Dead Aim / Mace

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Bewertung
****
Originaltitel
Dead Aim
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1987
Darsteller

Ed Marinaro, Darrell Larson, Cassandra Gava, Isaac Hayes, John Hancock

Regie
William VanDerKloot
Farbe
Farbe
Laufzeit
91 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Atlanta, Georgia: Polizist Malcolm Douglas (Ed Marinaro),“Mace“ genannt, nachdem er einem Verdächtigen Tränengas in den Hals sprühte und vom Lieutenant zum Detective degradiert wurde, ist an diesem Sommerabend in einem herunter gekommenen Industrieviertel unterwegs. Hier verkehren Prostituierte und Drogendealer, und Mace ist einem von ihnen, John Alvarez (William Russo), seit längerem auf der Spur. Tatsächlich ist Alvarez dort, als ein Mann (Ted Hening) auftaucht, der ihm einen Umschlag überreicht. Nachdem Mace einige Fotos schoss, springt er aus seinem Wagen, zückt die Dienstwaffe und will die beiden überwältigen. Alvarez schießt den Anderen nieder und flieht. Nach einer Jagd aufs Dach des Gebäudes, gelingt es Mace Alvarez zu stellen, doch muss er ihn erschießen und der Getroffene fällt auf die Straße. Unten angekommen, stellt Mace fest, dass der Umschlag, den Alvarez erhielt, leer ist. Der Sterbende namens Bloomington kann ihm noch einen Namen zuflüstern: „Alice Springs“. Aber aus der Kamera, die Mace in seinem Wagen zurückließ, hat jemand den Film entwendet… Zeitgleich belauscht Lieutenant Mark Cain (Darrell Larson) mit zwei Beamten eine Prostituierte mit ihrem Freier. Als die Polizisten zugreifen wollen, finden sie aber nur einen eingeschlafenen Mann und eine Frau, die sich darüber amüsiert, dass sie ihr nichts nachweisen können… Im Club Fool’s Paradise treten wie jeden Abend die Stripperinnen auf. In den letzten Wochen starben mehrere von ihnen an einer Überdosis Heroin, was Police Captain Talbot (John Hancock) so kurz vor den Bürgermeisterwahlen Kopfschmerzen verursacht…
 
Gibt es ein Jahr, in dem der Film Noir und der Neo Noir eine geringere Bedeutung hatten, als es 1987 der Fall war? Dead Aim / Mace ist nicht unbedingt ein Film für den Cineasten, bestenfalls für Liebhaber des B-Films, wenn überhaupt. Ganz sicher ist meine Bewertung in dem Fall enorm subjektiv. Der Film hat, das gestehe ich ein, seine vier Sterne nicht deshalb verdient, weil er handwerklich oder gar als Filmkunstwerk, das er nicht ist, über sein Budget und sein Genre hinausweist. Mit zu vielen Charakteren und teils übertriebenen Darstellungen des Gangstermilieus, Jamals (Isaac Hayes) Schultzgeldsyndikat wirkt als „Großstadtarmee“ klar deplatziert, gibt es nachvollziehbare Kritikpunkte. Zudem ist Dead Aim / Mace als ein Old-School-Thriller in der Tradition der Siebziger - atmosphärisch standen Werke wie Lumets Serpico (USA 1973) oder Scorseses Taxi Driver (USA 1977) Pate - so anachronistisch wie James Bridges’ Mike’s Murder (USA 1984) oder J. Lee Thompsons Murphy’s Law (USA 1986). Dass sich 1987 mit Filmen wie David Lynchs Blue Velvet (USA 1986) und Joel und Ehan Coens Blood Simple - Eine mörderische Nacht (USA 1984) bereits Signale eines Paradigmenwechsels manifestiert hatten, merkt man Dead Aim / Mace nicht an. Zugleich zeigt der Film die Einflüsse von John Cassevetes’ Mord an einem chinesischen Buchmacher (USA 1976) und sogar von Nicolas Roegs Wenn die Gondeln Trauer tragen (UK 19873), von zeitlosen Klassikern also. Auf seine ureigene Weise beweist das rauhe, kantige und dreckige Genre-Drama selbst eine Klasse, insofern es als Exploration urbanen Lebens erstklassig bebildert ist und bis in kleine Nebenrollen reihenweise gute Schauspieler vorweisen kann.
 
Bild Bild Bild
© Double Helix Films
 
“The strip joints and graffiti stained walls make the location a character all its own, giving the film wonderful authenticity”, schreibt Mike Kenny für AV Maniacs und trifft es. Mit Blick auf die Liebe zum Detail, die sich in der Kameraarbeit ausdrückt, liegt die Vermutung nahe, dass hinter dessen Urheber “John Davis” niemand sonst als William VanDerKloot selbst steckt, vor diesem Debüt als Regisseur selbst ein Kameramann. Aber auch die Darsteller Ed Marinaro und Darrell Larson sind als zwei grundverschiedenen Cops an einem Fall überzeugend, ebenso wie John Hancock, Lynn Whitfield oder William Sanderson. Es gibt einen Subplot, der Anleihen bei den Kalte-Kriegs-Szenarien seiner Zeit macht und sich zuletzt in eine unerwartete Richtung entwickelt. Die urbanen Fassaden Atlantas spiegeln in Dead Aim / Mace den Nihilismus ihrer Bewohner, von den zynischen FBI-Agenten und desillusionierten Cops bis hin zu den Prostituierten und Gangstern der Drogen- und Schutzgeldkartelle. Und jeden Morgen referiert ein Radiomoderator zum Rot der aufgehenden Sonne, welches neue Kapitel des Niedergangs die vergangene Nacht der Stadt ins Geschichtsbuch schrieb. Dead Aim / Mace ist kein Meisterwerk und hätte mit etwas mehr Budget und mehr Sorgfalt seitens des Drehbuchautors Michael A. Simpson besser sein können. Mit Blick auf das 1987 heraufdämmernde Filmschaffen Abel Ferraras und John Dahls zeigt solche B-Produktion allerdings, inwieweit man hier z.B. mit dem explizit entschiedenen, moralischen Konflikt seines Endes die Flamme des Neo-Noir-Kinos am Flackern hielt.
 
In den USA erschien eine gute DVD-Ausgabe (2009) von Code Red (Regionalcode 0 = weitweit abspielbar) mit dem Film ungekürzt im Originalformat, dazu den englischen Ton ohne Untertitel, sowie Audiokommentare von William VanDerKloot und Co-Produzent Toby Murphy. Für unerschrockene Fans des B-Films empfehlenswert.
 

Neo Noir | 1987 | USA | William VanDerKloot | Corbin Bernsen | Darrell Larson | William Sanderson

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