Schweine, Geishas und Matrosen

 

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Bewertung
*****
Originaltitel
Buta to gunkan
Kategorie
Post Noir
Land
JPN
Erscheinungsjahr
1961
Darsteller

Hiroyuki Nagato, Jitsuko Yoshimura, Masao Mishima, Tetsurô Tanba, Takeshi Katô

Regie
Shôhei Imamura
Farbe
s/w
Laufzeit
108 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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In der Hafenstadt Yokosuka leben deren arme Bewohner von den Matrosen der US-amerikanischen Kriegsmarine, die den Ort als Stützpunkt nutzen. In der Innenstadt floriert in Spielcasinos und in Bars das Nachtleben. Manche der engen Gassen abseits der Neonreklamen beherbergen auch illegale Freudenhäuser. Kinta (Hiroyuki Nagato) ist Mitglied der Yakuza-Bande von Tetsuji (Tetsurô Tanba) und betätigt sich als Schlepper für ein von Tsune (Kotoe Hatsui) betriebenes Bordell. Heute Abend reißt er einem Matrosen der US-Marine die Kappe vom Kopf, der ihm wohl oder übel in einen Raum voller Stockbetten folgt, wo allerorten Männer und Frauen beisammen liegen. Plötzlich platzt die Militärpolizei herein und veranstaltet eine Razzia und Tsune und die Huren werden verhaftet. Kinta gelingt es, durch eine geheime Tür in die dahinterliegende Küche zu entfliehen, wo auch seine Freundin Haruko (Jitsuko Yoshimura) arbeitet und gemeinsamen entkommen sie durch den Hinterausgang. Auf der Straße werden Matrosen und Frauen unter den Blicken der Schaulustigen in Lastwagen verladen, indessen Tsune die japanischen Polizisten lauthals anklagt, ihr erbärmliches Leben vor Ort nur mehr zu verschlimmern… In einer Seitengasse eröffnet Kinta Haruko, dass Tetsujis Bande unter der Führung von Himori (Masao Mishima) ein Geschäft abschließen wolle, bei dem ihnen der Kontaktmann Sakiyami (Akira Yamauchi) nährstoffreiche Küchenabfälle aus der US-Kaserne als Schweinefutter zuschanzen werde, ein für alle einträgliches Geschäft…

 

“A dazzling, unruly portrait of postwar Japan, Pigs and Battleships details, with escalating absurdity, the desperate power struggles between small-time gangsters“, fasst Janus Films den seinerzeit fünften Spielfilm des japanischen Regisseurs Shôhei Imamura zusammen, der bereits 2008 beim San Sebastian Film Festival als Teil einer Retrospektive des Japanese Film Noir zu sehen war. Für mich sticht das “desperate“ heraus, was nicht allein den Überlebenskampf der rivalisierenden Banden sondern auch die Geschichte Kintas und Harukos beschreibt, die im Zentrum der Handlung steht. Indessen der naive Kinta an eine Zukunft unterm Schutz der Yakuza und ihres Ehrenkodexes glaubt, wird Haruko, die mit ihrer verwitweten Mutter (Kin Sugai) und mit ihrer älteren Schwester Hiromi (Sanae Nakahara) lebt, schnell klar, dass deren verzweifelte Gier nach dem Geld der US-Amerikaner zu Neid und Missgunst und letztlich ins Verderben führen muss. Hiromi hat sich für einen Monatspreis an den US-Bürger Sakiyami verkauft, und ihre Mutter ist von dem “Geschäftsmodell“ begeistert und versucht, auch Haruko davon zu überzeugen. Doch die hält ihnen vor, sich zu prostituieren und erntet nun ihrerseits Spott, sich mit Kinta eingelassen zu haben, dessen Vater (Eijir Tôno) ein verarmter Schrottsammler ist. Die Dinge spitzen sich zu, als Tetsuji unterm Druck des Geschäfts mit Himori und Sakiyami nicht nur Betrug und Raub betreibt, sondern einen Mord begeht. Als Jüngster im Bunde soll Kinta dafür eine Gefängnisstrafe absitzen, die ihm nach der Entlassung eine hohe Position und Reichtum einbrächte, versprechen ihm Tetsuji und seine rechte Hand Hoshino (Shirô Ôsaka). Aber Haruko weiß, dass das ihre Liebe zu Kinta und eine gemeinsame Zukunft zerstören müsste, ist doch der vermeintliche Ehrenkodex der kriminellen Banden nichts als Schall und Rauch.

