Fear

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Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
**
Originaltitel
Fear
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1946
Darsteller

Peter Cookson, Warren William, Anne Gwynne, Francis Pierlot, Nestor Paiva

Regie
Alfred Zeisler
Farbe
s/w
Laufzeit
67 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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Medizinstudent Lawrence Crain (Peter Cookson) sitzt des Abends bei geöffnetem Fenster in seinem Einzimmer-Appartment im Lehnstuhl und nimmt einen Brief zur Hand, den er neben sich auf den Boden hat fallen lassen. Es ist ein Schreiben des John Dreuten Medical College, darin dessen Präsident mitteilt, dass aufgrund besonderer Umstände ihm das gewährte Stripendium nicht weiter ausgezahlt werden könne. Seit fünf Jahren ist Crain bereits eingeschrieben und hat lediglich ein Jahr bis zum Erlangen des Doktors der Medizin vor sich. Nun sieht sich der junge Mann in seiner Existenz bedroht, zerknüllt den Brief und wirft ihn in den Paierkorb. Seine Vermieterin Mrs. Williams (Almira Sessions) klopft an und erinnert ihn daran, dass er am heutigen Dienstag die seit sechs Wochen überfällige Miete zu zahlen versprochen hatte. Sie sieht sich in dem unordentlichen und verschmutzten Zimmer um und fragt ihn, ob er überhaupt etwas tue um Geld zu verdienen. Larry Crain ist jedoch nicht in der Stimmung, mit ihr über seine Finanzen zu diskutieren und wirft sie hinaus. Er nimmt die Taschenuhr, die ihm sein Vater einst zu seinem 15. Geburtstag geschenkt hatte, der Anlass ist im Deckel eingraviert, und begibt sich damit zu Professor Stanley (Francis Pierlot), der neben seiner Lehrtätigkeit an der Universität als Pfandleiher der Studenten einen einträglichen Nebenverdienst unterhält. Für die Uhr, die den Vater einst 100 US-Dollar kostete, bietet ihm der sich seiner Macht bewusste Professor 10 Dollar, und ein verzweifelter Larry Crain akzeptiert…

 

”Released by Monogram in 1946, Fear is a little-remembered film noir that has all the flaws of a typical Poverty Row production”, beginnt The Professor seine Rezension des Werks für Film Noir of the Week und bringt es auf den Punkt. Folgende Randnotiz ist womöglich die für ein europäisches Publikum erstaunlichste: Alfred Zeislers Fear basiert zu Teilen auf Fjodor Michailowitsch Dostojewskis Roman Schuld und Sühne (EA 1866), einem Werk der Weltliteratur, ohne dass es in Vor- oder Abspann erwähnt würde. So wird im Verlauf der Handlung klar, dass Medizinstudent Lawrence Crain für ein wissenschaftliches Journal einen Aufsatz verfasste, worin er sich mit der Möglichkeit eines gerechtfertigten Mordes und eines privilegierten Status‘ des Mörders befasst. Police Captain Burke (Warren William) versucht zu erfahren, ob auch Crain sich zu der Gruppe Privilegierter zähle, denn Burke sieht keine Möglichkeit, seinen Hauptverdächtigen des Mordes an Professor Stanley überführen zu können, insofern jener am Tatort keine Spuren und somit keine Indizien hinterließ. Durch scheinbar zufällige Besuche und den penetranten Detective Shaefer (Nestor Paiva) setzt der erfahrene Beamte Larry Crain unter Druck, um ihn zu einem Fehler zu reizen oder ihm aufgrund seines schlechten Gewissens ein Geständnis zu entlocken. All das sind von Dostojewski entlehnte Handlungselemente, indessen das Drehbuch allein Dennis J. Cooper und Regisseur Alfred Zeisler zugesprochen wird. Letzterer war US-Amerikaner, arbeitete als Regieassistent an Fritz Langs Der müde Tod (GER 1921) und im Anschluss in Deutschland als Drehbuchautor, wo er sich bis Mitte der 30er Jahre als Autor, Produzent und Regisseur etabliert hatte. Im Dritten Reich als Jude der Verfolgung durch die Nationalsozialisten schutz- und rechtlos ausgeliefert, emigrierte Alfred Zeisler erst nach England und kehrte 1939 in die USA zurück. Als Regisseur und Darsteller in Nebenrollen fand er mit oder in B-Produktionen für Poverty-Row-Studios noch bis 1954 ein schmales Auskommen.

 

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Mehrfach wird in Zeislers Fear Fritz Lang zitiert, erst mit dessen M – Eine Stadt sucht einen Mörder (GER 1931) und schließlich mit einer Bezugnahme aufs Finale von Gefährliche Begegnung / Der Erpresser (USA 1944). Doch nicht erst dieses Finale ist eine Schwäche jener Geschichte vom Medizinstudenten Larry Crain, welcher in der Verkörperung durch Peter Cookson weder sympathisch noch sonstwie von Interesse ist. Ob Drehorte, Dramaturgie oder die übrigen Darsteller: bis auf Warren William, und Nestor Paiva ist so ziemlich alles und jeder zweitklassig, und es beeinträchtigt die Qualität der Produktion von Anbeginn. Dass der Film sich mit seinem Finale ad absurdum führt und man sicht fragt, warum man ihn sich überhaupt ansah und warum er geschrieben und gedreht wurde, ist das endgültige Aus für eine Melange aus Dostojewski und Film-Noir-Klischees jener Zeit. Schauspieler Ernie Adams starb 1947 mit 62 Jahren, Warren William 1948 mit 53, und James Cardwells Karriere endete 1954 mit dessen Tod im Alter von nur 32. Peter Cookson trat noch bis 1958 hier und da im Fernsehen in Erscheinung, und auch Dennis J. Coopers Laufbahn versandete Mitte der 50er in TV-Produktionen. Fear ist eine Randnotiz des Film Noirs, die irrelevant und selbst für eingeschworene Freunde der Filmklassik reizlos bleibt.

 

Es gibt eine US-amerikanische DVD-Ausgabe (2014) von Grapevine Video mit dem Film ungekürzt im Originalformat und mit der original englischen Tonspur, bild- und tontechnisch auf dem Niveau eines VHS-Videos, ggf. die Kopie einer TV-Ausstrahlung, also nicht restauriert und von bescheidener Qualität, das Ganze ohne Untertitel und ohne Extras.

 


Film Noir | 1946 | USA | Alfred Zeisler | Darren McGavin | Ernie Adams | Nestor Paiva

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