Hollywood-Verschwörung, Die

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Bewertung
****
Originaltitel
Hollywoodland
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2006
Darsteller

Adrien Brody, Diane Lane, Ben Affleck, Bob Hoskins, Robin Tunney

Regie
Allen Coulter
Farbe
Farbe + s/w
Laufzeit
121 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Los Angeles, Juni 1959: Der Schauspieler George Reeves (Ben Affleck), Darsteller der Comicfigur Superman in der landesweit bekannten, gleichnamigen Fernsehserie, wird erschossen in seinem Schlafzimmer aufgefunden. Die Polizeibeamten Detective Doug Johnson (Ted Atherton) und Sergeant Jack Paterson (Dash Mihok) inspizieren den Tatort und befragen die Zeugen. Sowohl Reeves’ Verlobte Leonore Lemmon (Robin Tunney) als auch ihre Freundin Carol Van Ronkel (Kathleen Robertson) sowie der Hausfreund Bill Bliss (Philip MacKenzie) geben an, dass sich der von Depressionen geplagte Reeves’ vorzeitig zu Bett begeben und dann von eigener Hand umgebracht habe. Nichts scheint dagegen zu sprechen, und so sind sich Medien und Polizei hinsichtlich dieses Selbstmordes schnell einig. Indessen müssen sich der abgehalfterte Privatdetektiv Louis Simo (Adrien Brody) sowie seine Sekretärin und Geliebte Kit Holliday (Caroline Dhavernas) mit kleinen Fischen wie Chester Sinclair (Larry Cedar) herumschlagen, einem krankhaft eifersüchtigen doch immerhin zahlungswilligen Ehemann. Über Chuck (Neil Crone), den ex-Kollegen einer Detektei, die Simo einst feuerte, gerät jener in Kontakt mit George Reeves’ Mutter Lois Smith (Helen Bessolo). Sie glaubt nicht an einen Selbstmord ihres Sohnes und heuert Louis Simo an, den von der Polizei bereits ad acta gelegten Fall neu aufzurollen…
 
Nach den tendenziell verhaltenen Kritiken zu diesem Neo Noir, der auf historischen Tatsachen beruht, war meine Erwartung gering und die positive Überraschung umso größer. Die Hollywood-Verschwörung ist definitiv ein Film wider den Trend, indem er eben nicht den seit den Spätachtzigern unumgänglichen Klischees des Thrillerkinos hinterher rennt und immer noch mehr Action, Tempo, Spezialeffekte und blutrünstige Gewalt bietet. Gerade dadurch, scheint es, wird aber die Schwelle der möglichen Aufmerksamkeit vieler Zuschauer zunehmend höher und mancher kann sich auf einen Film, der wie in dem Fall 30 bis 45 Minuten benötigt, um sein Drama sauber vorzubereiten, gar nicht mehr einlassen. Das Urteil erfolgt schnell und einhellig: Der Film sei langweilig, liest man allerorten, da passiert nichts. Die Hollywood-Verschwörung ist sicher kein Neo Noir der Meisterklasse, da er zum Einen zwar sehr deutlich und akribisch viele der für den Film Noir signifikanten Stilelemente und Themen übernimmt: Zitate in der Kameraarbeit von Joanthan Freeman, ausgeklügelte Rückblenden, gleich mehr als nur eine Femme fatale, ein Privatdetektiv mit einem kaputten Privatleben, Korruption unter jedem Stein, den der Ermittler sich anzuheben schickt, etc. pp. Zum Anderen übernimmt er auch eine Kinderkrankheit aus den Tagen der Romane Chandlers und Hammetts, nämlich eine überfrachtete Handlung. So viele Charaktere sind involviert und tragen mit ihrer Persönlichkeit zum Geschehen bei, dass trotz 120 Minuten einige auf der Strecke bleiben. George Reeves’ Mutter Lois Smith, Louis Simos Geliebte Kit Holliday, MGM-Studioboss Eddie Mannix (Bob Hoskins) – sie sind alle gut angelegt und werden leider jeweils nur kurz angerissen.
 
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© Studiocanal GmbH
 
Überhaupt sind die Schauspieler ein großes Plus. Fernsehroutinier Allen Coulter hat als Regisseur in seinem ersten Spielfilm ein wunderbares Ensemble zusammen gebracht, das auch in Nebenrollen exzellente Leistungen bietet. So ist die wandelbare Kanadierin Kathleen Robertson (Torso – das Geheimnis der schwarzen Witwe, CAN 2002) immer ein Genuss, auch Dash Mihok (Der Sezierer, UK 2011) kann überzeugen und über Bob Hoskins (Rififi am Karfreitag, UK 1980) als Eddie Mannix muss man kein Wort verlieren. Nach Teufel in Blau (USA 1995), der im Los Angeles des Jahres 1948 spielt, und natürlich L.A. Confidential (USA 1997), dessen Filmhandlung (wie in Die Hollywood-Verschwörung gibt es darin eine Begegnung mit Rita Hayworth…) ebenfalls 1959 angesiedelt ist, darf auch dieser Retro-Noir eine beeindruckende Ausstattung im Sinne historischen Ambientes sein eigen nennen. Im Original Hollywoodland betitelt, ist der deutsche Titel Die Hollywood-Verschwörung mit Blick aufs Finale etwas irreführend und nicht ganz korrekt. Dieses Finale ist konsequent und überrascht zudem auf eine Weise, wie sich das etwa Ray Lawrence mit Lantana (AUS/GER 2001) getraute. So ist es nämlich ernüchternd und vollends wider jede Sensationslust, wie eine „Verschwörung“ im Titel sie implizit nahelegt. Das Ende wiederum enttäuscht, insofern fast kein Hollywoodfilm neueren Datums mehr ohne versöhnlichen Schlussakkord auszukommen scheint und das nervt. Alles in allem kein überragender, doch ein sehenswerter Neo Noir mit einem exzellenten Adrien Brody als Private Eye.
 
Erstklassige deutsche Blu-ray bzw. DVD der Studiocanal GmbH (2011), die den Film ungekürzt und im Originalformat präsentiert, deutsche oder englische Tonspur, dazu deutsche oder englische Untertitel, sowie reichlich informative Extras, darin viele Leute vor und hinter der Kamera zu Wort kommen. Sehr zu empfehlen!
 

Neo Noir | 2006 | USA | Allen Coulter | Adrien Brody | Ben Affleck | Bob Hoskins | Dash Mihok | Diane Lane | Kathleen Robertson | Lois Smith

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