Johnny Apollo

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Bewertung
***
Originaltitel
Johnny Apollo
Kategorie
Pre Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1940
Darsteller

Tyrone Power, Dorothy Lamour, Edward Arnold, Lloyd Nolan, Charley Grapewin

Regie
Henry Hathaway
Farbe
s/w
Laufzeit
94 min
Bildformat
Vollbild
 

 

Bild Bild Bild
© Twentieth Century Fox Film Corporation
 
New York: Die Aktien des Börsenmaklers Robert Cain sr. (Edward Arnold) werden an der Wall Street ab sofort nicht mehr notiert, denn Cain soll wegen Untreue der Prozess gemacht werden. Kaum ist der erfahrene Mann darüber im Bilde, ruft schon der Staatsanwalt (Russell Hicks) an, und selbst Cains eigener Rechtsbeistand Jim McLaughlin (Lionel Atwill) kann nicht verhindern, dass sein Mandant zur ersten Vernehmung gebracht wird. Dabei war er soeben auf dem Weg zu einem Sportwettkampf der Universität seines Sohnes Bob (Tyrone Power). Jenen wirft die Nachricht, die McLaughlin ihm überbringt, derart aus der Bahn, dass er seine Koffer packt und noch am gleichen Abend nach Hause kommt. In Bobs Zimmer haben Vater und Sohn darauf eine heftige Auseinandersetzung, denn der Sprössling hat ein Leben lang, vor allem in den letzten 10Jahren, die seit dem Tod der Mutter vergangen sind, an die Aufrichtigkeit seines Vaters geglaubt. Die beiden entzweien sich; und Robert Cain sr. sieht seinem Prozess entgegen. Am Tag der Urteilsverkündung eilt Bob in letzter Minute in den Gerichtssaal. Zuerst wird der Mobster Mickey Dwyer (Lloyd Nolan) wegen minderer Vergehen zu zwei Jahren Haft verurteilt. Der Richter (Charles Towbridge) lässt keinen Zweifel daran, wie sehr er das milde Urteil bedauert. Robert Cain sr. bekommt 5 bis 10 Jahre aufgebrummt und nimmt das Urteil mit steinerner Miene zur Kenntnis. Am Bahnhof ist er in Handschellen den Journalisten ausgeliefert, schon heute ein Mann von Gestern…
 
“We’re in a tough game, and we’ve got to be as tough as the other fellow or get out.” Der Gangsterfilm der 30er Jahre gehörte in seinen Höhepunkten eindeutig Warner Brothers Pictures, Inc. Von The Public Enemy (USA 1931) bis zu Das Geheimnis von Malampur (USA 1940) definierte Warner Brothers das Kriminaldrama auf Zelluloid wie sonst kein zweites Studio des Jahrzehnts. Die Twentieth Century Fox hatte 1936 den jungen Schauspieler Tyrone Power unter Vertrag genommen, als einen Widerpart zu Robert Taylor von Metro Goldwyn Mayer. Doch Power waren die Kostümfilme, in denen er auftrat, bald zu flach und stereotyp. So drehte er unter Henry Hathaway als Regisseur diesen Gangsterfilm, der erste Schattierungen des Film Noirs vorweg nimmt, was er nicht zuletzt einer Reihe von Einstellungen des versierten Kameramanns Arthur C. Miller zu verdanken hat. Johnny Apollo ist ein Film, der Klasse zeigt und zwar nicht nur diejenige des Hauptdarstellers Tyrone Power, der allemal seine Rolle voll ausfüllt. Sowohl das Ensemble ist exzellent, mit heute kaum noch bekannten Leuten wie Charley Grapewin und Lloyd Nolan, aber auch die Geschichte hätte was zu bieten, wäre sie an einigen Ecken und Enden nur glaubwürdiger. Das Problem des Films besteht darin, dass er im direkten Vergleich zum Stand der Dinge bei Warner Brothers einfach viel zu handzahm daherkommt und mit den Prämissen des Beginns nicht ernst macht, um sowohl die Romanze als auch das Ende nicht zu gefährden.
 
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© Twentieth Century Fox Film Corporation
 
Während wir zu Beginn einen Börsenmakler haben, der den Sozialdarwinismus seiner Geschäfte über die Grenze der Legalität hinaus verteidigt, ist das Ende reinste Zuckerbäckerei. Das verträgt der Film jedoch nicht - gute Darsteller, erstklassige Kameraarbeit und ein sicherer Regisseur reißen es nicht raus. Erst verstößt der Vater seinen Sohn, weil ihm dieser seine krummen Machenschaften vorhält; dann verstößt der Vater seinen Sohn, weil jener mit dem Gangster Mickey Dwyer (Lloyd Nolan) gemeinsame Sache macht. Nachdem Robert Cain sr. verurteilt wurde, informiert der Anwalt Jim McLaughlin den Junior, dass von den Millionen sicher nichts übrig bliebe, wären erst die Prozesskosten und sonstigen Schulden beglichen. Glaubwürdig…? Bob Cain nimmt es gelassen, sucht sich einen lausigen Job nach dem anderen, um erst ein Jahr später wieder mit McLaughlin in Kontakt zu treten. Nun, das ist natürlich Mumpitz, der aus Bob Cain keinen wirklich konsistenten Charakter werden lässt, so vital frisch und versiert Tyrone Power die Rolle auch zu füllen versucht. Der Film ist flott erzählt, hält das Tempo und das Niveau der Produktion, nicht aber das Niveau der Geschichte. Der Tote lebt (USA 1941) mit Robert Taylor (ebenfalls mit Edward Arnold) wurde für MGM ein besserer Start ins Film-Noir-Fach, ebenso I Wake Up Screaming / Hot Spot (USA 1941), der zweite, schon richtig gelungene Streich im Kontext des Film Noirs für Twentieth Century Fox. Henry Hathaway etablierte sich ab Feind im Dunkel / Der weiße Schatten (USA 1946) für 10 Jahre als eine konstante Größe im Film-Noir-Kanon. Tyrone Power machte darin durch die Hauptrolle in dem so brillanten wie damals kontrovers aufgefassten Der Scharlatan (USA 1947) von sich Reden.
 
In der Reihe The Bounty Noir Collection gibt es eine australische DVD-Edition (2011), bild- und tontechnisch erstklassig restauriert, ungekürzt im Originalformat, den englischen Originalton plus optional englische Untertitel. In den USA gibt es Johnny Apollo auf DVD (2010) im preisgünstigen Doppel mit Day-Time Wife (USA 1939), eine aus einem Dutzend von Tyrone Powers harmlos netten Komödien jener frühen Jahre, die Qualität ist technisch auch in diesem Fall vorbildlich.
 

Pre Noir | 1940 | USA | Henry Hathaway | Arthur C. Miller | Anthony Caruso | Charles Lane | Edward Arnold | James Flavin | Lloyd Nolan | Marc Lawrence | Tyrone Power

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