Trouble Man

 

banner_02_noir_city-web-2.jpg


banner_noir_film_festival-2019 Kopie.jpg


Psychologische Verteidigung


Concorde Home Entertainment


Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


banner_der_film_noir_3.jpg


Bewertung
****
Originaltitel
Trouble Man
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1972
Darsteller

Robert Hooks, Paul Winfield, Ralph Waite, William Smithers, Paula Kelly

Regie
Ivan Dixon
Farbe
Farbe
Laufzeit
99 min
Bildformat
Widescreen

 


 

 Trouble Man-Poster-web1.jpg Trouble Man-Poster-web2.jpg Trouble Man-Poster-web3.jpg
© Twentieth Century Fox Film Corporation

 

Los Angeles, Kalifornien: Im Garten einer luxuriösen Villa verabschiedet sich der Privatdetektiv Mr. T (Robert Hooks) kurz und kühl von der hübschen Hausherrin, die auf einem aufblasbaren Sitz im Swimming Pool schaukelt. Er steigt in seinen 72er Lincoln Continental Mark IV, eine schwere cremeweiße Limousine mit schwarzem Hardtop, und gleitet über die Autobahnen nach Downtown Los Angeles. Kaum steht er in einem schmucken Apartmentblock vor der eigenen Wohnungstür, sieht er sich Billy Chi (Akili Jones) gegenüber, der Mr. T von seinem Boss Chalky Price (Paul Winfield) ausrichten lässt, dass jener ihn gern sprechen wolle. Aber T hat für solche Einladungen kein Ohr und keinen Nerv, er lässt Chi kurzerhand abblitzen. Er wechselt die Garderobe und taucht kurze Zeit darauf in Jimmys (Bill Henderson) Billardhalle auf, wo Mr. T selbst auch sein Büro betreibt. Heute sieht er sich erstmal von einem gewissen “Texas Blood“ (James “Texas Blood“ Brown), einem ausgezeichneten Pool-Player, herausgefordert. Während der Kontrahent noch das Spiel bestimmt, lauscht T dem Anliegen von Sam (Edmund Cambridge), dessen Bruder nach einem bewaffneten Raubüberfall zum wiederholten Mal im Gefängnis sitzt. Mr. T stellt seine Bedingungen und lässt sich für seine Einflussnahme auf dessen Freilassung von Sam bezahlen. Da gesellen sich Chalky Price und dessen weißer Partner Pete Cockrell (Ralph Waite) zu den Zuschauern der Partie. Die beiden Ganoven führt ein besonderes Problem zu T, der erst einmal in Ruhe weiterspielt.

 

