Dieb von Monte Carlo, Der

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Bewertung
***
Originaltitel
The Good Thief
Kategorie
Neo Noir
Land
FRA/UK/IRL/CAN
Erscheinungsjahr
2002
Darsteller

Nick Nolte, Nutsa Kukhianidze, Saïd Taghmaoui, Tchéky Karyo, Gérard Darmon

Regie
Neil Jordan
Farbe
Farbe
Laufzeit
105 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Das Rotlichtviertel Nizzas an der französischen Riviera: Im Club des Zuhälters Remi (Marc Davoine) spielt der herunter gekommene, heroinsüchtige Spieler Bob Montagnet (Nick Nolte) mit Remi und Anderen eine Runde Poker, bei der er einmal mehr verliert. Der Drogendealer Said (Ouassini Embarek) gesellt sich zu ihnen und bietet Bob etwas an. Als der sich auf der Toilette seinen Schuss setzt, lernt er die aus Bosnien kommende Prostituierte Anne (Nutsa Kukhianidze) kennen. Indessen sucht der Polizist Roger (Tchéky Karyo), mit einigen seiner Leute Saids endlich habhaft zu werden, den er hier in der Bar vermutet. Doch bei der Festnahme bekommt Said Rogers Pistole zu fassen und bedroht ihn mit dem Tod, falls die anderen Beamten nicht ihre Waffen einsteckten und ihn laufen ließen. Unerwartet kommt Bob Roger zu Hilfe und die Polizisten nehmen Said fest. Als Roger und Bob frühmorgens in einer Bar etwas trinken, gibt der Spieler dem Beamten zu verstehen, dass er ihm geholfen habe, damit Said nicht wegen Mordes angeklagt würde. Während sie die Straße hinabschlendern, sehen sie Anne, die bei einem Freier aufs Motorrad steigt. In der nächsten Nacht provoziert Bob im Beisein Annes Remi dermaßen, dass er ihn aus seinem Club wirft. Während des Handgemenges hat Bob, selbst ein alter Taschendieb, Remi den Pass der jungen Frau gestohlen. Anne, die von Remi ein blaues Auge hat, zieht mit Bob in die Bar Yvonnes (Patricia Kell), wo dessen Freunde Paulo (Saïd Taghmaoui) und Raoul (Gérard Darmon) soeben eine Partie Pool spielen…
 
Neil Jordans Der Dieb von Monte Carlo - solcher deutsche Verleihtitel ist nicht der der DVD-Edition, die in Deutschland als The Good Thief auf den Markt kam - ist ein Remake des französischen Film Noirs Drei Uhr nachts (FRA 1956) von Jean-Piere Melville. Es ist der Hauptgrund, warum der Film hier besprochen wird, zudem ist es das einzige Remake eines Melville-Films seit dem Tod des Regisseurs im Jahr 1973. Autor und Regisseur Neil Jordan verlegt den Schauplatz des Geschehens von Paris an die französische Riviera, namentlich Nizza und Monte Carlo, belässt aber sonst seine Figuren nah am Original: Bob Montagné, Roger, Anne und Paolo sind deren Namen auch bei Melville. Es gibt wunderbare Schauplätze und den Kameramann Chris Menges (Kleine schmutzige Tricks, UK 2002), der den Film mit grandiosen Bildkompositionen schmückt, dazu ein gut aufspielendes Ensemble. Vor allem Nick Nolte legt sich mächtig ins Geschirr und beweist, dass er nach vielen schwachen Filmen in den Neunzigern noch immer viel kann. Aber auch Nutsa Kukhianidze, Gérard Darmon und Ouassini Embarek, in Deutschland kaum bekannte Namen, geben jeweils eine gute Darstellung. Der Dieb von Monte Carlo ist ein Film über einsame Geschöpfe der Nacht, die auf ihre Chance hoffen, und mit Rückgriff auf Auguste Le Breton und Jean-Pierre Melville blitzt das Thema eines Großteils der klassischen französischen Film Noirs auf – in die Jahre gekommener, abgehalfterter Gangster legt es auf einen letzten Coup an, um der schmutzigen Halbwelt, die ihn zeitlebens beheimatete, endlich zu entfliehen.
 
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© Eurovideo Medien GmbH
 
Aber im Gegensatz zu Melvilles Drei Uhr nachts wird in Jordans Der Dieb von Monte Carlo kein Schuh daraus. Trotz exzellenter Zutaten patzt der Regisseur. Allzu sehr hat er den klassischen Rollencharakter Bob Montagnés aufgeweicht, aus Roger Duchesnes Bob le flambeur (Originaltitel von Drei Uhr nachts), einem tief tragischem Gentleman, wird Nick Noltes Hansdampf in allen Gassen, und der Film wird mit einer Art Humor gewürzt, der ihn wohl in die Nähe von Heist-Filmen wie Soderberghs Remake von Ocean’s Eleven (USA 2001) rücken sollte. Zwischen charakterbezogenem Erzählkino und stylisher Unterhaltung bleibt das Ergebnis sichtbar unentschlossen. Im letzten Drittel wird es eins jener Kriminalmärchen, das im Finale an der Grenze zur Albernheit rangiert. Wer das Geschehen bis dahin verfolgt, fühlt sich spätestens hier vom Autor und Regisseur Neil Jordan veräppelt. Schon zuvor erscheint der Rollencharakter Vladimir (Emir Kusturica, Regisseur von Arizona Dream, USA/FRA 1993), ein Spezialist für elektronische Sicherheitssysteme, der für Bob und Konsorten einen Einbruch plant, eine extrem klischeebehaftete Erscheinung. Seine unübersehbaren Zugeständnisse an das Unterhaltungskino seiner Zeit nehmen Der Dieb von Monte Carlo ab der Mitte zunehmend seinen Neo-Noir-Charakter und verwässern einen Film, der eingangs manches verspricht und an seinem Ende - dermaßen vorhersehbar und flach, dass man es nicht glauben will -  leider enttäuscht.
 
Gute DVD der EuroVideo Bildprogramm GmbH (2003), die den Film ungekürzt und bildtechnisch topp im Originalformat mit wahlweise deutscher und englischer Tonspur bringt, dazu den deutschen oder englischen Kinotrailer, ein Behind The Scenes und geschnittene Szenen als Extras. Einziges und für EuroVideo typisches Manko sind fehlende Untertitel, zumal im Original sehr undeutlich gesprochen wird.
 

Neo Noir | 2002 | International | Jean-Pierre Melville | Neil Jordan | Auguste Le Breton | Chris Menges | Nick Nolte | Ralph Fiennes | Tchéky Karyo | Nutsa Kukhianidze

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