Hexenkessel

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Bewertung
****
Originaltitel
Mean Streets
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1973
Darsteller

Robert De Niro, Harvey Keitel, David Proval, Amy Robinson, Richard Romanus

Regie
Martin Scorsese
Farbe
Farbe
Laufzeit
112 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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New York: Für seinen Onkel Giovanni Cappa (Cesare Danova) arbeitet der junge Charlie (Harvey Keitel) als Geldeintreiber, als ein Handlanger der Mafia mit Aussicht auf etwas Besseres bei guter Führung. Charlie Cappa ist tief religiös, geht jede Woche zur Beichte, obgleich ihn bezüglich der automatisierten Vergebung durch ein paar Gebete längst Zweifel plagen. Früher hatte er sich sein Leben immer als ein Priester der katholischen Kirche vorgestellt, nun tritt er in den durch Familiebande vorgezeichneten Pfad einer kriminellen Laufbahn in Diensten der Mafia. Er ist zugleich von einer starken Bindung zu Familie und Freunden in Little Italy geprägt und baut sein Weltbild auf der Annahme gegenseitigen Respekts und größtmöglicher Loyalität auf. Charlie hat viele Freunde in seinem Bezirk, etwa Tony DeVienazo (David Proval), in dessen Nachtclub Junkies von Tony eigenhändig hinausgeworfen werden. Hier trifft man sich eher, um der Striptease-Tänzerin Diane (Jeannie Bell) zuzusehen, von der Charlie genau weiß, dass sie großartig aussieht und er sie deshalb begehrt, die als Schwarze für ihn als italienischen US-Amerikaner zugleich ein Tabu sein muss. Ein Freund von Tony und Charlie ist John “Johnny Boy“ Civello (Robert De Niro), der zum Vergnügen am helllichten Tag Briefkästen in die Luft sprengt und bei allen Kredithaien der Gegend bis über beide Ohren verschuldet ist. Als Johnny Boy zum wiederholten Mal eine Rate an Michael Longo (Richard Romanus) nicht zurückzahlt, wendet sich dieser an Charlie Cappa…

 

Martin Scorseses für ihn selbst so bedeutsamer dritter Spielfilm Hexenkessel ist für mich nicht das Meisterwerk, zu dem er bei Erscheinen 1973 hochstilisiert wurde und als das er bis heute gilt. Er bringt mit Victor Argo, David Carradine und Harry Northup drei Darsteller, die auch in Scorseses heute fast vergessenem Vorgänger Die Faust der Rebellen (USA 1972) aufgetreten waren. Letzteres war eine Produktion des berühmt-berüchtigten B-Film-Produzenten Roger Corman, eine Auftragsarbeit für den 30jährigen Martin Scorsese, die jener akkurat und mit einigen der für ihn später signifikanten Kennzeichen erledigte. Die Legende weiß zu berichten, dass Scorsese diesen Film John Cassavetes (Mord an einem chinesischen Buchmacher, USA 1976) zeigte, der ihn als “piece of shit“ deklassierte und Martin Scorsese riet, er solle etwas Eigenständiges abliefern, näher an seinem von Cassavetes geschätzten Erstlingswerk Who’s That Knocking At My Door? (USA 1967), zugleich das Debüt des damals 28jährigen Harvey Keitel. Letzterer wiederum spielt in Hexenkessel die Hauptrolle, obgleich Robert De Niro im Abspann und auf Plakaten an erster Stelle genannt wird. Doch dieser Neo Noir ist Keitels Film, sein Charlie Cappa ist der wahrhaft komplexe und innerlich zerrissene Antiheld des Films, dem De Niros Johnny Boy zur Seite gestellt ist. Keitel ist großartig in Hexenkessel, ganz ohne Zweifel. Der vier Jahre jüngere De Niro macht seine Sache ebenfalls gut, aber er ist schon in typischer Weise manieriert, ein sich seiner Wirkung immer bewusster Mime und das ist beizeiten so enervierend wie der Rollencharakter, den er verkörpert. Amy Robinson als Teresa Ronchelli und Richard Romanus als Michael Longo sind ihrerseits exquisit; der Film profitiert deutlich vom Niveau seiner Darsteller. Den Titel Mean Streets entlehnte Scorsese einem Essay Raymond Chandlers. Zudem übernahm er als schießwütiger Jimmy Shorts in der Manier Roman Polanskis eine kleine Rolle in seinem Film, den er mit Songs aus der eigenen Schallplattensammlung bestückte, Pop und Rock von Eric Clapton, The Ronettes, Cream, Ray Barretto, The Rolling Stones, Johnny Ace und anderen.

 

Aber Scorsese lässt sich als Autor, Regisseur, Schauspieler und auch am Schnitt wesentlich beteiligter Schöpfer dieses Werks von der eigenen Begeisterung und seinen Ideen zu sehr mitreißen. Der Film ist randvoll mit Musikbegleitung; ständig erschallt ein neuer Song, wird der Film zur Popkulisse. Ständig bekommt De Niro die Gelegenheit, seinen Schmalspurgangster zu zelebrieren - tough und weird. Und ständig muss sich Michael bei Charlie beklagen, dass Johnny Boy, obwohl es ausgemacht war, seine Schulden nicht bezahlt habe. Kurzum, trotz seiner verschroben bizarren Charaktere und der wunderbar porträtierten Schauplätze in Little Italy ist der Film redundant und bringt seine Geschichte nicht auf den Punkt. Das Neo-Noir-Meisterwerk des Jahres 1973 ist Peter Yates‘ The Friends Of Eddie Coyle, der in einem benachbarten Milieu (in Boston, Massachusetts) angesiedelt ist. Martin Scorseses Grundstein seiner Popularität, Hexenkessel, ist zuletzt ein Film, der sein Potential zwar nicht ausschöpft, doch den gesehen zu haben kein Cineast und kein Freund des Film Noirs jemals bereuen wird. Insofern ist er an dieser Stelle auch zu empfehlen, die genannten Abstriche hin oder her.

 

Unter dem deutschen Titel Hexenkessel ist der Film hierzulande mehrere Male als BD und als DVD veröffentlicht worden, zuletzt 2014 von der Delta Music Entertainment GmbH Co. KG. Alle Editionen sind bild- und tontechnisch mittelmäßig, bieten das Werk aber ungekürzt und im Originalformat mit wahlweise englischem Originalton oder mit einer deutschen Synchronisation (letztere unzumutbar und keinesfalls zu empfehlen!), in einigen Fällen auch optional mit deutschen Untertiteln. Extras gibt es keine.

 

Neo Noir | 1973 | USA | Martin Scorsese | Harry Northup | Harvey Keitel | Robert De Niro | Victor Argo

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