Consequences Of Love, The

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Bewertung
****
Originaltitel
Le conseguenze dell'amore
Kategorie
Neo Noir
Land
ITA
Erscheinungsjahr
2004
Darsteller

Toni Servillo, Olivia Magnani, Adriano Giannini, Antonio Ballerio, Gianna Paola Scaffidi

Regie
Paolo Sorrentino
Farbe
Farbe
Laufzeit
100 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Lugano im Schweizer Kanton Tessin: Seit acht Jahren lebt der italienische Geschäftsmann Titta di Giralimo (Toni Servillo) in einem eleganten Hotel. Wann und wie er einer Arbeit nachgeht, ist unklar, doch jeden Monat zahlt er beim Direktor des Hotels (Diego Ribon) seine Miete. Auf Fragen neugieriger Gäste (Giovanni Vettorazzo) nach seinem Beruf und nach seinen Geschäften antwortet er einsilbig. Überhaupt ist di Giralimo ein schweigsamer Mann und verbringt seine Tage meist bei Kaffee und Zigaretten in der Hotelbar. Dort bedient ihn und die anderen Gäste die hübsche Kellnerin Sofia (Olivia Magnani), die ihn stets freundlich grüßt. Titta di Giralimo seinerseits scheint sie nicht zu beachten und für den Gecken (Rolando Ravello), der in Gesellschaft von zwei Frauen dort erscheint, hat er bloß Verachtung übrigen. Bevor er die vielen Treppenstufen empor in sein Zimmer geht, streift er an der Rezeption vorbei, wo man ihm mitteilt, dass weder Post noch ein Anruf für ihn zu vermelden sei. Titta di Giralimo geht tagsüber am Luganersee spazieren und er speist mit den einzigen anderen Stammgästen, dem vormals reichen, nun verarmten Berufsspieler Carlo (Raffaele Pisu) und seiner Frau Isabella (Angela Goodwin) zu Abend - hin und wieder spielt er sogar Karten mit ihnen. Und dann kommt regelmäßig der Tag, an dem eine Unbekannte mit Sonnenbrille (Mabnuela Lamanna) einen Koffer in seinem Zimmer abstellt. Nun tritt Titta di Gioralimo in Aktion und waltet nach einem genauen Plan seines Amtes…

 

“The Consequences Of Love is (…) a neo-noir, or perhaps to be more accurate a neo-giallo”, schreibt James Ubaghs in seinem Artikel Youth Gone Wild: The Early Films of Paolo Sorrentino. Für mich ist der Film ein Wolf im Schafspelz und in seiner Handlungsentwicklung von einer geradezu einzigartigen Stringenz. Von der luxuriösen, unantastbaren Geborgenheit jenes Schweizer Hotels bis zu einer Kiesgrube im Niemandsland wird der Zuschauer Zeuge einer facettenreichen Lebensgeschichte. Solche ist in ihrer Ausgestaltung und mit Blick auf den Schlussakkord im Film Noir angesiedelt und von Autor und Regisseur Paolo Sorrentino (Ewige Jugend, ITA/FRA/UK/SW 2015) mit Gespür fürs Wesentliche und einer gehörigen Prise schwarzen Humors in Szene gesetzt. Viele Filmkritiker wiesen seinerzeit und weisen seither darauf hin, dass der Film enorm “stylish“ sei, was sicher zutrifft. Aber The Consequences Of Love erstickt nicht an seiner Ästhetik oder zieht sich aufgrund eines Mangels an Substanz seiner Erzählung auf die Raffinesse der Kameraarbeit zurück. Vielmehr wird die dem Auge schmeichelnde Behaglichkeit des Hotels mit der außerhalb dessen liegenden Kühle und Tristesse konterkariert. Im Zentrum steht die verquere Liebe zwischen Titta di Girolamo und Sofia, das auf einer dunklen Grundierung angesiedelte Doppelportrait unerfüllter Versprechen. Die Entfaltung und Entwicklung der beteiligten Rollenchatraktere tragen den Film bis zum Schlusspunkt, der seinerseits vollkommen stimmig ist - der finale Ton in einer an Überraschungen reichen Partitur von Drehbuch.

 

Mit seinen signfikanten Parrallelen zu Pen-Ek Ratanaruangs Leben nach dem Tod in Bangkok (THAI/JPN 2003) belegt auch The Consequences Of Love, dass sich der zeitgenössische Neo Noir nicht in der Wiederholung gängiger Handlungsschemata, einer endlosen Reihe von Copthrillern und Heist-Filmen erschöpfen muss. Dabei bringt er mit der neapolitanischen Camorra als Verbrechersyndikat einen im internationalen Kino schon gehörig ausgereizten Arbeitgeber für Antihelden vom Schlag Titta di Giralimos. Und ein Antiheld, wie er in der Historie des Film Noirs häufig zu finden ist, das ist der Protagonist des Films durch und durch. Umso erstaunlicher, wie Sorrentino im Spannungsfeld zwischen Romantik und Bestimmung, darin die Erzählung wie eine griechische Tragödie dem neuralgischen Wedepunkt der Schicksalwege entgegen eilt, dem Altbekannten tatsächlich neue Facetten abringt. Dies gelingt durch eine schon im Skript angelegte Dramaturgie, die den Zuschauer in ein vergnügliches Katz-und-Maus-Spiel einbezieht. Jener kann in den ersten 25 Minuten kaum ahnen, was für einen Film er sieht, und alles, was danach passiert und auch den Auftakt in einem anderen Licht erscheinen lässt, ist meisterhaft getaktet. In Deutschland lief der Film 2013 einmalig auf einem Münchner Filmfestival - 9 Jahre nach seinem Kinostart in vielen europäischen Nationen und in Übersee. Eine deutsche BD oder DVD dieses Frühwerks seines inzwischen weltbekannten italienischen Regisseurs gibt es ebenso wenig.

 

Neben anderen internationalen Editionen gibt es eine erstklassige englische DVD-Ausgabe (2005) von Artificial Eye mit dem Film ungekürzt im Originalformat, dazu die italienische Tonspur mit optional einblendbaren englischen Untertiteln und den Kinotrailer, mehrere Filmografien und ein Interview mit Paolo Sorrentino als Extras. Empfehlenswert!

 

Neo Noir | 2004 | International | Paolo Sorrentino | Toni Servillo

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