Hi-Jacked

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Bewertung
***
Originaltitel
Hi-Jacked
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1950
Darsteller

Jim Davis, Marcia Mae Jones, Sid Melton, David Bruce, Paul Cavanagh

Regie
Sam Newfield
Farbe
s/w
Laufzeit
67 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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© VCI Entertainment

“Hi-Jacking is big business...“ Millionen US-Dollar, so berichtet der Erzähler, gehen dem US-amerikanischen Steuerzahler Jahr für Jahr durch Überfälle auf Lkw-Transporte verloren. Organisierte Banden reißen sich die oft kostbare Fracht unter den Nagel und verkaufen sie auf dem Schwarzmarkt… Joe Harper ist ein Fahrer für die J.L. Trucking Corporation. Im strömenden Regen auf der einsamen Landstraße sieht er heute Nacht eine in den Graben gefahrene Limousine, vor der sich ein Mann im Trenchcoat (George Eldredge) um einen offensichtlich Verletzten (Sid Melton) bemüht. Joe Harper hält an, steigt aus und fragt den Fremden, ob er ihm behilflich sein könne. Zu zweit nehmen sie den Bewusstlosen hoch und wollen ihn zu Harpers Lkw tragen, als Joe Harper von Matt (David Bruce), dem Anführer der Autobahnpiraten, hinterrücks niedergeschlagen wird und selbst zu Boden sinkt. Auch Hank (House Peters jr.) gehört als vierter Mann dazu. Gemeinsam mit Digbey, dem vermeintlichen Helfer im Trenchcoat, zerrt er Joe Harper jetzt in den Straßengraben. Die Gangster binden ein Seil um die Stoßstange des Trucks und Hank setzt sich ans Steuer und zieht ihren Wagen aus dem Graben heraus, als ein Streifenwagen bei ihnen hält und einer der beiden Autobahnpolizisten (Charles Sullivan) sich von Matt die Situation erklären lässt. Indessen erwacht Joe Harper aus seiner Bewusstlosigkeit, Blut rinnt ihm von der Stirn die Wange hinunter. Doch als er sich die Böschung empor gearbeitet hat, sind alle Autos wieder unterwegs…

 

Für eine Low-Budget-Produktion dieser Größenordnung, ohne namhafte Leute vor und hinter der Kamera, ist Hi-Jacked keinesfalls schlecht geraten. Auch Jim Davis wäre wohl sang- und klanglos von der Bildfläche verschwunden, wäre ihm während der letzten vier Jahre seines Lebens als Oberhaupt des Ewing-Clans in der TV-Serie Dallas (USA 1978-1981) nicht später Ruhm zuteil geworden. In diesem von Film Noirs wie Nachts unterwegs (USA 1940) oder Gefahr in Frisco / Markt der Diebe (USA 1949) beeinflussten Drama um einen Lkw-Fahrer, der zugleich ein ehemaliger Sträfling ist und sich und sein Lebensglück von skrupellosen Gangstern bedroht sieht, spielt Davis in einem der ganz wenigen Nicht-Western, an denen er zwischen 1945 und den späten 50er Jahren beteiligt war. Etwa ab 1960 wirkte er fast nur noch in Fernsehserien mit. In Hi-Jacked fallen aber auch Paul Cavanagh, David Bruce und Iris Adrian angenehm auf. Cavanagh war in den 30er Jahren an der Seite von Katherine Hepburn, Mae West und William Powell aufgetreten, hatte vereinzelt sogar Hauptrollen inne, aber die frühen Vierziger sahen ihn wieder weit unten in den Besetzungslisten. David Bruce hatte in Charles Davids Lady On A Train (USA 1945) neben Deanna Durbin sein Talent unter Beweis gestellt. Doch 5 Jahre später war er tief in den B-Film abgerutscht; seinen überhaupt letzten Auftritt in einem Film hatte er bereits 1956. Iris Adrians Karriere umspannt 5 Jahrzehnte und ganze 158 Auftritte in Film und Fernsehen. Ursprünglich auf Komödien abonniert, spielte sie im Hollywood der 30er Jahre beizeiten sogar Hauptrollen. Um 1950 nahm sie, was sie kriegen konnte, aber auch als handfeste Kellnerin in einer Raststätte fällt sie hier positiv auf. Die Geschichte ist vorhersehbar und hat einen latent patriotischen Unterton, wie er für die beginnende McCarthy-Ära ab 1950 fast unvermeidlich scheint, aber dank einer flotten Dramaturgie und einer guten Kameraarbeit findet sich der Connaisseur klassischen Kinos leidlich unterhalten.

 

 Gangster von Chicago-lc-web1.jpg Gangster von Chicago-lc-web2.jpg Gangster von Chicago-lc-web3.jpg

© VCI Entertainment

Diese Produktion des Poverty-Row-Studios Lippert Pictures ist sicher kein Muss, auch für den Film-Noir-Freund nicht. Hi-Jacked verdankt seine Rückkehr in den Kanon der wieder erlebbaren Historie des US-amerikanischen B-Films überhaupt nur dem Engagement von VCI Entertainment, das zwischen 2006 und 2008 in der DVD-Reihe Forgotten Noir ungeheuer obskure Produktionen wiederveröffentlichte, von denen die meisten nicht einmal in Arthur Lyons Referenzwerk  Death on the Cheap – The Lost B Movies of Film Noir (EA 2000) gelistet sind. Das hat auch damit zu tun, das so manche der von VCI als Film Noir geführte Werke gar keine sind, sondern es sich um mehr oder minder anspruchslose Kriminaldramen handelt, die den Standard der TV-Produktionen ab Mitte der 50er Jahre vorwegnahmen. Hi-Jacked führt seinen Anti-Helden allemal in Bedrängnis und so muss Joe Harper sich zur Wehr setzen, obgleich der Zuschauer sich um sein Leben und sein Glück zu keinem Zeitpunkt ernsthaft sorgen muss. Die Internet Movie Database listet den Film unter dem deutschen Titel Gangster von Chicago. Ob der Film jedoch tatsächlich im deutschsprachigen Raum einen Verleih fand und im Kino lief, konnte bis dato nicht eindeutig recherchiert werden.

 

Sehr gute DVD-Edition (2008) mit dem Film als Teil von Forgotten Noir Vol. 8 via VCI Entertainment (USA), auf der man Hi-Jacked zusammen mit Mr. District Attorney (USA 1947) und mit Ringside (USA 1949) auf einer DVD unterbrachte. Ungekürzt und im Originalformat, bild- und tontechnisch solide, gibt es dazu die englische Tonspur ohne Untertitel, das Ganze ohne für Hi-Jacked spezifische Extras.

 


Film Noir | 1950 | USA | Sam Newfield | David Bruce | Paul Cavanagh

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