Bulle von Paris, Der

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Psychologische Verteidigung


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Bewertung
**
Originaltitel
Police
Kategorie
Neo Noir
Land
FRA
Erscheinungsjahr
1985
Darsteller

Gérard Depardieu, Sophie Marceau, Richard Anconina, Pascale Rocard, Sandrine Bonnaire

Regie
Maurice Pialat
Farbe
Farbe
Laufzeit
109 min
Bildformat
Widescreen
 

 

Bild Bild Bild
© Universum Film GmbH
 
Paris: Louis Vincent Mangin (Gérard Depardieu), ein Kommissar im Drogendezernat der Polizei, verhört den tunesischen Hehler Tarak „Claude“ Louati (Meaachou Bentahar). Damit Mangin dessen Pistole verschwinden lässt und von einer Anzeige absieht, verpfeift Claude den Dealer Nasrin „Simon“ Sliman (Jonathan Leïna), der als Drogenlieferant für Raoul Bensimi in Marseille tätig ist. Simon arbeitet mit seinen Brüdern Maxime (Abdel Kader Touati) und Jean (Jamil Bouarada), doch hat Simon laut Claude keine eigene Aderesse, sondern lebt bei seiner Freundin Noria (Sophie Marceau). In dem Apartmenthaus, wo die junge Frau lebt, befragt Mangin die Concierge über die Gesuchte im vierten Stock. Vom Auto aus sehen die Polizisten Noria aus ihrem Briefkasten die Post nehmen und sodann ein Café aufsuchen, wo Mangin sie stellt und verhaftet. Mit ihrem Haustürschlüssel dringen sie in Norias Wohnung ein, überwältigen dort den im Bett liegenden Simon und bringen nach erfolgloser Durchsuchung des Apartments beide aufs Revier. Hier werden beide von Kopf bis Fuß durchsucht, aber auch das bleibt ohne Erfolg. Die Polizisten behandeln ihre Gefangenen schlecht. Sie verweigern ihnen die Toilette aufzusuchen, sperren sie ohne Nennung von Gründen in enge Zellen und lassen sie stundenlang warten. Mangin verhört Sliman und gibt offen zu, dass er jenem am liebsten selbst  100 Gramm untergejubelt hätte, da er wisse, dass Simon ein Dealer sei. Er schlägt ihm auf den Hinterkopf, verhöhnt ihn und versucht ihn einzuschüchtern…
 
“Police feels like an unnecessary star vehicle concocted for Depardieu to show how actorly, DeNiro-style, he can be,” schlägt Christopher McQuain für DVD Talk eine der wenigen kritischen Saiten zum Film an. De facto agiert Depardieu in Der Bulle von Paris derart selbstverliebt, übertrieben und gespreizt, dass das Resümee naheliegt, der Mann kann überhaupt nicht schauspielern. Statt präziser Gestaltung eines Rollencharakters sehen wir Grimassen, Posen, Imitationen (neben De Niro fiel mir auch Belmondo ein) und das Ganze wird mit dem üblichen Manierismus des Polterers, dem Depardieu mit 36 schon vollends verfallen war, zur lautstarken Farce aufgepumpt. Die geforderten subtilen Noten in der Liaison mit Sophie Marceau als Noria misslingen ihm völlig, weshalb sich im letzten Drittel der Eindruck einprägt, dass Mangin und Noria im Grunde keinerlei Chemie miteinander haben - nicht die Spur davon! Ihre Liebesgeschichte ist gewürzt mit pseudo-intellektuellen, im Grunde albernen Psychologisierungen, ihre Küsse wirken so leidenschaftslos wie der angedeutete Sex, Louis Mangins Verzweiflung erscheint lahm und wie der Charakter im Ganzen bloß öde. Von Anbeginn fällt dem Zuschauer schwer, für den gewalttätigen, egomanischen Polizisten Mangin und die mit Schmollmund lustlos von Schauplatz zu Schauplatz schlurfende Noria Empathie oder nur Interesse zu entwickeln. Spannung? Fehlanzeige! Hier mögen Filmkritiker mir dessen “documentary texture“ schmackhaft machen wollen, wie Paul Attanosia für die Washington Post. Das trägt eingangs zum realitätsnahen Blick auf die Polizeiarbeit als willkürlich gewalttätig und faschistoid sicher bei, hilft dem Drama später aber nicht, auf den Punkt zu kommen. Wie gestelzt und unglücklich die Konstellation der Figuren im Drehbuch angelegt ist, zeigt sich vor allem in der Figur der Polizistin Marie Verdret (Pascale Rocard), die sich auf ihr Examen als Kommissarin vorbereitet. Aus ihr machten die Autoren und der Regisseur Pialat eine spät pubertierende Gymnasiastin, die sich auf der Straße nicht zu helfen weiß und sogar den plumpen Annäherungen Mangins gegenüber nicht völlig abgeneigt ist.
 
Mitte der Achtziger hatten Robert Bresson und Marcel Carné ihre letzten Filme schon gedreht, François Truffaut und Jean Pierre Melville waren tot, Claude Chabrol und Alain Corneau wurden schwach und schwächer, das Cinéma du look trat mit Leuten wie Luc Besson und Jean-Jacques Beineix seinen Siegeszug an. Kurzum, das französische Kino steckte in der Krise. Der Bulle von Paris und seine Rezeptionsgeschichte sind das perfekte Indiz dafür, denn „Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge einen langen Schatten.“ Gérard Depardieu wurde 1985 auf den Filmfestspielen in Venedig für seine unsägliche Posse als Louis Mangin ernsthaft als bester Darsteller ausgezeichnet. Wer mit dem Abstand von 30 Jahren und damit von solcher Erregung der Kulturjournaille wegen „des Kaisers neuer Kleider“ den Film einmal nüchtern betrachtet, muss zu dem Schluss kommen, dass hier auf weiter Flur Sandrine Bonnaire die einzige ist, die so etwas wie Talent zu zeigen vermag. Im letzten Drittel ist vor allem der Wechsel des Fokus’ von Louis Mangin als Kommissar zu Louis Mangin als Privatmann mit einer Geschichte als Ehemann, Vater und hartem Kerl voller Bedürfnis nach Liebe und Zuneigung schlicht an den Haaren herbeigezogen. Vollends unglaubwürdig ist die Wendung aber, da Sophie Marceau - zumindest hier mit 19 Jahren - so wenig das Zeug zur Femme fatale hat, wie nur irgend vorstellbar. Während Pascale Rocard in ein Rollenbild gezwängt wird, das im Kontext der Ausbildung ihrer Marie Verdret grotesk wirkt, ist Sophie Marceau genau das – ein bieder gekleidetes Schulmädchen, das die Abgebrühte mimt und keine Minute überzeugt. So muss man Pialats Film zuletzt nicht nur den Vorwurf machen, dass er durch die Bank klischeehaft und verkrampft inszeniert ist, sondern auch, dass er seine Zuschauer langweilt.
 
Gute DVD-Edition (2005) der Universum Film GmbH, München, mit dem Film ungekürzt im Originalformat samt deutschem und französischem Ton, optional deutsche oder französische Untertitel, Extras gibt es keine.
 

Neo Noir | 1985 | France | Maurice Pialat | Gérard Depardieu | Richard Anconina | Sandrine Bonnaire

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