Ice Harvest, The

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Bewertung
***
Originaltitel
The Ice Harvest
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2005
Darsteller

John Cusack, Billy Bob Thornton, Connie Nielsen, Oliver Platt, Randy Quaid

Regie
Harold Ramis
Farbe
Farbe
Laufzeit
85 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Wichtita, Kansas: Rechtsanwalt Charlie Arglist (John Cusack) steht am Rande eines gefrorenen Feldes und sinniert über das perfekte Verbrechen, von dem er sicher glaubt, dass es möglich sei… Es ist Weihnachtsabend in Wichita und ein Eisregen geht über der Stadt nieder, als Arglist von seinem Chef, dem Mafiosi Bill Guerrard (Randy Quaid), zwei Millionen Dollar in bar stiehlt und damit zu seinem Partner Vic Cavanaugh (Billy Bob Thornton), einem dubiosen Geschäftsmann in Sachen Pornografie, ins Auto einsteigt. Um 23:00 Uhr wollen sie sich im Stundenhotel Velvet Touch treffen, denn ab dem Zeitpunkt sollen der Eisregen nachlassen und die Straßen wieder passierbar werden. Ihr Ziel ist der Flughafen von Kansas City, Startpunkt in ein neues Leben. Als sie sich trennen, nimmt Vic das Geld und rät Charlie, sich bis dahin unauffällig zu verhalten. Der fährt geradewegs ins Sweet Cage, einen Stripper-Club, auf dessen Inhaberin Renata Crest (Connie Nielsen) es der Anwalt lange abgesehen hat. Doch während Charlie mit dem Keeper Sidney (Ned Bellamy) an der Bar plaudert, hat Renata schon raus, dass er etwas zu verbergen sucht. Sie berichtet von ihren Nöten, dass nämlich Strippen in Wichita ab Neujahr verboten sei, doch ein delikates Foto des Stadtrats Williams (David Pasquesi) ihr die Möglichkeit gäbe Druck auszuüben. Dummerweise sei das Foto im Besitz Vic Cavanaughs, der es in einem Hotelsafe in Verwahrung habe. Charlie bietet sich an, es ihr zu besorgen, als er von der Toilette kommend entdeckt, dass Bill Guerrards Schläger Roy Gelles (Mike Starr) nach ihm und Vic auf der Suche ist…
 
”It's against my religion to give out personal advice, but you should either sober up or get real drunk.” Zweierlei ist erstaunlich an der Rezeptionsgeschichte von The Ice Harvest, der in Deutschland keinen Verleih und nie den Weg ins Kino fand. Zum einen gehen viele Leute davon aus, dass ein Film mit Etikett „Schwarze Komödie“ in erster Linie lustig (= Komödie) und nicht bösartig (= schwarz) zu sein habe, und sie wundern sich, wenn dem nicht so ist. Zum anderen lobt alle Welt den klassischen Film Noir und teils zeitgenössisches Kino ob seiner verschachtelt kunstvollen Erzählweise. Publikum und Kritiker werfen The Ice Harvest aber bis heute vor, entweder zu wenig Komödie oder zu wenig geradlinig erzählt (und zu sehr Film Noir) zu sein. Definitiv ist diese Verfilmung von Scott Phillips' Kriminalroman Alles in einer Nacht (EA 2000) keine Komödie, wenn auch manche Sequenzen schwarzer Humor würzt, sondern ein Neo Noir, und so sollte er gesehen werden. Auch mit Oliver Platt, der absolut bemerkenswert agiert, und seiner Rolle des Pete Van Heuten, der mit Charlies ex-Frau Sarabeth (Justine Bentley) verheiratet ist und nun deren Sippschaft am Hals hat, gibt es in Sachen Liebe, Kinder und Familie einiges an Tragik und anrührende Szenen. Der teils melodramatische Film Noir erzählt seine Geschichte nicht schlecht und seine Geschichte ist durchaus erzählenswert.
 
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© Studiocanal GmbH
 
Es ist die Gangsterposse und es sind die Rollen von Thornton, Nielsen und Quaid, obgleich sie als Darsteller keine Fehler machen, die zu viele Klischees in sich vereinen und den Film am Ende abwerten. Ist einerseits auch subtil, dass wirklich kein einziger (!) Charakter – mit oder ohne Familie! – ein Sympathieträger ist, so wirkt auf der anderen Seite das doppelte, dreifache Spiel der Gangster deutlich abgekupfert. Diese Seite erinnert zu sehr an frühe Filme John Dahls und Quentin Tarantinos; die Charaktere erscheinen mehr wie Funktionsträger, als dass sie im Verhältnis zu Arglist, Van Heuten und den Nebenfiguren überzeugen. Dadurch verspielt der Film sein Potential, das ihm vor allem die pointiert geschriebenen Dialoge in Serie zur Verfügung stellen. Gerade die Reflektion auf ihr Scheitern als Bürger im US-amerikanischen Mittelstand, wo laut einem frustrierten und angewiderten Pete dem Mann nichts zu gewinnen bleibt außer Geld und Sex, ist mit Blick auf die Freundschaft zwischen ihm und David Arglist spannend skizziert. Die Ödnis gesellschaftlicher Verhältnisse in einer Stadt wie Wichita, die einzig und allein zu ihrem Verlassen einlädt, will man in ihr nicht ersticken, ist von bärbeißigem Sarkasmus gezeichnet. Demgegenüber sind die Mobster und die Femme fatale nicht ausgereift und der Ton des Films changiert zu unentschlossen zwischen Tragik und Parodie. Drei Sterne sind zuletzt nicht ganz fair, vier jedoch zu viel, denn im Ganzen kommt der Film, den man sich durchaus ansehen kann (aber nicht ansehen muss), trotz fulminanter Einzelszenen leider übers Mittelmaß nicht hinaus.
 
Gewohnt erstklassige DVD-Ausgabe der Studiocanal GmbH (2006) mit dem Film ungekürzt im Originalformat, deutsche und englische Tonspuren, optional deutsche Untertitel, dazu einen Audiokommentar von Harold Ramis, den Kinotrailer, Outtakes, Interviews, Fotogalerien, etc. pp. als Extras. Eine vorbildliche Ausstattung!
 

Neo Noir | 2005 | USA | Harold Ramis | Billy Bob Thornton | John Cusack | Mike Starr | Meghan Maureen McDonough

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