Body, The

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Bewertung
****
Originaltitel
El cuerpo
Kategorie
Neo Noir
Land
ESP
Erscheinungsjahr
2012
Darsteller

José Coronado, Hugo Silva, Belén Rueda, Aura Garrido, Miquel Gelabert

Regie
Oriol Paulo
Farbe
Farbe
Laufzeit
107 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Barcelona, Spanien: Ángel Torres (Miquel Gelabert), Nachwächter des außerhalb der Stadt gelegenen Instituts für Rechtsmedizin und Forensik, des Leichenschauhauses, rennt von Angst getrieben mit einer Taschenlampe durch ein nächtliches Wadstück. Als er auf eine Straße hinaustritt, kann ein heranfahrender Wagen nicht mehr bremsen. Torres wird schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert, er liegt im Koma. Kurz darauf erhält Kommissar Jaime Peña (José Coronado), der vor drei Stunden von einem Besuch seiner Tochter Eva in Berlin zurückkehrte, einen Anruf von seinem Kollegen Pablo (Juan Pablo Shuk). Der informiert seinen Chef über den Unfall und über den Zustand des Mannes. Die beiden treffen sich auf der Intensivstation des Hospitals und fahren von dort zum Leichenschauhaus. Dort kommen sie mit den bereits vor Ort befindlichen Polzisten Norma (Patrícia Bargalló) und Mateos (Oriol Vila) zusammen. Norma erklärt, dass Torres um 20:30 Uhr seinen Posten verlassen und auf der Polizeiwache den diensthabenden Carlos (Manuel Dueso) wegen der Bitte um einen Streifenwagen zu erreichen versucht habe. Als Carlos ihn zurückrufen wollte, habe niemand mehr abgenommen. Der Grund für die Panik des Nachwächters läge möglicherweise darin, dass die gestern nach einem Herzinfarkt eingelieferte Leiche der Unternehmerin Mayka Villaverde Freire (Belén Rueda) verschwunden sei…

 

Verschachtelte Rückblenden, eine Femme fatale, viele falsche Fährten und eine gefälschte Liebe in einer langen, regendurchtränkten Nacht: El cuerpo (Originaltitel) bedient sich beim klassischen Film Noir der 40er und 50er Jahre und entpuppt sich auch mit der Schlusssequenz als genau in solcher Tradition stehend. Vergleiche mit Alfred Hitchcock, der in Die rote Lola (USA 1950) seine Zuschauer mit einer subjektiven Rückblende an der Nase herumführt, oder auch mit Henri-Georges Clouzots Die Teuflischen (FRA 1955), dessen Schluss ähnlich verblüfft, waren in der Rezeption zum internationalen Kinostart naheliegende Referenzen. Aber der Anschluss an die Tradition des Thriller- und Film-Noir-Kinos machen aus The Body nicht ebenso einen Klassiker. Ich kann jene Kritiker und Zuschauer verstehen, die sich vom Ende veräppelt fühlen, insofern in der Rückbesinnung auf einzelne Sequenzen die Glaubwürdigkeit dadurch eher beschädigt und nicht etwa logisch transparent wird. Das aber ist die Behauptung, dass nämlich solcher Schluss eine im Resultat perfide und minutiös ausgeklügelte Cleverness offenbart, die wir Zuschauer ständig vor Augen hatten und trotzdem so nicht geahnt haben. Der Film Noir Deadline At Dawn (USA 1946), der genau wie The Body im Verlauf einer einzigen Nacht spielt, ist ein typisches Beispiel, wie solch ein Plot mit Überraschungsende volkommenen daneben gerät. Aber so schlecht ist The Body dann eben nicht. Trotz einiger kaum verzeihlicher Ungenauigkeiten und Übertreibungen ist seine amoralische Erzählung von Feigheit, Liebe, Betrug und Verrat für den Cineasten ein Vergnügen von hohem Unterhaltungswert, wenngleich kein ungetrübtes.

 

Sowohl die Kamaeraarbeit und der Schauplatz - ein in der Nacht nur von Polizisten und dem Hauptverdächtigen bevölkertes Leichenschauhaus - als auch die Darsteller tragen letztlich zum Genuss am Film ebensoviel bei wie das ein wenig überschätzte Drehbuch. Zudem muss man dem Regisseur Oriol Paulo zugestehen, dass er in Sachen Dramaturgie seine Hausaufgaben gemacht hat. The Body ist ein durchweg spannender Film. Dank seines durch viele Rückblenden zerstückelten narrativen Strangs entfaltet die Handlung viele Facetten der beteiligten Charaktere, die Anlass und Raum zu Spekulationen geben. Die Heirat der mächtigen Unternehmerin mit einem deutlich jüngeren, mittellosen Akademiker, der sich von der Frau und nochmals mehr von ihrem Wohlstand angezogen fühlt, ist zwar klischeebelastet, doch Hugo Silva und Belén Rueda zeigen in ihrer Hassliebe eine überzeugende Chemie miteinander. Erstaunlich bleibt, dass der Film kaum als Neo Noir besprochen wurde, ihm demgegenüber aber Elemente des Horrorfilms zugesprochen wurden, die nur sehr vereinzelt und untergeordnet zum Tragen kommen. Zudem fragte ich mich, ob sich die Autoren Oriol Paulo und Lara Sendim auch von Neo Noirs aus Hong Kong à la Divergence (HK 2005) oder Confession of Pain (HK 2006) inspirieren ließen - einige der abschließenden Koinzidenzen deuten darauf hin. Martin Beck stellte 2014 anlässlich der deutschen BD- und DVD-Veröffentlichung für kino-zeit.de die Frage, warum The Body nie ins deutsche Kino kam. Wer jedoch bemerkte, wie konservativ auf Blockbuster fokussiert hierzulande das Angebot seit 10, 15 Jahren ist, den wird das kaum wundern. Alles in allem kein Meisterwerk, doch in seiner handwerklichen Expertise ein fürs spanische Neo-Noir-Kino der letzten Jahre exemplarischer Thriller. Sehenswert!

 

Erstklassige BD- und DVD-Editionen (2014) der OFDb Filmworks mit dem Film ungekürzt im Originalformat, wahlweise die spanische oder deutsche Tonspur, optional deutsche Untertitel, dazu den Kinotrailer, ein Making of, geschnittene Szenen und ein Behind The Scenes als Extras.

 


Neo Noir | 2012 | International | Oriol Paulo | José Coronado

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