24 Stunden in seiner Gewalt

 

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Psychologische Verteidigung


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Bewertung
**
Originaltitel
Desperate Hours
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1990
Darsteller

Mickey Rourke, Anthony Hopkins, Mimi Rogers, Lindsay Crouse, Kelly Lynch

Regie
Michael Cimino
Farbe
Farbe
Laufzeit
106 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.

Inmitten der gebirgigen Landschaft des Bundesstaats Utah rast die Rechtsanwältin Nancy Breyers (Kelly Lynch) mit ihrem Jaguar in Richtung Salt Lake City. An einem malerischen See lässt sie den Wagen auf einem Parkplatz zurück, schnappt sich ihre Handtaschen und stöckelt in ihren Pumps und im Pelzmantel ungeschickt zur nächsten Bushaltestelle… Im Gerichtsgebäude kennt man die Anwältin, die zügigen Schritts und nervös die Treppe empor schreitet, indessen hinter verschlossenen Türen der wegen Mordes angeklagte Michael Bosworth (Mickey Rourke) in Ketten in den Gerichtssaal geführt wird. Kurz zuvor werden ihm die Ketten abgenommen und nun sitzt der seit drei Jahren in Untersuchungshaft befindliche Schwerverbrecher auf der Anklagebank. Als seine Verteidigerin führt Breyers das Wort, die sich dabei häufig vom Staatsanwalt (James Rebhorn) unterbrochen sieht. Schließlich wird es dem impulsiven Bosworth zu bunt, er springt auf und beklagt die Inkompetenz seiner Verteidigerin, während die Richterin (Elizabeth Ruscio) ihn vergebens ermahnt. Breyers beantragt, sich mit ihrem Mandanten allein zu besprechen; die Richterin gibt dem statt und schließt die Sitzung. Bosworth wird ohne Ketten zusammen mit Nancy Breyers in einem vergitterten Raum allein gelassen, wo er unterm Rock seiner Anwältin eine für ihn versteckte Pistole ergreift. Breyers stammelt den Tränen nah, wie sehr sie sich für ihn ins Zeug gelegt habe, indessen Bosworth sie brutal ins Gesicht schlägt und mit hartem Griff als Geisel nimmt…

 

Die Liste Verrisse durch angesehene Filmjournalisten ist lang, der Film floppte an der Kinokasse und beendete (zumindest so gut wie) die Filmkarriere Michael Ciminos; für diejenige Mickey Rourkes war er ein weiterer Sargnagel. Dennoch wirft man als Cineast einen Blick auf die Besetzungsliste, ruft sich in Erinnerung, dass es sich um die Neuverfilmung jenes Buchs (EA 1954) von Joseph Hayes handelt, das William Wyler als einen Film Noir namens An einem Tag wie jeder andere (USA 1955) mit Erfolg verfilmt hatte, also sagt man sich: „So schlecht kann das nicht sein.“ Doch dies stellt sich als Irrtum heraus. 24 Stunden in seiner Gewalt ist deshalb so miserabel, weil er seiner Vorlage nichts abzugewinnen vermag und zwar rein gar nichts. Solch eine Banalität, die sich als Thriller mit Tiefgang maskiert und in der uralten Posse namens Des Kaisers neue Kleider! eine lächerliche Figur abgibt, habe ich lange nicht gesehen. B-Filme jener Zeit, die ans Niveau der Neo Noirs nach Kill Me Again / Töten Sie mich (USA 1989) nicht heranreichen, gibt es einige. Meist geben sie nicht vor mehr zu sein, als sie sind. Wenn Mickey Rourke in dieser A-Produktion als Michael Bosworth in seiner Garderobe von Giorgio Armani vor dem Haus, in das er in Kürze mit seinem Bruder Wally (Elias Koteas) und seinem Kumpel Albert (David Morse) eindringen wird, auf und ab schlendert, ist die gespreizte Pose ein Symbol für den ganzen Film. Der üppig ausstaffierte Bilderbogen dieses Neo Noirs serviert uns ein Drama auf dem Niveau einer x-beliebigen Fernsehserie. Eine grell geschminkte Seifenoper ist diese für ein Massenpublikum aufgeblähte Neuverfilmung, deren Regisseur dem Ganzen eine Dramatik zuschreibt, als inszenierte er eine Tragödie William Shakespeares. Das Resultat ist grotesk und zwar von A bis Z, denn es wirkt absurderweise so, als habe es einen Regisseur gar nicht gegeben.

 

Neben Rourkes Over-Acting, das seinen 08/15-Schurken immer tiefer in Klischees versenkt, ist es vor allem Kelly Lynch und ihre unglaubwürdige und unentschuldbar dämliche Anwältin Nancy Breyers, die für den Zuschauer an der Grenze der Zumutung rangiert. Sich solches Schauspiel und solche Figur anzusehen, tut richtiggehend weh. Was immer die Autoren Lawrence Konner und Mark Rosenthal im Vergleich zu Wylers Erstverfilmung änderten oder neu aufnahmen, erweist sich als Missgriff – von genannter Anwältin Nancy Breyers bis hin zu den zerrütteten Verhältnissen in der Ehe von Tim (Anthony Hopkins) und Nora Cornell (Mimi Rogers). Die Summe dessen ist so unfassbar altbacken langweilig, dass ich wirklich Mühe hatte, mir dieses Machwerk bis zur letzten Minute anzusehen, was ich hiermit niemandem zur Nachahmung empfehle. Es lohnt sich im Gegensatz zu William Wylers An einem Tag wie jeder andere keine einzige Minute. Im Jahr 1991 bestritt ein 38jähriger Mickey Rourke acht Kämpfe als Profiboxer und erlitt Gesichtsverletzungen, die neben exzessivem Alkoholkonsum seine Schauspielkarriere ins Abseits steuerten. Wer ihn 15 Jahre nach 24 Stunden in seiner Gewalt als 53jährigen in Robert Rodriguez‘ Sin City (USA 2005) sieht, wird kaum glauben, dass es sich um denselben Menschen handelt. Seine Hauptrolle in dem Neo Noir Killshot – Gnadenlose Jagd (USA 2008), darin er einen Indianer mimt, ist nur noch ein müder Abglanz einstigen Talents.

 

Sehr gute DVD-Edition (2003) der MGM Home Entertainment Deutschland GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat inklusive der original englischen Tonspur und Synchronisationen auf Deutsch, Französisch und Spanisch, optional Untertitel auf Französisch, Italienisch, Spanisch, Niederländisch, Schwedisch, Norwegisch, Dänisch, Finnisch, Polnisch, Griechisch, Ungarisch und Tschechisch, den Kinotrailer als Extra.

 


Neo Noir | 1990 | USA | Michael Cimino | Joseph Hayes | Anthony Hopkins | David Morse | Mickey Rourke | Kelly Lynch

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