versteinerte Wald, Der

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Bewertung
****
Originaltitel
The Petrified Forest
Kategorie
Pre Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1936
Darsteller

Bette Davis, Leslie Howard, Genevieve Tobin, Humphrey Bogart, Dick Foran

Regie
Archie Mayo
Farbe
s/w
Laufzeit
79 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Warner Bros.
 
Irgendwo in der Wüste Arizonas liegt Black Mesa und dort besitzt Gramp Maple (Charley Grapewin) ein Rasthaus mit Tankstelle, das inzwischen von seinem Sohn Jason (Porter Hall) betrieben wird. Seine Tochter Gabrielle (Bette Davis) besorgt mit Gramp den Restaurantbetrieb; der neu eingestellte Boze (Dick Foran) ist der Tankwart. Auf ihrem Weg nach Westen hält hier allerlei Kundschaft - Leute betanken ihre Autos oder essen zu Mittag, und Jason hat alle Hände voll zu tun, damit ihnen Gramp nicht ständig seine Geschichten von Billy The Kid erzählt. Der junge Boze hat ein Auge auf Gabrielle geworfen, die zur Hälfte französischer Abstammung ist, nachdem der US-Soldat Jason ihre Mutter während des ersten Weltkriegs in Frankreich kennen gelernt hatte. Doch Gabrielle liest Gedichte von Francois Villon und versucht sich sogar als Malerin. Sie strebt nach Höherem, als ihr Leben am Rande der Wüste zu verbringen. Als der Postwagen am Rasthaus hält, weiß Fahrer Jim (Gus Leonard) zu berichten, dass der Gangster Duke Mantee (Humphrey Bogart) sich samt seinen Kumpanen in der Gegend herumtreiben soll, nachdem er tags zuvor bei einem Überfall in Oklahoma City sechs Leute getötet hat. Kurz darauf kommt der Wanderer Alan Squier (Leslie Howard) herein und bestellt bei Gabrielle das Tagesmenü. Im Gespräch mit Gramp stellt sich heraus, dass Squier Schriftsteller ist, und Gabrielle wird hellhörig…

Der versteinerte Wald ist ein legitimer Vorgänder des Film-Noir-Kinos, nicht zuletzt aufgrund der Figur Alan Squiers in der Darstellung durch Leslie Howard und so mancher Ambivalenzen in den Beziehungen der Rollencharaktere, die überaus vielschichtig sind. Das Drehbuch und die Regie nehmen sich in der ersten halben Stunde viel Zeit, um ihre Geschichte auf die Bahn zu bringen, so dass die zweite Hälfte des Dramas umso packender wird. Humphrey Bogart hat in dem Film mit immerhin bereits 36 Jahren seine erste signifikante Rolle, die er nicht zuletzt dem Theaterautor Robert Emmet Sherwood zu verdanken hatte, der ihn nach dem Erfolg des Stück am Broadway auch für dessen Verfilmung protegierte. Bogarts beste Zeile als Duke Mantee: "And it looks like I’ll spend the rest of my life dead.” Bette Davis, die in ihren späten Jahren teils des Over-Actings bezichtigt wurde, zeigt hier, dass sie mit 28 Jahren eine hervorragende Schauspielerin war. Sie ist in jeder Einstellung auf der Höhe des Skripts und seiner Nuancen, entwickelt eine durchweg stimmige Chemie mit Leslie Howard (die beiden waren zwei Jahre zuvor in Bette Davis’ Erfolgsfilm Of Human Bondage zu sehen) und spielt sich gegenüber dem Ensemble nie in den Vordergrund. Ihre beste Zeile als Gabrielle Maple: "Maybe I can get a job in Hollywood.” Archie Mayos Regie ist nicht extrem innovativ, – Fritz Lang, Howard Hawks, Lewis Milestone, u.a. waren ihm zu dem Zeitpunkt überlegen – doch lässt er andererseits nichts anbrennen. Der versteinerte Wald ist stimmungsvoll, mitunter sogar von einem (dezent) expressionistischen Touch, vor allem wenn die Nacht hereinbricht und der Gangster Duke Mantee mit seinen Schergen das Ruder in die Hand nimmt.
 
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© Warner Bros.

Archie Mayos Der versteinerte Wald ist kein Meisterwerk. Dafür sind Plot und Dialoge nach dem Theaterstück von Robert Emmet Sherwood zu over the top. Die Ambitioniertheit des Stücks erweist sich in 79 Minuten gerade zum Ende hin als überstrapaziert. Zuviel will der Autor in einer viel zu kurzen Zeit erreichen. Die letzten 30 Minuten sind geradezu extrem überfrachtet. Doch neben dem belanglosen, allein dem Zweck der Unterhaltung als Zeittotschlagen geschuldeten Kinofutter seit Beginn des Filmschaffens hebt sich dieser Pre Noir dennoch angenehm ab. Obwohl Alan Squier bei weitem zu viel existenzialistische Philosophie in druckreifen Sätzen in den Mund gelegt wird, langweilt die finale Konfrontation mit der Gegenwelt, die sich schnell als Annäherung erweist, keine Minute. Die linientreuen Patrioten und staatstragenden Kapitalisten Gramp und sein Sohn Jason erscheinen in letzter Konsequenz als kaltherzige und tumbe Überlebenskünstler. Duke Mantee und Alan Squier sind die romantischen Helden, von denen die Künstlerin kommender Zeiten, Gabrielle, der Welt gegenüber Zeugnis ablegen soll. Das ist romantisch verklärt, das ist gehörig naiv, aber belanglos ist es keinesfalls. Insofern ist Der versteinerte Wald noch heute ein sehenswertes Stück Filmgeschichte.

Exzellente DVD von Warner Bros. (2005), bildtechnisch topp restauriert im Originalformat und ungekürzt, als Tonspuren Deutsch, Englisch und Spanisch, dazu wahlweise 14 (!) verschiedene Untertitel, und haufenweise Extras: den US-Kinotrailer, die Dokumentation Der versteinerte Wald: Gefahr in der Wüste, mehrere Kommentare, u.a. von Humphrey-Bogart-Biograf Eric Lax, usw. Eine vorbildliche Edition!
 

 

 

Pre Noir | 1936 | USA | Archie Mayo | Eddie Acuff | Henry O'Neill | Humphrey Bogart | Joe Sawyer | Paul Harvey | Porter Hall | Bette Davis

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