Leben nach dem Tod in Bangkok

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Bewertung
****
Originaltitel
Ruang rak noi nid mahasan
Kategorie
Neo Noir
Land
THA/JPN
Erscheinungsjahr
2003
Darsteller

Tadanobu Asano, Sinitta Boonyasak, Laila Boonyasak, Yutaka Matsushige, Riki Takeuchi

Regie
Pen-Ek Ratanaruang
Farbe
Farbe
Laufzeit
104 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Bangkok, Thailand: Kenji (Tadanobu Asano) ist Japaner und arbeitet als Bibliothekar daher im japanischen Kulturinstitut. Er ist ein stiller und ein fanatisch ordnungsliebender Mensch, hinter dessen Korrektheit sich allerdings eine tiefe Einsamkeit verbirgt, die ihn zu Selbstmordversuchen führt. Aber aus verschiedenen Gründen will ihm keiner gelingen. Stets wird er im letzten Moment von Menschen seiner Umgebung gerettet. Kenjis selbstherrlicher Bruder Yukio (Yutaka Matsushige), ein ex-Gangster der Yakuza, erleichtert ihm das Leben auch nicht gerade - im Gegenteil. Yukio muss in Kenjis Wohnung Unterschlupf suchen, nachdem er in Japan mit der Tochter seines Arbeitgebers, eines Gangsterbosses, geschlafen hat, dessen Zorn ihm nun gewiss ist. Yukio hat einen Freund in Bangkok, Takashi (Riki Takeuchi), der ihm klar macht, dass er an Stelle des erbosten Vaters sicher dafür sorgte, den Schänder seiner Tochter umzulegen. Yukio aber lacht darüber und fühlt sich vorerst einmal sicher. In der Bibliothek des Kulturinstituts sieht Kenji die hübsche Nid (Laila Boonyasak) in einer Schuluniform und folgt ihr. Beim Besuch eines Nachtclubs wird auch Yukio auf Nid - sie arbeitet nun als Hostess - aufmerksam, die sich allerdings den Zorn ihrer Schwester Noi (Sinitta Boonyasak) zugezogen hat, nachdem sie eine Nacht mit deren kriminellem Freund Jon (Thiti Rhumorn) verbracht hat. Die beiden fahren gemeinsam in Nois rostigem VW Käfer, einem Cabriolet, durch die Straßen der Stadt über eine Brücke. Noi schmeißt Nid aus ihrem Auto und diese sieht Kenji, der sich soeben vom Geländer in den Fluss Chao Phraya stürzen will. Die beiden blicken sich an, als ein Wagen die auf der Fahrbahn stehende Nid erfasst…
 
„There is definitely a neo-noir plot, though it occurs in brief flashes” schrieb Stephen O. Murray für Epinions und gibt mit Blick auf Leben nach dem Tod in Bangkok einen überraschend selten geäußerten Hinweis. “Pen-ek Ratanaruang shoots a subtle-funny film noir with camera legend Christopher Doyle (“In The Mood For Love”) and Japanese actor Tadanobu Asano (“Zatoichi”)” erläutert mrlovebucket für das Portal I Can't Eat This. Der Regisseur Pen-Ek Ratanaruang sieht die 104 Minuten seines Films in drei Teile unterteilt und davon die Exposition und das Finale als Erzählung jenes mal mehr, mal weniger romantische Miteinander von Kenji und Noi einrahmen. Allemal ist die Liebesgeschichte der beiden sowohl seitens der Regie als auch durch die beeindruckende Kameraarbeit Christopher Doyles (Fallen Angels, HK 1995) ein zentrales und anrührendes Mittelstück des Films. Aber nicht nur sterben vor dieser Affäre drei Menschen, davon zwei eng mit ihnen verwandt, eines gewaltsamen Todes, sondern obendrein muss Kenji noch die Leiche des Killers entsorgen, der seinen leiblichen Bruder auf dem Gewissen hat. Noi ist ihrerseits mit dem kriminellen Jon befreundet; seine Konfrontation mit Kenji schwebt als Damoklesschwert über ihnen. Von ihren Geheimnissen wissen die beiden allerdings nichts. So steuert der Film auf ein Ende zu, das die Stränge der Erzählung zum Abschluss führt.
 
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© Rapid Eye Movies
 
Trotz alledem kursiert der Film - in Deutschland unterm englischen Titel Last Life In The Universe auf DVD erschienen - bei vielen Kritikern als „Romanze“ und wird gern  auch mal mit dem Adjektiv „leicht“ beschrieben. Sicher gibt es Zutaten schwarzen Humors, doch mit Blick auf seine Geschichte ist Leben nach dem Tod in Bangkok vor allem tragisch und nahezu fatalistisch, gewürzt mit eindrucksvollen Sequenzen der Urbanität in der Millionenstadt Bangkok und einem zentralen Thema, das die Personen zusammenführt und wieder auseinander treibt – über Landesgrenzen und diejenige des Lebens hinweg! – und das ist ihre Einsamkeit. Der Stil des Films, inklusive Rückblenden und eines Erzählers aus dem Off als klassische Elemente des Film-Noir-Kinos, erweist sich als geradezu perfekt und stellt doch auf eine Geduldsprobe. Denn der elegische Charakter Kenjis braucht einige Zeit, um dem Zuschauer transparent zu werden und diese Zeit sollte man erübrigen können, da man sonst genervt ausschaltet. Leben nach dem Tod in Bangkok ist in seinen ersten 20 Minuten ein langsamer Film, dessen Rhythmus man sich anpassen muss, um ihn sodann genießen zu können. Ein ewigenwilliges und empfehlenswertes Werk, das den japanischen Regisseur Takeshi Miike in einem Cameo-Auftritt als Yakuza-Killer bringt. Einmal mehr mit Darsteller Tadanobu Asano, Kameramann Christopher Doyle und Autor Prabda Yoon vereint, drehte Pen-Ek Ratanaruang auch den Neo Noir Invisible Waves (THA/NL 2006).
 
Exzellente DVD-Editionen von Rapid Eye Movies (2DVD von 2006 und DVD in der Reihe Intro Edition Asien von 2009), ungekürzt im Originalformat, Tonspuren auf Japanisch/Thai und auf Deutsch, wahlweise deutsche Untertitel, ein 16-seitiges Booklet, Interviews, ein Behind the Scenes sowie der Kinotrailer und eine Fotogalerie als Extras.
 

Neo Noir | 2003 | International | Pen-Ek Ratanaruang | Christopher Doyle | Chankit Chamnivikaipong | Tadanobu Asano

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