant war und wie sie in Deception in feine Kompositionen umgesetzt wird. Allemal sehenswert!

 

Sehr gute italienische DVD-Edition (2013) von Golem Video unterm Titel Il prezzo dell‘ inganno mit dem Werk selbst ungekürzt im Originalformat, bild- und tontechnisch exzellent, dazu den englischen Originalton und eine italienische Synchronisation, optional italienische Untertitel und den Kinotrailer als Extra.

 


Film Noir | 1946 | USA | Irving Rapper | Ernest Haller | Claude Rains | Paul Henreid | Bette Davis

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