“Looks like you got the magic touch, Mr. T.“ Der Privatdetektiv Mr. T ist Inbegriff jener Coolness, wie er in den frühen 70er Jahren für afro-amerikanische US-Bürger zum Inbegriff der Unabhängigkeit vom verhassten “System“ wurde. Die Abkehr von den Machenschaften eines Staatswesens, das sich innenpolitisch und international durch eine Selbstgerechtigkeit ohne Anerkennung des Wertekanons, den es zu wahren behauptete, auszeichnete, die Abkehr von einer USA im Vietnamkrieg mit dem reaktionären Hardliner Richard Nixon als ihrem Präsidenten, sie wurde post 1968 nicht bloß für weiße Hippies zum kulturellen Ort und zur identitätsstiftenden Heimat eines Lebens wider die Obrigkeit. Die afro-amerikanische Bevölkerung - wie auch andere ethnische Gruppen - sahen sich durch den Rassismus des weißen Bürgertums im besonderen Maß zum Zusammenhalt in der ihnen eigenen Gegenkultur und zum Widerstand gegen die weiße Herrschaft aufgefordert. Der Privatdetektiv Mr. T symbolisiert in fast jeder Szene dieses harten Neo-Noir-Thrillers solchen Gestus der Selbstbehauptung und ist dazu mit allen Eigenschaften ausgestattet, deren es bedarf. Er vermittelt seine Coolness in einer Sprache, die ihn als “streetwise“ charakterisiert, er ist sexuell potent und körperlich fit, geübt im Kampfsport und ein As mit Handfeuerwaffen ebenso wie im Billardspiel. Er liebt eine Frau und ist selbstredend untreu, ohne dass es ihm selbst oder seinen Frauen etwas ausmacht, denn Mr. T ist auch finanziell gut gestellt, dabei empathisch und “ehrlich“. Nun ja, Mr. T schreibt sich (und seinen Gegnern) selbst die Gesetze, und weil er einen moralischen Kodex hat, ist er meist im Einklang mit dem Staatswesen, das ihn, den urbanen Robin Hood, in seiner vehement demonstrierten Unabhängigkeit allerdings bekämpfen muss. In einem Schlüsseldialog des Films gibt der weiße Police Captain Joe Marx (William Smithers) zu verstehen, wie ihn der von T zur Schau gestellte Wohlstand misstrauisch stimme: maßgeschneiderte Anzüge, Limousinen der neusten Baureihe, ein luxuriöses Apartment – der schwarze Mr. T lebt wie ein Playboy, und der weiße Beamte gibt zu, dass er Neid verspürt. Er würde, so Marx, selbst die Gesetze brechen, wäre ihm die Freiheit gegeben, die T sich zuschreibt.

 

“Neo-noirs that represent black men as hip, powerful, rebellious, and sexually active directly defy Hollywood’s stereotype of black men as asexual servants and yes-men”, schreibt William Covey in seinem Essay The Genre Don’t Know Where It Came From: African American Neo-Noir Since the 1960’s (2003). In Ivan Dixons Trouble Man ist Protagonist Mr. T all das und mehr. Aber nicht nur Covey sondern auch Robert Hooks’ Ausgestaltung der Rolle seines Detektivs belegt, wie zentral Gordon Parks‘ Shaft (USA 1971) für den Neo Noir und das bis 1975 als Blaxploitation gefasste neue Selbstbewusstsein afro-amerikanischer Autoren, Regisseure und Schauspieler wurde. Trouble Man ist kein Film, der das komplexe Verhältnis der schwarzen und der weißen Bevölkerung in den USA ins Zentrum der Handlung eines Thrillers stellt. Das tut Barry Shear mit Straße zum Jenseits (USA 1972) und beweist einen meisterhaften Sinn für Dramaturgie und Rollencharaktere. Dixons Film lebt von coolen Sprüchen, wilder Action und einer vertrackten Handlung, doch seine Charaktere überzeugen ebenso wie die Schauspieler, die sie verkörpern. Warum Robert Hooks nach dieser Hauptrolle ein Leben in TV-Serien fristete, kann ich nicht nachvollziehen. Was von Trouble Man blieb, ist Marvin Gayes fantastische (und relevante) Musik, der einzige Soundtrack dieses Soul-Sängers. Aber auch den Film wiederzuentdecken lohnt sich. Jener lässt über 99 Minuten nicht locker und seine urbanen Figuren sind (meist) jenseits der üblichen Klischees angesiedelt. Empfehlenswert!

 

Bild und tontechnisch hervorragende US-BD (2016, Regionalcode 1) von Kino Lorber mit dem Film ungekürzt im Originalformat, dazu den englischen Originalton ohne Untertitel und mit lediglich einem Audiokommentar als Bonus, indessen die ältere DVD-Edition (USA, 2006) der Twentieth Century Fox Film Corporation, ebenfalls ungekürzt, Tonspuren auf Englisch, Französisch und Spanisch bietet, dazu optional Untertitel in Englisch und Spanisch sowie als Extra den original US-Kinotrailer.

 


Neo Noir | 1972 | USA | Ivan Dixon | Bill Henderson | John Crawford | Julius Harris | Paul Winfield

Neuen Kommentar schreiben

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.