 

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Der tief schwarze Film Noir steckt hier in der Ohnmacht derjenigen, die im Morast ihrer Mittellosigkeit kaum einen Einfluss auf den eigenen Lebensweg nehmen können und sich der Schicksalsmacht, deren Symbol die vor der Küste ankernden Schlachtschiffe der Kriegsmarine sind, wieder und wieder beugen müssen. In die Prostitution oder in den Tod - denn alle anderen Pfade, so scheint es, kehren auf Umwegen stets dorthin zurück. Außer Kinta vertraut in diesem Film keiner einem Anderen, denn jeder führt einen Betrug im Schilde, bis sogar Haruko das Vertrauen in den zwar innig geliebten, doch allzu einfältigen Kinta verliert… Shôhei Imamuras Film ist eine derart leidenschaftliche Anklage wider die Verhältnisse in seiner Heimat, welche mit scharfen Blick sowohl die US-Amerikaner als auch die Landsleute in den Blick nimmt, dass man sich der Energie und der Präzision des Drehbuchs nach einem Roman Kazu Ôtzukas auch heute nicht zu entziehen vermag. Shinsaku Himedas (Tod im Fahrstuhl, JPN/USA 1977) Kameraarbeit an Originalschaupätzen, die exquisiten Leistungen der Darsteller, allen voran Hiroyuki Nagato, Jitsuko Yoshimura und Tetsurô Tanba, sowie ein aberwitziges Finale, das einer konsequenten Schlusssequenz vorangeht, runden einen Film, der für Shôhei Imamura den Durchbruch und den Start in eine nochmals 30jährige Karriere als Filmemacher bedeutete. Nicht nur für Freunde des Film Noirs sondern für alle Freunde klassischen Kinos erweist sich Schweine, Geishas und Matrosen stets als ein Muss.

 

Dass Schweine, Geishas und Matrosen, der 1963 auch in der Bundesrepublik Deutschland aufgeführt wurde, als Meilenstein des japanischen Kinos hierzulande weder als BD noch als DVD vorliegt, wundert einen mit Blick auf die Veröffentlichungen deutscher Filmvertriebe nicht... So bin ich froh, dass das international völlig anders aussieht. In den USA ist Shôhei Imamuras Werk Bestandteil der renommierten Criterion Collection, wo eine Pigs, Pimps and Prostitutes benannte 3-DVD-Box (2009) mit den je unter ihren englischen Titeln beinhalteten Werken Pigs and Battleships (JPN 1961), The Insect Woman (JPN 1963) und Intentions of Murder (JPN 1964) als eine hochwertige Edition der Schwarzweiß-Filme aus den frühen Sechzigern vorliegt. Eine definitive Doppel-Ausgabe als BD und DVD (2011) erschien in England via Eureka Entertainment Ltd. in deren The Masters of Cinema Series mit dem Film gleichfalls ungekürzt und im Originalformat, bild- und tontechnich wunderbar restauriert, dazu mit der original japanischen Tonspur samt (neu übersetzten) englischen Untertiteln und mit Shôhei Imamuras Erstling Stolen Desire (JPN 1958) als Bonusfilm; obendrein gibt es ein 36-seitiges Booklet mit einem Filmessay von Tony Rayns zu beiden Werken sowie mit vielen Standfotos und mit Abbildungen der japanischen Filmplakate.

 


Post Noir | 1961 | International | Shôhei Imamura | Hiroyuki Nagato | Tetsurô Tanba

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