Im Fahrstuhl fuhr der Tod

 

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Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


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Bewertung
****
Originaltitel
Le monte-charge
Kategorie
Post Noir
Land
FRA/ITA
Erscheinungsjahr
1962
Darsteller

Robert Hossein, Lea Massari, Robert Dalban, Maurice Biraud, Mag-Avril

Regie
Marcel Bluwal
Farbe
s/w
Laufzeit
86 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© Paramount Pictures Corporation

Paris am Weihnachtsabend: Robert Herbin (Robert Hossein) kehrt nach sieben Jahren im Gefängnis, wo er wegen Mordes an der Frau seines ehemaligen Arbeitgebers einsaß, in die Wohnung seiner Mutter zurück. Auf dem Tisch findet er die Anzeige von ihrem Tod vor drei Jahren; an den Wänden hängen Bilder des Sohnes in allen Phasen seiner Entwicklung… Rastlos streift Herbin durch die von Feiernden belebten Straßen des frühen Abends, bis er einem Impuls folgend ein Spielzeuggeschäft betritt. Als ihn die Verkäuferin (Jeanne Pérez) nach seinen Wünschen fragt, kauft er einen Blechvogel, der mit Klammer versehen als Christbaumschmuck dienen soll. Kaum hat er das Geschäft verlassen, tuscheln die Angestellten darüber, dass er doch der Sohn der alten Herbin sei… In dem schicken Restaurant Le Cercle gönnt sich der auf Bewährung entlassene ex-Sträfling zum Feiertag ein Menü, als er an einem benachbarten Tisch die hübsche Marthe Dravet (Lea Massari) mit ihrer kleinen Tochter Nicole (Pascale Brouillard) entdeckt. Marthe wird durch Nicole ihrerseits auf den Fremden aufmerksam und beide amüsieren sie sich, als eine Riege greiser Politiker und anderer Herren der gehobenen Gesellschaft in wirrer Konversation begriffen ihre Ehefrauen empfängt. Der Kellner fragt Nicole, ob er ihr zum Nachtisch einen Pudding bringen solle, als er auf dem Gesicht des Kindes die Tränen bemerkt. Robert spricht der Kleinen Trost zu. Er rät ihr nicht zu weinen, denn schließlich werde der Weihnachtsmann auch zu ihr kommen…

 

Mit einer fast schon aberwitzigen Wendung zum Auftakt seines Finales wurzelt der atmosphärisch dichte Post Noir Im Fahrstuhl fuhr der Tod vor allem in der Glaubwürdigkeit seiner Rollencharaktere. Tatsächlich sind Robert Hossein und Lea Massari in der Ausgestaltung ihrer komplexen Figuren und ihres extrem fragilen und wechselhaften Verhältnisses jeweils großartig. Wie ein Lauf mit bloßen Füßen über zersplittertes Glas fühlt sich für den Zuschauer das Miteinander dieser gebrochenen und tief verletzten Einsamen an. Aus unterschiedlichen Motiven fordern sie in der Weihnachtsnacht ihr Schicksal heraus und können ihm genau deshalb nicht entrinnen. Auch bei der wohlhabenden Familie Davret ist das Unglück Hausgast; die kleine Nicole weint hilflos stumm, als sie vom Kellner eingangs jenen Pudding angeboten bekommt. Doch Robert ist von der zufälligen Begegnung seiner ersten Nacht in Freiheit bald mehr als fasziniert - von der ungewöhnlichen Frau, die in ihrem Leben so hoffnungslos gefangen scheint, wie er in dem seinen. Genau das erweist sich plötzlich als Trugschluss, denn die Entdeckung einer Leiche könnte dem stets mit Bewährungsauflagen auf freiem Fuß befindlichen Herbin zu einer ernsten Gefahr werden, zumal Marthe von seiner Haftstrafe nicht das Geringste ahnt. Das von der Regie clever rhythmisierte Kammerspiel von Tarnung und Enthüllung erweist sich als geradezu quälend reizvoll und die sorgsam ausgearbeitete Charaktere lassen den Zuschauer letztlich auch an der eingangs erwähnten Wendung ein diebisches Vergnügen finden.

 

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© Paramount Pictures Corporation

“Le Monte-Charge (…) is a dark, little-known gem of late-period Film Noir (…) of startling surprises, revelations and numerous cinematic pleasures“, schreibt mackjay für Letterboxd und liegt richtig damit. Der Film nach dem Roman Der Vogel im silbernen Käfig (EA 1961, auf Deutsch 1977) von Frédéric Dard ist ein wunderbares Beispiel, wie herausragende Regisseure à la Julien Duvivier, Marcel Carné oder Jean Renoir jeweils Romane von herausragenden Schriftstellern wie Émile Zola, Georges Simenon, Sébastien Japrisot, Henri La Barthe oder Fédéric Dard adaptierten. Die Atmosphäre des rabenschwarzen Thrillers ist so französisch, wie das nur im Frankreich jener Jahre und womöglich nur in Paris vorstellbar ist. Der Regisseur Marcel Bluwal hat außer in zwei Fällen zeitlebens für das französische Fernsehen gearbeitet und hat in Roman Polanskis Frantic (USA/FRA 1988) einen Cameo-Auftritt. Robert Hossein hatte als Regisseur zuvor bereits Frédéric Dards Theaterstück Les salauds vont en enfer (EA 1956) und dessen Roman In den Armen der Nacht (EA 1956, auf Deutsch 1964) als Die Lumpen fahren zur Hölle (FRA 1955) und als La nuit de espions (FRA/ITA 1959) auf die Leinwand gebracht und in letzterem selbst die männliche Hauptrolle gespielt. Hossein hat seine Karriere bis in die Gegenwart fortgesetzt, ohne dass er jenseits von Frankreich einem breiten Publikum bekannt geworden wäre. Im Fahrstuhl fuhr der Tod zählt zur Vielzahl exzellenter Film Noirs im Frankreich der 50er und der frühen 60er Jahre, die in Deutschland bis auf ganz wenige Ausnahmen bis dato sträflich unterrepräsentiert sind.

 

In Frankreich gibt es via Gaumont Vídeo jeweils eine exzellente BD (2015) und DVD (2010) des im Rest der Welt nahezu vergessenen Films, bild- und tontechnisch erstklassig restauriert mit der original französischen Tonspur und optional mit französischen Untertitel und ohne sonstige Optionen, als Bonus eine Einführung zum Film durch seinen Regisseur Marcel Bluwal.

 


Post Noir | 1962 | France | Marcel Bluwal | Dominique Zardi | Maurice Biraud | Robert Dalban | Lea Massari

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