Man On Fire

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Psychologische Verteidigung


Concorde Home Entertainment


Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
****
Originaltitel
Man On Fire
Kategorie
Neo Noir
Land
FRA/ITA
Erscheinungsjahr
1987
Darsteller

Scott Glenn, Jade Malle, Brooke Adams, Joe Pesci, Paul Shenar

Regie
Élie Chouraqui
Farbe
Farbe + s/w
Laufzeit
92 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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In einem Gefängnis in Italien drängen sich mehrere Leute vor der Schleuse, die zur medizinischen Abteilung führt. Von einem Pfleger wird in einem Krankenzimmer der Reißverschluss eines Leichensacks zugezogen. Die Stimme des ex-CIA-Agenten John Creasy (Scott Glenn) sinniert: ”And so… that’s how I ended. A stiff in a bodybag.” Der Polizeibeamte Satta (Giancarlo Prati) geht zur Schleuse, informiert die Journalisten über Creasys Tod und lässt sie hinein. Auf dem Flur wartet David (Joe Pesci) mit seiner Ehefrau Julia (Laura Morante) und kurz spricht Satta mit ihm, indessen die Fotografen von dem Toten im Leichensack einige Aufnahmen machen. Creasys Foto erscheint in den italienischen Tageszeitungen und er erinnert sich, wie alles begann… Einst war John Creasy als Fahrer eines schwarzen Jaguar MK II auf dem Weg zum Comer See, auf dem Beifahrersitz der Rechtsanwalt Michael (Jonathan Pryce), auf der Rückbank das reiche Ehepaar Ettore (Paul Shenar) und Jane Balletto (Brooke Adams). John Creasy war früher ein CIA-Agent gewesen, doch Erfahrungen an Kriegsschauplätzen im Nahen Osten hinterließen ihn traumatisiert und ausgebrannt. So hatte ihm sein Freund David, genaugenommen dessen Bruder Ellio (Giovanni Maurielo) mithilfe seiner Agentur, jenen Job als Leibwächter der Ballettos organisiert. Die Agentur hatte auch dafür gesorgt, dass Creasy hier in Italien eine Pistole tragen durfte. Noch vor ihrer Ankunft in der Villa am Comer See hatte die zwölfjährige Samantha Balletto (Jade Malle) den Jaguar auf der Auffahrt schon entdeckt…

 

“A brooding, atmospheric, and character-driven crime thriller”, schreibt Sandon Lee für LetterBoxd und ich sehe es auch so. Élie Chouraquis in Italien angesiedelter Thriller ist die erste Verfilmung des Kriminalromans Man On Fire (EA 1980, auf Deutsch als Der Söldner) von A.J. Quinnell, Pseudonym des Engländers Philip Nicholson. Es war das Debüt des Autors und damit der erste Roman um Marcus Greasy, wie er im Roman heißt, der dort zwar auch US-Amerikaner aber ehemals Söldner der französischen Fremdenlegion und kein CIA-Agent ist. Erst in den Jahren zwischen 1992 und 1996 ließ Quinnell dem ersten Creasy-Roman vier weitere folgen. Sein Debüt-Roman wurde 2004 unter der Regie von Tony Scott (True Romance, USA 1993) mit Denzel Washington und Christopher Walken in Hauptrollen ein zweites Mal verfilmt und lief unter dem Titel Mann unter Feuer (USA/UK/MEX/SUI 2004) auch in deutschen Kinos. Viele Filmfreunde kennen heute den glatten und brutalen US-Action-Reißer, der seinerzeit erfolgreich war, indessen die merkwürdig sperrige Erstverfilmung im Kino floppte und längst als obskur gelten kann. Schon fürs Jahr seiner Entstehung fällt Man On Fire gänzlich europäisch und in vieler Hinsicht kompromisslos aus. John Creasy, der auch als Erzähler durch die Filmhandlung führt, ist ein Anti-Held par excellence. Er freundet sich mit der von ihren Eltern vernachlässigten Samantha an, einem altklugen Mädchen in den Anfängen der Pubertät, die einerseits für den heimatlosen US-Amerikaner zum Ersatz für die nicht existente Tochter wird, indessen andererseits er der John Steinbeck lesenden Samantha als Freund ihre Einsamkeit und Isolation zu beenden hilft. In den ersten 36 Minuten des Films geht es nur darum. Ein Thriller oder die Rache, welche das Filmplakat seinerzeit ankündigte, ist nirgendwo in Sicht. Aber genau dies entsprach  dem Werdegang des Regisseurs Élie Chouraqui. Darauf verstand er sich, und davon profitiert sein Film, der 1987 wie ein Werk der 70er Jahre daherkommt - ähnlich aus der Zeit gefallen wie zuvor Ivan Passers Bis zum bitteren Ende (USA 1981) oder James Bridges‘ Mike’s Murder (USA 1984).

