Unterwelt

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Bewertung
*****
Originaltitel
Pool Of London
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1951
Darsteller

Bonar Colleano, Earl Cameron, Susan Shaw, Renée Asherson, Moira Lister

Regie
Basil Dearden
Farbe
s/w
Laufzeit
82 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Das Frachtschiff Dunbar trifft von Rotterdam kommend im Hafen von London ein. Sofort nachdem es vertäut ist, geht der Zollbeamte Andrews (Michael Golden) an Bord. Mit Einwilligung des Kapitäns (George Merritt) befragt er die Mitglieder der Mannschaft, so auch den aus Jamaica stammenden Matrosen Johnny Lambert (Earl Cameron) und dessen Freund Dan MacDonald (Bonar Colleano). Obwohl MacDonald Nylonstrümpfe und einige Päckchen Zigaretten schmuggelt, darin sich keineswegs Zigaretten befinden, gibt er an, nichts verzollen zu müssen. Tatsächlich ist der Matrose George (George Benson) der einzige, der dem erfahrenen Andrews auffällt und der mit Golduhren erwischt wird. Der technische Offizier Trotter (James Robertson Justice) hat zwar drei Flaschen Brandy dabei, doch nutzt er die Zeit zum Landgang nie und wird sich in den nächsten Tagen bei Lektüre klassischer Literatur damit betrinken. In London warten mehrere Frauen auf die Zurückkehrenden der Dunbar, so die Nachtschwärmerin Maisie (Moira Lister) auf Dan und die hübsche Sally, Mitarbeiterin der Amalgamated Steamship Company Ltd., auf den mit ihr verbandelten Harry (Leslie Phillips). Doch Harry macht in der Tram zur Tower Bridge die Bekanntschaft einer Anderen. Dan und Johnny zieht es in den Pub von Ethel (Mae Bacon). Von dort geht es ins Variétetheater Queens, wo Dan seine Schmuggelware abliefern will und Johnny mit der Ticketveräuferin Pat (Susan Shaw) ins Gespräch kommt. Zu Dan und dessen Kontaktmann Mike (Christopher Hewett) kommt der Sprungkünstler Charlie Vernon (Max Adrian) mit einem lukrativen Angebot…
 
„Stay ashore, and see the world.” Ein erstklassiges Drehbuch von Jack Wittingham (Ein Kind war Zeuge, UK 1952) und John Eldridge, ein grandioses Ensemble, das in der Summe die Qualität des Werks mitbestimmt und durch herausragende Einzelleistungen besticht, sowie eine Regie, die keine Sekunde der lebenssatten Geschichte verschenkt, ergänzt durch wunderbare Film-Noir-Kameraarbeit von Gordon Dines (Die blaue Lampe, UK 1950) an Originalschauplätzen der Großstadt und eine charaktervolle Filmmusik John Addisons! Basil Deardens Unterwelt – ein Allerweltstitel für den im Original punktgenau Pool Of London betitelten Streifen – beweist, dass der englische Film Noir der klassischen Ära jenseits der prominenten Werke Sir Carol Reeds manches zu bieten hat. Früh ahnt der Zuschauer, dass die Freundschaft von Dan und Johnny, die Bande zwischen Matrosen, denen die Verschiedenheit ihrer Hautfarbe im Gegensatz zu den Stadtmenschen, die sie in der Metropole London treffen, kaum mehr gegenwärtig ist, auf eine Probe gestellt werden wird. Dan schmuggelt, um die Ansprüche seine Freundin Maisie zu befriedigen, und er ist auf den Geschmack gekommen, dank seiner Position als Seemann ans schnelle Geld zu kommen. Johnny hat von seinem Lohn einiges angespart, um schon in Kürze nach Jamaica zurückzukehren und das Leben zur See hinter sich zu lassen. Aus Loyalität hilft er Dan, als jener ins Visier der Zollfahnder gerät. “Genuine British noir is a rare bird but it seems to me that Basil Dearden's Pool Of London ticks all the right boxes,” resümiert Weaverman folgerichtig in seinem Blog Fleapit of the Mind.
 
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Aber Gier, Betrug, Gefahr lauern nicht nur in der Welt der Männer sondern auch zwischen den Frauen und in deren Beziehungen zu den Matrosen. Harry belügt Sally, Maisie benutzt Dan, doch Dan verführt Sally, Johnny verliebt sich in Pat. Die (mögliche) Liebe zwischen dem Farbigen Johnny Lambert und der weißen Engländerin Pat ist für die Zeit der Entstehung des Films bemerkenswert. Zum Rassismus in der bürgerlichen Gesellschaft gab es im Film Noir explizite Szenarien, etwa in Joseph L. Mankiewicz’ Der Hass ist blind (USA 1950). Aber die sich zart anbahnende Beziehung zwischen Johnny und Pat ist in ihrer unprätentiösen und doch bewussten Handhabe durch Buch und Regie ein Sonderfall. Mit wunderbaren Darbietungen von Bonar Colleano, Earl Cameron und Renée Aherson, erstklassigen Akteuren bis in Nebenrollen, sowie mit einer bis dato kaum gewürdigten Meisterleistung des irischen Schauspielers Max Adrian in der Rolle des manischen und verzweifelten Charlie Vernon ist Unterwelt ein exzellenter Film Noir, der auf seine Wiederentdeckung durch ein deutsches Publikum wartet. Bonar Colleano, verheiratet mit Susan Shaw, kam 1958 im Alter von 34 Jahren bei einem Autounfall ums Leben. Susan Shaw, die sich nie davon erholte, verfiel dem Alkohol und starb 20 Jahre später völlig verarmt. Die beiden traten im Film Noir Tödliche Geschäfte (UK 1954) nochmals gemeinsam vor die Kamera und mit ihnen auch Renée Asherson, Alfie Bass und Mavis Vielliers, alle auch in Unterwelt, doch war solcher zweite Film leider schwach. Basil Dearden arbeitete in dem viel diskutierten Das Mädchen Saphir (UK 1959) u.a. erneut mit Earl Cameron.
 
Erstklassige englische DVD-Ausgabe (2009) der Optimum Releasing Ltd. / Studiocanal, die diesen Film bildtechnisch topp, ungekürzt und im Originalformat mit der englischen Tonspur (ohne Untertitel) bringt. Unbedingt sehenswert!
 

Film Noir | 1951 | UK | Basil Dearden | Alfie Bass | Bonar Colleano | Leslie Phillips | Victor Maddern | Moira Lister | Renée Asherson | Susan Shaw

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