Außenseiterbande, Die

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Bewertung
****
Originaltitel
Bande à part
Kategorie
Post Noir
Land
FRA
Erscheinungsjahr
1964
Darsteller

Anna Karina, Sami Frey, Claude Brasseur, Danièle Girard, Louisa Colpeyn

Regie
Jean-Luc Godard
Farbe
s/w
Laufzeit
92 min
Bildformat
Vollbild
 

 

Die Aussenseiterbande-Poster-web4.jpg Bild Bild Bild
 
Die beiden Freunde Arthur (Claude Brasseur) und Franz (Sami Frey) fahren in ihrem Simca Cabriolet - trotz Winterwetters mit offenem Verdeck - in einen Pariser Vorort, um die Villa von Madama Victoria (Louisa Colpeyn) auszuspühen. Die Dame lebt in ihrem Anwesen allein mit einem Untermieter namens Monsieur Stolz und einem Gärtner. Zugleich wohnt dort auch Odile Monnot (Anna Karina), eine Nichte, die wiederum Franz in seinem Englischkurs kennenklernte, den auch sie besucht. Die beiden fahren in die Stadt zurück, um selbst zum Kurs nicht zu spät zu erscheinen, zu dem heute auch Arthur mitkommt. Der hat beschlossen, sich auf seine freche Weise an die unsichere Odile heranzumachen. Hinter dem Rücken der Lehrerin (Danièle Girard), die sie Shakespeare übersetzen lässt, schreibt er ihr Botschaften und in der Pause verabredet er, dass sie Odile erst nach Hause bringen und danach noch etwas trinken gehen. Odile hält nicht viel von Arthurs Reden. Sie ist sogar entsetzt, als er während der Fahrt auf das Geld zu sprechen kommt, dass Monsieur Stolz angeblich in ihrem Haus verwahrt, wovon wiederum sie Franz berichtete. Zugleich ist sie von Arthur eingenommen und kann sich gegen ihn kaum zur Wehr setzen. Doch Franz und Arthur haben nichts anderes im Sinn als den unbekannten Stolz um jenen Teil seines Vermögens zu bringen, das er in bar in der Villa aufbewahrt und dazu brauchen sie Odiles Hilfe …
 
“Jean-Luc Godard’s breezy film noir from 1964, Band of Outsiders shows the director at his entertaining best”, argumentiert Sam Juliano für Wonders In The Dark und zielt auf Aspekte in Godards Schaffen, die eine zu intellektualistische Sicht oft unterschlägt. Das Frühwerk Godards ist voll von Einflüssen und Anspielungen, die aufzustöbern lohnenswert und bereichernd sind. Zum ersten ist Godards Film - so wie Truffauts Schießen Sie auf den Pianisten (FRA 1960) die Adaption eines Buches von David Goodis war - die Verfilmung eines US-amerikanischen Kriminalromans, nämlich Fool’s Gold (EA 1952) von Dolores Hitchings. Truffaut und Godard sollten immer wieder auf US-Autoren zurückkommen, u.a. auf Cornell Woolrich und Donald E. Westlake. Die Entscheidung für narratives Kino, das sich anschickt eine Dreieckbeziehung vorzuführen, klingt altmodisch und ist es hier gar nicht. Das Interesse an seinen Charakteren geht über die Pulp-Vorlage weit hinaus und lässt Godard an neuralgischen Punkten seines Zeitalters ansetzen, wie es oft seine Art war. “Usually, the plots of film noir grow out of the characters’ desperate straits (…) Godard strips away that particular brand of compulsion. We don’t know why the characters go ahead with their scheme, and Godard isn’t particularly interested in why”, schlussfolgert Charles Taylor für Salon. Das ist nur zum Teil richtig, denn Arthur und Franz - zwei selbstverliebte, clevere und wenig empathische Kleinspurganoven mit Ambitionen - sind selbst Ausweis genau dieses Desparaten. Die Maskerade einer studentischen Liaison à trois fällt schnell. Odile ist in ihrer wörtlich zu nehmenden „Schlüsselrolle“ die interessanteste Figur und zwar gerade in psychologischer Weise.
 
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So schrieb Richard Brody mit Augenmerk für Godards Inszenierung Odiles in The New Yorker: “Best of all, a tender passage in the metro, featuring a luminous closeup of Karina, mournful glances at passers-by, and a poem by Aragon, which makes clear both the glory and the artifice of the intellectualized populism dear to the culture that gave film noir its name.” Dieses Spätwerk der Nouvelle Vague, darin die Entfremdung von der Wirklichkeit in den von Brody skizzierten Nachtszenen besonders deutlich wird, zeigt zugleich die Entfremdung der Charaktere von sich selbst und den ihnen eingeschriebenen Gefühlen. Der Erzähler aus dem Off, solch ein typisches Film-Noir-Stilmittel, liefert explizite Verweise dazu, und changiert clever von humorvoll zu bitterböse. Die Leere und Gleichgültigkeit, die Ödnis und Brutalität feiern ihr Stelldichein nicht nur im Zwist mit einer absurd entrückten, bürgerlichen Alltagsgesellschaft sondern auch im Zusammentreffen von drei Menschen, die von Zufall und Begehren und keinesfalls von Sympathie gelenkt sind. Zugleich ist es dieses Miteinander, was ihre Nöte, Interessen und Bedürfnisse in eine dramatische Beschleunigung bringt, die Godard konsequent zur Entwicklung bringt. Kein Meisterwerk, doch ein Film, der nach meiner Einschätzung den teils wunderbaren und teils auch albernen Außer Atem (FRA 1960) deutlich hinter sich lässt.
 
Exzellente DVD der Universum Film GmbH (2009) im 3DVD-Box-Set Jean-Luc Godard Collection No. 1: bildtechnisch topp im Originalformat, wahlweise deutsche oder französische Tonspur, deutsche Untertitel und den Kinotrailer als Extra. Auch enthält die Box die Dokumentation JLG/LG- - Godard über Godard (1995). Am 21. Februar  2013 erscheint Die Außenseiterbande erneut in der von der Studiocanal GmbH herausgebenen Jean-Luc Godard Edition 3.
 

Post Noir | 1964 | France | Jean-Luc Godard | Raoul Coutard | Sami Frey | Anna Karina

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