Königreich des Verbrechens

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Bewertung
*****
Originaltitel
Animal Kingdom
Kategorie
Neo Noir
Land
AUS
Erscheinungsjahr
2010
Darsteller

James Frecheville, Ben Mendelsohn, Guy Pearce, Jacki Weaver, Joel Edgerton

Regie
David Michôd
Farbe
Farbe
Laufzeit
109 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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© Atlas Film und Medien GmbH
 
Melbourne, Victoria, Australien: Der 17jährige Joshua „J“ Cody (James Frecheville) ruft den Notarzt, als seine Mutter Julia nach Einnahme einer Dosis Heroin neben ihm auf dem Sofa zusammenbricht. Doch es ist zu spät, sie stirbt. Jahrelang hatte sie Joshua vom kriminellen Rest der Familie fernhalten können – von ihrer eigenen Mutter Janine „Smurf“ Cody (Jacki Weaver) und ihren drei Brüdern Andrew (Ben Mendelsohn), Craig (Sullivan Stapleton) und Darren (Luke Ford). Nach einer Reihe von Banküberfällen ist die Polizei den Cody Boys und ihrem Komplizen Barry „Baz“ Brown (Joel Edgerton) auf der Spur. Letzterer hat die Führung übernommen, nachdem Andrew „Pope“ Cody hat abtauchen müssen. Indessen nimmt Craig, der als Drogendealer aktuell die größten Einnahmen verzeichnet, Joshua auf eine Spritztour mit, bei der sie mit einigen jugendlichen Schlägern aneinander geraten. Baz Brown hat selbst eine Familie, seine Frau Catherine (Mirrah Foulkes) samt Tochter, und will aus der Bandenkriminalität endgültig aussteigen. Er trifft sich mit Pope in einem Supermarkt und erklärt ihm das, doch als er auf dem Parkplatz in sein Auto steigt, wird er von der Polizei gestellt und unter einem Vorwand kaltblütig erschossen. Der Schock trifft die Familie, bei der jetzt auch Joshua lebt, unerwartet hart. Auch Nicky Henry (Laura Wheelwright), Joshuas Freundin aus seiner Schulklasse und Tochter einer normalen Mittelstandsfamilie, bekommt das dramatische Erleben für die Codys hautnah mit, da sie Joshua bei dessen Großmutter und Onkeln besucht. Pope, der die Brüder und Joshua - scheinbar freundlich - für sich zu gewinnen sucht, drängt stark auf Vergeltung. Zugleich scheint er auch von Nicky sehr angetan, was Joshua allerdings nicht bemerkt und sein Vertrauen in den Ältesten der Cody-Brüder daher nicht ankratzt…
 
“Just because we don't wanna do something doesn't mean it can't be done”, reflektiert Mama Janine Cody, die ihre Söhne so über die Maßen liebt, an einer Stelle des Films, da dessen Härte sich dem Zuschauer bereits offenbart hat. Dieser Neo Noir trägt seinen Originaltitel Animal Kingdom nicht umsonst. Aber der ruhige Fluss des Dramas lässt sich Zeit, um hinterm scheinbar unauffälligen, nahezu kleinbürgerlichen Einerlei des Cody-Clans die erbarmungslose Psychodynamik zu enttarnen, deren Stellschraube die Angst ist. Damit hebt der Erzähler aus dem Off, Joshua „J“ Cody, zu Beginn an und führt den Zuschauer in bester Fim-Noir-Tradition durch die eigene, erinnerte Geschichte. Sowohl Joshua, mit seinen 17 Jahren schüchtern und natürlicherweise arglos, ist ein Film-Noir-Charakter als auch seine Großmutter, die grandios schillernde, abgründig brutale Janine „Smurf“ Cody – ein von Jacki Weaver brillant porträtiertes Monster. Ihre nur in wenigen Szenen angedeutete Dominanz über ihre Kinder erinnert an Ma Jarrett (Margaret Wycherly) in Raoul Walshs Sprung in den Tod (USA 1949), wo James Cagney den Psycho Cody Jarrett porträtiert, der abgesehen vom Namen (!) mit Andrew „Pope“ Cody mehr gemeinsam hat, als man zu Beginn von Königreich des Verbrechens überhaupt ahnt.
 
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© Atlas Film und Medien GmbH
 
Der Autor und Regisseur seines Debütfilms Königreich des Verbrechens, David Michôd, hat einen Film geschaffen, dessen Dramaturgie seine Zuschauer so geruhsam wie sicher in seinen Bann zieht. Man braucht zu Beginn ein wenig Geduld, um sich darauf einzulassen – so wie das seinerzeit von Jean-Pierre Melville und neuerdings von Jacques Audiard vorgeführt wurde. Es haftet dem australischen und damit englischsprachigen Königreich des Verbrechens etwas Europäisches an, was in keiner Minute störend wirkt. Im letzten Drittel packt das Skript zu und den Zuschauer durchläuft ein Schauer der Ahnung, wie unabwendbar das Drama auf die Schiene gesetzt wurde – von seiner ersten bis zur letzten Minute glaubwürdig. Nüchtern bis an den Rand eines semidokumentarischen Stils sind in diesem Neo Noir alle Darstellerleistungen hervorragend, in Einzelfällen herausragend. Jacki Weaver wurde für ihre Janine Cody für den Oscar nominiert, und auch James Frecheville und Guy Pearce – als Detective Senior Sergeant Nathan Leckie - erhielten in der internationalen Presse viel Lob für die Gestaltung ihrer Rollencharaktere. Zudem liefert auch Laura Wheelwright (in ihrem ersten Film) eine tolle Leistung ab, ebenso wie Joel Edgerton und vor allem Ben Mendelsohn als Pope. In Deutschland kam der international erfolgreiche  Film unbegreiflicherweise nicht ins Kino, - wahrscheinlich zu wenig Stallgeruch eines Action-Blockbusters! - dafür gibt es ihn jetzt auf DVD. Unbedingt anschauen!
 
Exzellente Blu-ray bzw. DVD der Atlas Film und Medien GmbH, ungekürzt im Originalformat und bildtechnisch topp, deutsche und englische Tonspur, wahlweise deutsche Untertitel, dazu einen Audiokommentar des Regisseurs und ein Making Of als Extras.
 

Neo Noir | 2010 | International | David Michôd | Anthony Hayes | Ben Mendelsohn | Guy Pearce | Joel Edgerton | Jacki Weaver

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