Nacht von Soho, Die

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Bewertung
***
Originaltitel
Night And The City
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1992
Darsteller

Robert De Niro, Jessica Lange, Cliff Gorman, Alan King, Jack Warden

Regie
Irwin Winkler
Farbe
Farbe
Laufzeit
100 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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© Twentieth Century Fox Film Corporation
 
New York: Der notorisch erfolglose und großmäulige Rechtsanwalt Harry Fabian (Robert de Niro) wird abends am Geldautomaten von zwei Straßenräubern (Cameron Lane, Sharrieff Pugh) gestellt, doch alles, was er auf dem Konto hat, sind Schulden. Kaum sind die beiden ums Eck, nimmt Fabian eine Einzahlung mit Bargeld vor, das er die ganze Zeit bei sich trug. Am Kiosk kauft er die Abendausgabe der New York Post und geht ins Boxers, sein Stammlokal, das von Phil Nasseros (Cliff Gorman) und dessen Frau Helen (Jessica Lange) geführt wird. Hier begrüßt Fabian die Gäste am Tresen mit Handschlag, doch nicht alle sind ihm wohl gesonnen. Ein hoch erregter Mann (Peter Bucossi) greift ihn an und treibt ihn bis hinaus auf den Gehsteig, wo Harry Fabian zu Fall kommt, indessen der Andere ihn zu verprügeln sucht. Seine Frau sei im Gefängnis, schreit der Angreifer, weil Fabian ihren Prozess verloren habe, dann ist ein Streifenwagen zur Stelle und der aufgebrachte Kerl wird abgeführt. Wieder am Tresen witzelt Harry über den Vorfall, indessen Helen, die insgeheim mit Fabian eine Affäre hat, ein wenig flirtet, was Phil allerdings missfällt. Harry lenkt die Aufmerksamkeit auf einen Zeitungsartikel über den Boxer Cuda Sanchez, der in einer Diskothek einen Mann namens Emmett Gorgon (Anthony Canarozzi) zusammen geschlagen habe. Er lässt sich das Telefon geben, ruft Gorgon vom Tresen aus an und informiert den Invaliden darüber, dass jener zusammen mit ihm, Fabian, Cuda Sanchez auf Schadenersatz verklagen könne…
 
“This is like the Greyhound station for "Death.“ Im Jahr 1950 drehte Jules Dassin den Film Noir Die Ratte von Soho (USA 1950), im Original Night And The City, nach einem Roman von Gerald Kersh (EA 1938), von dem Irwing Winklers gleichnamiger Film von 1992 das Remake ist. Dassin war in den 1930er Jahren Mitglied der kommunistischen Partei, die er 1939 nach dem Nichtangriffspakt zwischen Hitler und Stalin jedoch verließ. Er wusste seit 1948 durch Darryl F. Zanuck, Mitbegründer des Filmstudios Twentieth Century Fox, dass er beim House Committee on Un-American Activities (HUAC) angeschwärzt würde, was während des Drehs an Night And The City auch passierte. Dassin, der in London gedreht hatte, durfte in den USA weder das Studiogelände betreten noch den Film selbst schneiden. Er fand erst zwei Jahre später dank Bette Davis am Broadway wieder eine Anstellung und emigrierte nach Frankreich, wo er 1955 mit Rififi (FRA 1955) zu Weltruhm gelangte. Sein Film Noir Die Ratte von Soho fand erst ab den späten Sechzigern die entsprechende Würdigung als eines der Meisterwerke der klassischen Schwarzen Serie in den USA. Die Idee des Remakes geht auf Martin Scorsese zurück, der Richard Price mit dem Drehbuch beauftragte. Doch nach dem Flop seines Remakes von J. Lee Thompsons Ein Köder für die Bestie (USA 1962), im Original und als Remake Cape Fear, das Scorsese 1991 in die Kinos gebracht hatte, übergab er das Projekt an Irwin Winkler. Martin Scorseses offizielle Begründung lautete, dass er solch einen Film schon zu oft gedreht habe, was mit Blick auf seine Neo-Noir-Filmografie auch einleuchtet.
 
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© EuroVideo Medien GmbH
 
Mit Robert De Niro und Jessica Lange spielen in den Hautrollen zwei Darsteller, die im Jahr zuvor auch in Kap der Angst (= Cape Fear, USA 1991) Hauptrollen innehatten. Und mit der Twentieth Century Fox Film Corporation übernahm genau jenes Studio den Vertrieb, das 1950 bei Die Ratte von Soho den hauseigenen Regisseur Jules Dassin so gnadenlos geschasst hatte. Die Nacht von Soho ist kein schlechter Neo Noir, allerdings auch kein guter, und er kann Jules Dassins Original nicht das Wasser reichen. Jessica Lange ist eine wunderbare Schauspiekerin, aber schon seit ihrem Filmdebüt in King Kong (USA 1976) schien sie auf haufenweise Remakes und viele falsche Entscheidungen abonniert gewesen zu sein. Robert De Niro übertreibt maßlos als Harry Fabian. Zwar ist es großteils ein Vergnügen, ihm beim Overacting zuzusehen, seinem Rollencharakter kommt es allerdings nicht zugute. Der beste männliche Darsteller ist Alan King als skrupelloser Box-Promoter, und auch Jack Warden, Eli Wallach und Cliff Gorman können überzeugen. Aber schon das Kinoplakat zur Wiederaufführung wies darauf hin: “Also see the 1950 original.“ Es sagt über dieses Remake so ziemlich alles. Richard Widmark ist als Harry Fabian um so vieles besser als Robert De Niro in der gleichen Rolle, dass sich Die Nacht von Soho im Vergleich einfach nicht lohnt. Letzterer ist kein Film, den man bereut gesehen zu haben. Doch Martin Scorseses Entscheidung des Verzichts auf die Regie war eine gute.
 
Die deutsche DVD (2001) der Eurovideo Bildprogramm GmbH beinhaltet den Film in solider Bildqualität und ungekürzt, allerdings im falschen Bildformat (Vollbild 4:3) anstatt im ursprünglichen Widescreen 1.85:1. Das ist typisch für DVDs aus der Frühzeit des Mediums, als man Filme gedankenlos für den Fernsehapparat zurechtstutzte, folglich fehlt ca. ein Drittel des Bildes. Tonspuren auf Englisch und Deutsch - im Original zu leise, die deutsche Synchronisation grauenhaft - und es gibt keine Untertitel, dafür ein Featurette, ein Hinter den Kulissen und den US-Kinotrailer als Extras.
 

Neo Noir | 1992 | USA | Irwin Winkler | Eli Wallach | Jack Warden | Robert De Niro | Jessica Lange

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