Klute

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Bewertung
*****
Originaltitel
Klute
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1971
Darsteller

Jane Fonda, Donald Sutherland, Roy Scheider, Charles Cioffi, Dorothy Tristan

Regie
Alan J. Pakula
Farbe
Farbe
Laufzeit
110 min
Bildformat
Widescreen
 

 

Bild Klute-Poster-web5.jpg Bild
 
© Warner Bros.
 
Tom Gruneman (Robert Milli) ist sowohl liebender Ehemann als auch angesehener Ingenieur in der Forschungsabteilung eines Unternehmens in Pennsylvania. Als er eines Tages spurlos verschwindet, findet sich in seinem Büro ein obszöner Brief an die New Yorker Prostituierte Bree Daniels (Jane Fonda). Die Polizei ermittelt, dass Daniels von Gruneman mehrere Briefe dieser Art erhielt. Führte der Biedermann auf seinen Geschäftsreisen nach New York ein Doppelleben? Sechs Monate später ist die Polizei mit ihrer Suche stets erfolglos. Doch da Bree Daniels anonyme Anrufe erhält und sich verfolgt fühlt, gehen die Beamten davon aus, früher oder später auf Gruneman zu stoßen, den sie für psychisch instabil halten. Peter Cable (Charles Cioffi), ein hoher Manager in Grunemans Firma, und Ehefrau Holly Gruneman (Betty Murray) beauftragen nun Toms Jugendfreund, den Privatdetektiv John Klute (Donald Sutherland), Grunemans Verschwinden aufzuklären. Der Detektiv, noch nie zuvor in New York und ohne Erfahrung mit der Suche nach einem Vermissten, nimmt geradewegs Kontakt mit Bree Daniels auf, um ihr einige Fragen zu stellen. Doch die ist überaus misstrauisch und weist ihn schroff zurück. John Klute mietet sich im Apartmenthaus der Edelprotistuierten ein und zapft ihr Telefon an, um so auf eine Spur zu stoßen. Er beschattet sie auf ihren Wegen durch die Stadt, bis die latente Bedrohung des Call Girls durch einen Unbekannten eines Nachts konkret wird…
 
“Jesus, do you think I'd still be living in this kip if I was still in the line fulltime? I'd be back on Park Avenue.“ In der ersten Hochphase des Neo Noirs von 1967 bis 1974 stand der US-amerikanische Film unterm Einfluss des europäischen Kinoschaffens, insbesondere der französischen Nouvelle Vague. Junge aufstrebende Filmemacher arbeiteten bewusst an der Befreiung von formalen und teils inhaltlichen Konventionen des Unterhaltungsfilms Made In Hollywood, jenem System der übermächtigen Studios, das von Anbeginn die US-Filmwirtschaft beherrscht hatte. Martin Scorsese, Robert Altman, Alan J. Pakula, William Friedkin, Sidney Lumet und Arthur Penn schufen Filme, die als Ära eines New Hollywood in die Geschichte eingingen. Pakulas Neo Noir Klute ist ebenso wie Friedkins French Connection /Brennpunkt Brooklyn (1971), Boormans Point Blank - Keiner darf überleben (1967) oder Lumets Serpico (1973) ein Paradebeispiel dieser Art des Autorenfilms. Nicht so sehr aufgrund seiner Handlung, umso deutlicher aber infolge seiner Inszenierung und der Portraits seiner Rollencharaktere darf dieser Neo Noir zu den Meisterwerken der Siebziger gerechnet werden.
 
Das Schauspiel von Donald Sutherland, Jane Fonda, die für ihre Rolle der Bree Daniels den Oscar als beste Hauptdarstellerin erhielt, und auch von Roy Scheider ist exzellent. Die Regie Alan J. Pakulas (Zeuge einer Verschwörung, 1974) ist von der ersten Minute an fehlerfrei, das Timimg perfekt und die Montage der Szenen traumhaft sicher. Unterstützt wird das durch die wunderbare Fotografie von Kameramann Gordon Willis (Malice – eine Intrige, USA 1993) und die dezent unheimliche, perfekt eingepasste Musik Michael Smalls. Im Neo Noir der Frühsiebziger spielt die Großstadt erneut eine prominente Rolle. In Klute ist es ebenso wie in French Connection / Brennpunkt Brooklyn (1971) New York City. In Der Tod kennt keine Wiederkehr (1973) oder in Chinatown (1974) ist es Los Angeles. Hinterhöfe oder Seitenstraßen und die kühle Fassade der Metropole als Ausstellungsstück von Technologie und Komfort, anonym und anziehend zugleich - Pakula spielt mit den Elementen in einer Weise, dass sie noch 40 Jahre später nichts von ihrer Faszination eingebüßt haben. Klute ist ein Film mit Charakter, nahezu einzigartig und die Antithese zum Blockbusterstandard des heutigen US-Kinos. Klute ist ein Film, der sich langsam, bedrohlich voran bewegt - kein 0815-Thriller und keiner, dessen Thrill auf eine Mischung vorhersehbarer Effekte zurückgreift, obgleich sich im Finale Parallelen zum Hitchcock-Kino aufdrängen. Nicht nur der Film-Noir-Freund sollte dieses Beispiel eines (fast) perfekten Filmschaffens gesehen haben. 15 Jahre nach Klute gab Jane Fonda in Sidney Lumets Neo Noir Der Morgen danach (1986) eine vergleichbar intensive Darstellung, die vom Charakter der Bree Daniels keinen Steinwurf entfernt lag und ihr die letzte von 7 Oscar-Nominierungen eintrug.
 
Exzellente DVD-Edition von Warner Brothers, deutscher und englischer Ton, wahlweise deutsche Untertitel, der Film bildtechnisch topp in einer ungekürzten Fassung und im Originalformat. Lediglich Extras gibt es keine.
 

Neo Noir | 1971 | USA | Alan J. Pakula | Gordon Willis | Donald Sutherland | Richard B. Shull | Roy Scheider | Jane Fonda

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