Todesfalle von Chikago

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Bewertung
****
Originaltitel
Chicago Deadline
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1949
Darsteller

Alan Ladd, Donna Reed, June Havoc, Irene Hervey, Arthur Kennedy, Berry Kroeger

Regie
Lewis Allen
Farbe
s/w
Laufzeit
87 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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© Paramount Pictures  © Verlag für Filmschriften Christian Unucka 

Chicago, Illinois: In einer billigen Mietskaserne weist die zuständige Concierge Maggie (Leona Roberts) dem Zeitungsjournalisten Ed Adams (Alan Ladd) den Weg zum Zimmer der vermisst gemeldeten Teenagerin Minerva (Margaret Field) im ersten Stock. Das Mädchen ist wenig begeistert davon, dass Adams sie in ihr Elternhaus zurückbringen will, fügt sich aber in ihr Schicksal. Plötzlich hören die beiden aus dem Nebenzimmer einen Schrei. Ed Adams läuft hinüber und sieht in dem abgedunkelten Raum eine Frau (Donna Reed) auf dem Bett liegen, eindeutig tot. Er öffnet die Jalousie und lässt Minerva wissen, dass auch sie eines Tages in solch einem verlausten Zimmer gefunden werden könne. Das Mädchen verlässt den Raum, und Adams blickt sich um. In der Handtasche der Toten findet er ein Notizbuch, voll mit Namen und Adressen. Als er die aufgeregte Maggie herannahen hört, steckt er das Büchlein in eine Tasche seines Jacketts. Maggie will wissen, was sie tun solle, und Adams rät ihr die Polzei zu rufen, bevor er mit Minerva das Weite sucht. Kurz darauf durchstöbert Police Detective Jack Anstruder (Harry Vermilyea) das Zimmer der Unglücklichen namens Rositha Jean d’Ur und stellt, nachdem er die Handtasche der Toten durchstöberte, Maggie beiläufig einige Fragen. In dem Moment steht Ed Adams im Türrahmen, der sich ebenfalls für die Verstorbene zu interessieren scheint. Jack Anstruder, der den Journalisten kennt, erzählt ihm, dass sie wohl an einem Blutsturz aufgrund von Tuberkulose verstarb…

 

“I know too much and yet not enough.” Von Anbeginn sind jene Elemente, die für einen Film Noir jener Jahre typisch sind, hier am Werk: Eine heruntergekommene Mietskaserne, ein einzelgängerischer Journalist, der mit den Nachtschattengewächsen diesseits und jenseits des Gesetzes wohl vertraut ist und sich wie ein Privatdetektiv aufführt, hübsche Frauen mit Cocktailgläsern in Händen, ein misstrauischer Polizeibeamter, etc. Allesamt bewohnen sie fast ausschließlich eine Großstadt bei Nacht, wo sich Beruf und Privatleben durchmischen, denn wer braucht in solchen Zeiten so etwas wie Schlaf? Dabei ist Rositha Jean d’Ur keines unnatürlichen Todes gestorben, und einzig die Vielzahl der Namen und Adressen in ihrem Notizbuch lassen den abgebrühten Ed Adams Verdacht schöpfen. Ja, der Weg führt ihn schließlich in die Hinterzimmer der Unterwelt, und es werden auf dem Weg dorthin noch mehr Leichen gefunden. Trotzdem ist das von Warren Duff (The Fallen Sparrow, USA 1943) verfasste Drehbuch nach Tiffany Thayers Roman One Woman (EA 1933) ungewöhnlich. Es erzählt keine herkömmliche Kriminalgeschichte, weht doch von Anbeginn der Hauch einer Tragödie durch dieses Werk, mittels der von Rosithas Bruder Tommy Ditman (Arthur Kennedy) vorgetragenen Episoden aus dem Leben der jungen Frau nochmals zugespitzt. Letztere berichten in Rückblenden von den Stationen ihres Lebens. Darin tritt Donna Reed, die in keiner Szene mit Alan Ladd zusammentrifft, als Lebende in Erscheinung - in den Erinnerungen Tommys und anderer Weggefährten. Ähnlich war in Otto Premingers Laura (USA 1944) der Polizeibeamte Marek McPherson (Dana Andrews) von der Erinnerung an eine Tote fasziniert, nur dass in Todesfalle von Chikago kein Mörder überführt werden will, sondern das Schicksal selbst in die Rolle des Schuldigen tritt. Jene Tragik, die Rosithas Niedergang innewohnt, lässt eine Reihe von Deutungen zu, stiftet Unbehagen und Bedenken. Hierin mag ein Grund liegen, warum der Film seinerzeit kaum erfolgreich war und späterhin fast vergessen wurde. Dabei verleihen ihm gerade die Portraits der Männer, mit denen sich Rositha einlässt, eine Facette, die für die Zeit seiner Entstehung eigentümlich modern anmutet.

 

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© Paramount Pictures

“Funny, how a man can frighten a girl and attract her at the same time.” June Havoc referiert gegenüber Ed Adams in einer mir etwas zu kumpelhaften Manie die weibliche Stimme des Dramas. Letzterer kommt nicht ohne die für Alan Ladd und andere Antihelden des Film Noirs typischen Macho-Allüren aus, ist aber in der Sache ein investigativer Journalist modernen Zuschnitts. Wie er sich als Angestellter des Chicago Daily Journal gegenüber seinem Chefredakteur Glenn Howard (Tom Powers) und der Polizei als unabhängig und als maßgebliche Instanz behauptet, erscheint mir indessen weit hergeholt. Neben Ladd sind alle Nebendarsteller - Donna Reed spielt nicht wirklich eine Hauptrolle, insofern sie in ihren Rückblenden max. 12 Minuten zu sehen ist - erstklassig gewählt. Die wunderbare Kameraarbeit von John F. Seitz, der an Drehorten in Chicago filmte, tut ein Übriges. Siebzehn Jahre später drehte Stuart Rosenberg (Unter Wasser stirbt man nicht, USA 1975) unterm Titel Fame Is The Name Of The Game (USA 1966) eine Neuverfilmung des Romans fürs US-amerikanische Fernsehen. Trotz Mitwirkung von Jill St. John, Robert Duvall, Jack Klugman, George Macready, Jack Weston und Anthony Franciosa in der Rolle Alan Ladds ist der Film nochmals obskurer als solches Original aus der Hochzeit des Film Noirs.

 

Als Ultimatum a Chicago gibt es gleich zwei italienische DVD-Editionen (2018 und 2019) von A&R Productions S.a.s. und von Golem Video, die den Film entgegen dem Standard dieser Filmvertriebe in einer miserablen Bild- und Tonqualität beinhalten, immerhin ungekürzt und im Orighginalformat, mit dem englischen Originalton und optional einer italienischen Synchronisation, ohne Untertitel und ohne Extras. Das Werk wartet bis heute (2021) auf eine adäquat restaurierte Fassung auf BD und/oder auf DVD.

 


Film Noir | 1949 | USA | Lewis Allen | John F. Seitz | Alan Ladd | Arthur Kennedy | Roy Roberts | Tom Powers | Irene Hervey

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