 

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 © Concorde Home Entertainment GmbH

“Sad woman in a sad house. Just needs someone to hang on to.” Atmosphärisch ist Man On Fire enorm stark. John Creasy ist kein Superheld, nicht mal ein Held, er ist gezeichnet, wortkarg und stoisch, ein Eigenbrötler, der zuletzt auch als Racheengel verwundbar bleibt. Bemerkenswert ist das internationale Ensemble der Produktion mit dem Briten Jonathan Pryce und den US-Amerikanern Scott Glenn, Brooke Adams, Joe Pesci, Paul Shenar und Danny Aiello, die bis auf Pryce und Glenn allesamt Italiener spielen. Dennoch ist die Sprache des Films in der Hauptsache Englisch mit kurzen Passagen auf Italienisch; auch übernahm der Film den Titel des Buchs im Original und kam fast überall als Man On Fire ins Kino. Kindesentführung wurde bereits in den Filmklassikern Guilty Bystander (USA 1950) und Seance On A Wet Afternoon (UK 1964) überaus dramatisch dargestellt. Scott Glenn wirkt ebenso fremd und verloren in der Welt wie seinerzeit Zachary Scott in einem der fatalischsten Film Noirs der frühen 50er Jahre. Doch dem freudlosen und dreckigen Neo-Noir-Thriller, der vom ebenfalls britischen Kameramann Gerry Fisher (Sein Leben in meiner Gewalt, UK/USA 1973) in eindrückliche Bilderwelten eingefangen wird, war in einem Jahrzehnt, das sich lieber an Indiana Jones, Luke Skywalker und dem Trio der Ghostbusters ergötzte, kein Erfolg beschieden.

 

In den USA gibt es via Kino Lorber in deren Reihe Studio Classics eine jeweils bild und tontechnisch exzellent restaurierte BD- und DVD-Ausgabe (2016) mit dem Film ungekürzt (soweit sich das mit Sicherheit sagen lässt) und endlich auch im Originalformat, dazu die original englisch-italienische Tonspur, allerdings ohne eine Untertitelung der italienischen Passagen. Dennoch ist die Fassung gegenüber der deutschen DVD (2005) der Concorde Home Entertainment GmbH unbedingt vorzuziehen. Diese frühe DVD-Ausgabe des Films verzichtet ersatzlos auf die Eingansszenen und bringt stattdessen eine völlig andere (und irritierende) Sequenz zu Beginn, sie ist im falschen Bildformat (Vollbild 4:3 und nicht Widescreen 16:9) und hat Passagen auf Deutsch, die teils wiederum Englisch untertitelt sind, zudem ist die Bildqualität nur mittelprächtig, und laut Schnittberichte wurde die deutsche Filmfassung ohnehin leicht gekürzt. Sie ist daher nicht zu empfehlen.

 


Neo Noir | 1987 | France | Élie Chouraqui | Danny Aiello | Joe Pesci

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