Bunny Lake ist verschwunden

banner_noir_film_festival-2018.jpg


Psychologische Verteidigung


Concorde Home Entertainment


Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


Brighton Rock


Hier klicken zur Blu-ray


banner_der_film_noir_3.jpg


Bewertung
****
Originaltitel
Bunny Lake Is Missing
Kategorie
Post Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1965
Darsteller

Carol Lynley, Keir Dullea, Laurence Olivier, Noel Coward, Anna Massey

Regie
Otto Preminger
Farbe
s/w
Laufzeit
103 min
Bildformat
Widescreen
 

 

Bunny Lake ist verschwunden-Poster-web4.jpg Bild  Bunny Lake ist verschwunden-Poster-web5.jpg Bunny Lake ist verschwunden-Poster-web6.jpg
© Columbia Pictures Corporation
 
Der Journalist Steven Lake (Keir Dullea) zieht von New York nach London, da er für sein Magazin in der britischen Metropole tätig werden soll. Mit von der Partie sind seine Schwester (Carol Lynley) und deren vierjährige Tochter Felicia (Suky Appleby), die auf den Spitznamen „Bunny“ hört. Letztere reisten per Schiff nach England, wo nun Steven im Haus seines Chefs, der selbst nicht anwesend ist, mit ihnen die ersten Tage verbrachte. Am Morgen des Umzugs ins eigene Apartment bringt Ann ihre Tochter in die Vorschule, bei der sie Bunny bereits angemeldet hat. Da sie zu spät kommt, lässt sie sie kurzzeitig in der Obhut der Köchin (Lucie Mannheim) und eilt in ihre Wohnung, um die Möbelpacker zu treffen. Dort macht ihr auch Wilson (Noël Coward), der dubiose, narzistische Vermieter, seine Aufwartung. Als Ann ihre Tochter mittags aus der Vorschule abholen will, ist Bunny verschwunden. Niemand hat sie mehr gesehen, nachdem Ann das Institut verlassen hatte. Auch findet die leitende Erzieherin Elvira (Anna Massey) keine Anmeldung oder sonst einen Hinweis auf das Kind. Ann und Steven verständigen die Polizei. Superintendend Newhouse (Laurence Olivier) erscheint, um Licht ins Dunkel zu bringen…
 
Nachdem er sich ab Mitte der Fünfziger teils epischen Stoffen und Inszenierungen in Technicolor zugewandt hatte, - etwa Porgy und Bess (USA 1959) oder Exodus (USA 1959) - kehrte Otto Preminger, seit Laura im Jahr 1944 ein Meister des Film Noirs, 1965 nochmals zum Thriller in Schwarzweiß zurück. Denn vor allem seine Inszenierung in einem kontraststarken Schwarzweiß, eine fast die gesamte zweite Hälfte des Films einnehmende Nacht in der Großstadt London und die Tour de force für Ann Lake sind Reminiszenzen an das klassische Film-Noir-Kino. Seit Alfred Hitchcocks Psycho (USA 1960) hatte sich das allerdings voran bewegt. Der Psychokiller oder überhaupt der mental ausartende Charakter bestimmte viele Dramen der Post-Noir-Phase, die deutlich im Fahrwasser solcher Entwicklungen ab den Frühfünfzigern fuhren. Otto Preminger selbst war mit dem Film Noir Engelsgesicht (USA 1952) auf dem Pfad einer der Pioniere gewesen. In der Nachfolge von Psycho hatten Blake Edwards’ Der letzte Zug (USA 1962),  J. Lee Thompsons Ein Köder für die Bestie (USA 1962) oder auch René Cléments Wie Raubkatzen (FRA 1964) weitere Akzente gesetzt. Bunny Lake ist verschwunden lässt sich hier nahtlos anfügen.
 
Bild Bild Bild
© Columbia Pictures Corporation
 
Damit ist dem Film nichts von seiner Originalität und nichts von seiner Qualität genommen. Vom Umstand abgesehen, dass er wie viele Filme seiner Zeit ein Hybrid zwischen klassischem Kino und Moderne ist, - ein Auftritt der Popband The Zombies ist geradezu absurd implementiert - bringt er seine Geschichte mit viel Geduld und Liebe zum Detail aufs Gleis. Es wimmelt von grandiosen Rollencharakteren – Martita Hunter als Ada Ford, verschrobene Gründerin der Vorschule, ist einfach wunderbar. Noël Coward als Wilson erfüllt einerseits klar eine Funktion, ist andererseits schon ein Indiz fürs Abrgründige, dahin der Weg den Zuschauer leiten wird… Die Spannung zwischen Tradition und Zukunft bestimmt die Geschichte zuletzt in mehr als nur einer Weise und das macht Bunny Lake ist verschwunden zu einer psychologisch raffinierten Falle, daraus es für den Zuschauer kein Entrinnen gibt. Klug wäre gewesen, hätten die Drehbuchautoren auf die einfache Logik der Handlung ähnlich viel Sorgfalt verwendet. Sie erscheint mit Blick auf die Beziehungen der Personen nicht in allen Einzelheiten schlüssig. So ist Otto Preminger die Chance für ein weiteres Meisterstück entgangen. Allemal bleibt Bunny Lake ist verschwunden ein eigenwilliger und sehenswerter Thriller der Post-Noir-Phase.
 
Die englische DVD-Edition (2008) der Sony Pictures Home Entrertainment bringt den Film in einer topp restaurierten, ungekürzten Fassung  und im Originalformat, englische Tonspur mit englischen Untertiteln, den Kinotrailer als Extra. Sehr zu empfehlen!
 

Post Noir | 1965 | UK | Otto Preminger | Laurence Olivier | Victor Maddern | Anna Massey | Delphi Lawrence | Lucie Mannheim

Neuen Kommentar schreiben

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.