Nocturne

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Bewertung
***
Originaltitel
Nocturne
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1946
Darsteller

George Raft, Lynn Bari, Virginia Huston, Joseph Pevney, Myrna Dell

Regie
Edwin L. Marin
Farbe
s/w
Laufzeit
87 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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© Warner Bros.

Los Angeles, Kalifornien: In seinem luxuriösen Bungalow mit Terassenblick über die nächtliche Stadt sitzt der populäre und reiche Pianist Keith Vincent (Edward Ashley) am Konzertflügel und lässt seine Finger über die Tasten gleiten, indessen er an einer Komposition namens Nocturne arbeitet. Im tiefen Schatten unter einer mit Frauenportraits behängten Wand sitzt die in Schwarz gekleidete Dolores und lauscht seinen Worten. Keith Vincent erklärt ihr, dass er die Beziehung mit ihr beenden werde. Sein Lied Nocturne sei jedoch ihr gewidmet und werde ihn an sie erinnern. In der Art, wie er über Dolores und seine früheren Frauen urteilt, ist Vincent kalt und grausam. Indessen die Anwesende schweigt, hört er sich selbstgefällig reden. Als er auf dem Notenblatt vor sich etwas eintragen will, fällt ein Schuss und Vincent gleitet vom Klavierhocker auf den Teppich… Schon kurz darauf ist Police Lieutenant Halberson (Walter Sande) mit dem Polizisten Flanagan (Pat Flaherty) und dem Polizeifotografen Olsen (William Challee) vor Ort, um Spuren zu sichern. Alles deutet auf Selbstmord, zumal der anwesende Gerichtsmediziner (Lorin Raker) feststellt, dass die Tatwaffe Vincents Fingerabdrücke und die Wunde Pulverspuren aufweist. Doch der ebenfalls anwesende Kolle Joe Warne (George Raft) scheint von der Theorie Halbersons nicht sonderlich überzeugt. Er betrachtet versonnen die Portraits an der Wand und das Notenblatt auf dem Konzertflügel, als Flanagan mit der Haushälterin Susan Flanders (Myrna Dell) erscheint…

 

“After the clever opening act, the rest of the movie takes a queue from Rafts single note dialogue and robotic voice”, schreibt Thomas Blain für Jackass Critics und bringt mich dazu, einige Worte zum Hauptdarsteller des Films zu verlieren. Die Karriere George Rafts ist ein Phänomen, über das der Cineast staunen darf und vielleicht sogar staunen muss. Während er in seinen Filmen der 30er Jahre, in denen er schon bald in Hauptrollen fungierte, zumindest das notwendige Talent und Engagement zeigte, wirkt er in jenen der 40er zunehmend deplatziert. Mimik und Körpersprache erscheinen wie eingefroren, und der physischen Starre entspricht die von Blain erwähnte monotone Aggressivität seines Sprechens. Völlig unabhängig vom Inhalt klingt jeder Satz gleich betont, und solche Kombination der Merkmale seiner Schauspielkunst wecken allemal den Verdacht, George Raft sei ein fleischgewordener Roboter. Auf fast allen Plakaten seiner Film Noirs der 40er und 50er Jahre, darin George Raft als Hauptdarsteller auftrat, wird er als impulsiv und tough angepriesen oder gezeigt. “Raft on a Rampage!“ tönt es 1946 in Werbeanzeigen zur RKO-Produktion Nocturne und tatsächlich kann man sich eine andere Gangart bei ihm auch nicht vorstellen. Dennoch ist sein laienhaftes Unvermögen in Nocturne nicht gar so ausgeprägt wie in Johnny Angel (USA 1945) oder in Hyänen der Unterwelt (USA 1952) - zwei Filme, die er schlichtweg ruiniert. Allemal ist George Raft auch in Nocturne eine Fehlbesetzung. Der Mann hätte bestenfalls zum Statisten getaugt, und dass Hollywood über 20 Jahre an ihm als Hauptdarsteller festhielt, genau das provoziert bei mir eingangs erwähntes Staunen. Viele Kollegen in vergleichbaren Rollen des Film Noirs waren nicht nur besser als Raft, sondern meist exzellent, so etwa Humphrey Bogart, Van Heflin, Robert Ryan, John Garfield, Edmond O’Brien, Richard Conte oder Victor Mature.

 

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© Warner Bros.

Der Anfang des Films, die von Blain genannten ersten 5 Minuten, sind vielversprechend inszeniert und für einen Film seiner Zeit von gehöriger Klasse. Aber die Suche nach dem Mörder, die vom ruppigen Cop Joe Warne mit manischem Eifer begonnen wird, ist fader Krimistandard, der die üblichen falschen Fährten verfolgt und beim Zuschauer schon bald kaum Interesse hervorrufen kann. Alle beteiligten Schauspieler sind besser als Raft, vor allem auch die Frauen, und Lynn Barri, die zeitgleich neben Vincent Price in dem Film Noir Shock (USA 1946) auftrat, erscheint als eins der vielen in Hollywood vergeudeten Talente, zumal sie ab 1950 fast nur mehr im Fernsehen zu sehen war. Edwin L.Marin und George Raft arbeiteten zwischen 1945 und 1948 in sechs Filmen miteinander, doch keins dieser George-Raft-Vehikel erweist sich als filmhistorisch ansatzweise relevant. In solcher zeitlich besten Phase des Film Noirs gibt es mit den obengenannten Ikonen des Filmstils reihenweise Werke, die einen George Raft als Randnotiz der Filmgeschichte bloßstellen, obgleich er bis heute von vielen Filmfreunden geschätzt wird. Nach meiner Einschätzung ist Nocturne kein Film, den man gesehen haben muss. Auch die Kameraarbeit des stets zuverlässigen Harry J. Wild (Murder, My Sweet, USA 1944) kann daran nichts ändern.

 

Sehr gute DVD-Edition (2014) der Warner Archive Collection mit dem Film ungekürzt im Originalformat und ohne Regionalcode, dazu den original englischen Ton ohne Untertitel, das Ganze ohne Extras.

 

Film Noir | 1946 | USA | Edwin L. Marin | Harry J. Wild | George Raft | Joseph Pevney | Dorothy Adams | Lynn Bari

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