Killer von Tokio, Die

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Bewertung
***
Originaltitel
Gang tai Gang
Kategorie
Post Noir
Land
JPN
Erscheinungsjahr
1962
Darsteller

Kôji Tsuruta, Tetsurô Tanba, Tatsuo Umemiya, Hideo Kô, Kôji Mitsui

Regie
Teruo Ishii
Farbe
s/w
Laufzeit
85 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Nach fünf Jahren im Gefängnis wird der einstige Auftragskiller Mizuhara (Kôji Tsuruta) in Tokio in die Freiheit entlassen. Kaum ist er unter freiem Himmel unterwegs, rast schon eine Limousine mit seinem ehemaligen Kumpanen Gonda heran, der versucht ihn umzubringen. Außer einem Schuss in den Arm hat Mizuhara jedoch keine Verletzungen erlitten; und so besucht Mizuhara seinen ehemaligen Boss Komori in dessen Hotel Touto. Hier wird klar, dass jener kein Interesse daran hat, seinen vor fünf Jahren geäußerten Versprechungen nachzukommen und dass er hinter dem Mordanschlag auf Mizuhara steckt. Letzterer stellt seine alten Kumpanen zur Rede, doch die wollen von einer Rückkehr in ihre Mitte nichts wissen. Vor allem sein früherer Freund Namikawa (Tetsurô Tanba) hat für Mizuhara nur nachsichtigen Spott übrig, so dass Mizuhara eine Waffe zückt, Komori mit einem Schuss in dem Arm verletzt und im Nu schon aus der Tür ist. Nun wittert Namikawa seine Chance, zieht seinerseits die Pistole und bringt seinen Boss vor den Augen aller Mitstreiter kaltblütig um… Auf der Straße erwarten Mizuhara vor einer Limousine die hübsche Yuri (Yoshiko Mita) und Kokuchi (Nobuo Yana), die den Überraschten zum Einsteigen auffordern. Es ist offensichtlich, dass sie auf seine Rückkehr warteten und wissen, wohin sie ihn bringen werden. Bald erreichen sie das komfortable Haus von Yuris Onkel Yanagisawa, eines Widersachers des Komori-Clans, der Mizuhara auffordert, mit ihnen den neuen Boss Namikawa und sein Drogenimperium zu bekämpfen…

 

Von Anbeginn überzeugen in Die Killer von Tokio die in kontrastreichem Schwarzweiß und mit einer auffällig beweglichen Kamera eingefangenen Szenenbilder, dazu die ebenso dynamische Dramaturie und die lässige Attitüde der Schauspieler. So bräuchte es zum Genuss eines in Vergessenheit geratenen, japanischen Post Noirs, darin der ex-Ganove Mizuhara uns als Film-Noir-Charakter par excellence serviert wird, bloß eine solide, bestenfalls gute Geschichte… Aber die fehlt dem in jeder anderen Hinsicht so versierten Film. Es bleibt beim gelegentlichen Aufblitzen des Potentials seiner Erzählung, die jedoch über die Strecke von 85 Minuten nicht übers Niveau eines Groschenromans hinauskommt. Mizuhara ist ein gebrochener Charakter - 5 Jahre saß er hinter Gittern, sein ehemaliger Boss versucht ihn umzubringen, keiner der alten Freunde sieht für ihn einen Platz im Komori-Clan oder überhaupt in Freiheit. Dass er sich deshalb ihren Feinden anschließt, kann nicht verwundern. Allerdings weiß er über letztere so gut wie nichts, findet auch im Verlauf des Films nicht viel über sie heraus und der Zuschauer, der womöglich erwartet eine verborgene Wahrheit hinter dem Trio Yuri, Kokuchi und Yanagisawa zu entdecken, wird ebenso enttäuscht. Leider ist die Erzählung exakt so flach, wie sie schon nach 10 Minuten im Film erscheint. Nichts und niemand überrascht, außer womöglich die Blödheit der Gangster und die Leichtigkeit, mit der sie sich von ihren Gegnern am laufenden Meter ins Bockshorn jagen lassen. Mit dem rechten Arm in der Schlinge schießt Mizuhara den TriadenBoss in den Arm und flieht unbehelligt auf die Straße. Wenn Yuri von den Drogenhändlern in der Gun Corner umsonst Heroin verlangt, lassen sich diesen von der jungen Frau sofort einschüchtern. Mizuhara sieht sich von Namikawas Gangstern umstellt, die alle ihre Waffen auf ihn richten, doch er bringt mit einem Streichholz das ganze Gebäude in die Luft. In der nächsten Einstellung hockt er unverletzt und frisch gewaschen mit Yuri, Kokuchi und Yanagisawa am Frühstückstisch.

 

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Das Ausmaß, in dem Autor und Regisseur Teruo Ishii bei Die Killer von Tokio verlangt, dass der Zusdchauer sein Gehirn abschalte, ist immens. Als Verfasser des Drehbuchs ist sein Talent deutlich geringer. Noch im Finale ist die minutenlange Verfolgungsjagd mit Schusswechsel übers Maß in die Länge gezogen, berücksichtigt man den konsequent auf den Punkt gebrachten Schlusspunkt, der mich an den ebenfalls allzu mittelmäßigen Der Satan lockt mit Liebe (FRA/GER 1960) erinnert.Im Booklet der DVD weist Stuart Galbraith IV darauf hin, dass Ishii zu Beginn seiner Karriere bei den Toei Studios (ab 1961) deren altmodischen Stil aufzufrischen suchte, indem er den Stil des Nikkatsu Studios zu imitieren suchte, wo u.a. Seijun Suzuki den japanischen Film Noir mit Take Aim At The Police Van (JPN 1960) und bis 1967 durch eine Serie von Werken mit Jô Shishido bereicherte. Vergleicht man Die Killer von Tokio z.B. mit dem thematisch überaus verwandten Youth Of The Beast (JPN 1963) springt einem die bei Suzuki um Längen bessere Charakterzeichnung ins Auge, zudem bringt er seinen Protagonisten auf ernsthafte Weise in Bedrängnis, indem er dessen Gegenspieler zu ihrerseits gewieften und selbstbewussten Handlungsträgern erhebt. Die Killer von Tokio macht es sich diesbezüglich viel zu leicht und verschwendet sein Potential, allen voran das Talent des Ensembles und Kamermanns Yoshikazu Yamazawa.

 

Es war die fantastische deutsche, auf 1000 Exemplare limitierte Edition als 2DVD (2013) von Subkultur Entertaiment, die mich auf den Film brachte. In einer Ausgabe, die an die ehemalige Arthaus-Premium-Serie oder an die Criterion Collection denken lässt, gibt es Die Killer von Tokio bild- und tontechnisch topp mit der original japanischen Tonspur oder der alten deutschen Kinosynchronisation, optional deutsche Untertitel, dazu den japanischen und den deutschen Kinotrailer sowie eine Bildergalerie als Extras. Die zweite DVD enthält den Film ebenfalls in der deutschen Kinofassung als High-Def Spin. Die exzellente Edition rundet ein 8seitiges Booklet mit einem Essay zum Film und seinem Regisseur von Stuart Gailbraith IV, das Ganze kommt in einem liebevoll gestalteten Cover im Pappschuber. Solch eine Edition wünschte man sich für Hunderte weiterer internationaler Filmklassiker, die in Deutschland bis dato alle nicht erhältlich sind.

 


Post Noir | 1962 | International | Teruo Ishii | Tetsurô Tanba

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