Blue Steel

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Psychologische Verteidigung


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Bewertung
***
Originaltitel
Blue Steel
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1989
Darsteller

Jamie Lee Curtis, Ron Silver, Clancy Brown, Elizabeth Peña, Louise Fletcher

Regie
Kathryn Bigelow
Farbe
Farbe
Laufzeit
97 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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New York: Megan Turner (Jamie Lee Curtis) muss bei ihrer Ausbildung zur Polizistin manche bittere Erfahrung wegstecken. Schließlich wird sie vereidigt und feiert das Ereignis mit ihrer Freundin Tracy Perez (Elizabeth Peña). Als sie am gleichen Tag in Uniform nach Hause kommt, findet sie auf dem Anrufbeantworter eine Nachricht ihrer Mutter Shirley (Louise Fletcher), die sie zum Essen einlädt. Aber im Elternhaus herrscht miese Stimmung, denn Vater Frank Turner (Philip Bosco) hält die eigene Tochter für einen “god damn cop“, weshalb die Eltern auch ihrer Vereidigung fernblieben. Sogar ihr Kollege (Frank Girardeau) möchte auf ihrer ersten gemeinsamen Streife von Megan wissen, warum ausgerechnet sie ein “cop“ wurde, nachdem Megan zuvor scherzte, sie habe sich dazu entschlossen, weil sie Menschen erschießen wolle. In einem Kiosk bestellen sie Kaffee, doch indessen der Kollege auf Toilette ist, beobachtet Megan, wie gegenüber in einem Supermarkt ein Überfall vonstatten geht. Allein rast sie über die Straße und betritt den Laden durch den Lieferanteneingang. Ein Mann in Lederjacke und Wollmütze (Tom Sizemore) brüllt auf den Kassierer (Andrew Hubatsek) ein, ihm das Geld auszuhändigen. Mehrere Kunden, darunter der Broker Eugene Hunt (Ron Silver), haben sich auf den Boden geworfen. Als die aufgeregte Megan den Dieb anschreit, seine Waffe fortzuwerfen, reagiert der zwar nervös, doch zugleich mit Verachtung. Dann dreht er sich blitzschnell in ihre Richtung, seinen großkalibrigen Revolver im Anschlag…
 
“Eine Blütezeit erlebten Polizeifilme wie Blue Steel (…) oder Romeo Is Bleeding (1993, Regie: Peter Medak) innerhalb des Neo-Noir“, schreibt Sebastian Lühn in seiner Studie Elemente des Film Noir in den Filmen "Blue Velvet" und "Lost Highway" von David Lynch (2008). Das Publikum in den USA hasst den mehr oder minder gefloppten Blue Steel mit Jamie Lee Curtis, deren Hollywoodkarriere ohnehin kaum mit Erfolgen gesegnet war. Der Film bekommt hämische Kommentare in Serie nachgeworfen und das gilt bis heute. Dabei ist der Auftakt klasse inszeniert und sichtbar darum bemüht, jene Klischees der üblichen Copthriller zu vermeiden. Megan Turner bekommt für ihre Entscheidung, ausgerechnet als Polizistin in den Staatsdienst zutreten, reichlich Gegenwind. Ihr Umfeld reagiert mit Irritation und so mancher schließt sie aus seinem Kreis aus. Die ersten 30 Minuten sind stimmig. Jamie Lee Curtis erweist sich der Rolle einer Frau aus kleinbürgerlichen Verhältnissen, die sich nicht mehr alles gefallen lassen will und deshalb die Uniform anlegt, als durchaus gewachsen. Und die Entwicklung der ersten 30 bis 40 Minuten lässt sie sukzessive zur Film-Noir-Figur werden – ausgegrenzt, hintergegangen und privat so wie beruflich ohne Freunde. Das Drehbuch und die Regie bringen einiges an Tempo zuwege, bevor die Spirale des Terrors und der schmerzhaften Selbstreflexion noch weiter ins Film-Noir-Terrain zu führen verspricht.
 
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© Concorde Home Entertainment GmbH
 
“Death is the best kick of all. That's why they save it for last.” Sowohl die internationale Filmkritik als auch z.T. das deutsche Publikum reagierte weit besser auf einen Film, der nicht zuletzt an einer falschen Vermarktung als „Actionfilm“ und dem in den 90ern zugkräftigen Namen Oliver Stone (Co-Produzent) zu leiden hatte. Es schürte falsche Erwartungen und verstellte den Blick aufs Wesentliche, den z.B. der unbestechliche Roger Ebert in seiner Kritik in den Fokus rückte: ”And there is an anger in the way the movie presents the male authorities in the film, who are blinded to the facts by their preconceptions about women in general and female cops in particular.” Vor dem Hintergrund der Analyse ist das blinde Vertrauen, das Detective Nick Mann (Clancy Brown) urplötzlich in Megan Turner setzt, ohne dass er selbst die mindeste Evidenz im Fall von Serienmorden mit großkalibrigem Revolver und Patronen mit Gravur von Megan Turners Namen beibringen kann, nicht nachvollziehbar. Solcher Patzer des Drehbuchs führt den Film von der Fährte der Psychopathologie - und Ron Silver gibt neben Jamie Lee Curtis eine ebenbürtig gute Leistung! - in die Banalität der polizeilichen Untersuchung. Dies enttäuscht, weil letztere immer unglaubwürdiger wird und als Vorbereitung des Finales mit reichlich Geballer zu durchsichtig. Alles in allem bleibt Blue Steel damit trotz guter Rollencharaktere ein uneingelöstes Versprechen. Schade!
 
Die Concorde Home Entertainment GmbH lässt diesen 23 Jahre alten Neo Noir auf einer neuen BD (2012) exzellent aussehen und wird der Kameraarbeit Amir Mokris damit voll gerecht. Ebenso wie die DVD-Edition (2003) ist der Film zu 100% ungekürzt und im Originalformat enthalten: deutsche (nicht empfehlenswerte) und englische Tonspur, optional deutsche Untertitel, dazu wirklich alle Extras, die auch in den USA zu sehen sind: Kinotrailer, Fotogalerie, eine Dokumentation zum NYPD namens “ Police Special“, etc. pp. Vorbildlich!
 

Neo Noir | 1989 | USA | Kathryn Bigelow | Mike Starr | Richard Jenkins | Tom Sizemore | Elizabeth Peña

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