Juwelenräuber werden gejagt

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Bewertung
****
Originaltitel
Hra bez pravidel
Kategorie
Neo Noir
Land
CSK
Erscheinungsjahr
1967
Darsteller

Svatopluk Matyás, Jirí Adamíra, Zdenek Kryzánek, Karla Chadimová, Vladimír Mensík

Regie
Jindrich Polák
Farbe
s/w
Laufzeit
87 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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Der Wenzelsplatz in Prag, Hauptstadt der Tschechoslowakei: Mit einer Umhängetasche überquert Josef Duda (Jan Tríska) die belebte Straße, indessen ihn Hovorka (Vladimír Chlouba) vom Dachbalkon des gegenüber liegenden Hotels Tatran im Blick hat. Letzterer beobachtet zugleich, wie sich zwei Arbeiter am Nachbargebäude mithilfe ihrer durch eine Handwinde betriebenen, am Dachfirst befestigten mobilen Arbeitsplattform abseilen…. Während er vor einem Schaufenster herumlungert, bemerkt Burian (Zdenek Kryzánek), der dritte im Bunde, wie ein älteres Ehepaar seinen Wagen parkt. Nachdem die Besitzer außer Sichtweite sind, beginnt Burian mit seinen Allzweckschlüsseln das Türschloss des Autos zu knacken. Duda und Hovorka treffen im obersten Stockwerk des Hotels zusammen, balancieren über Dachleitern zu der Arbeitsplattform und nutzen diese, um zu einem Fenster zu gelangen, durch das sie ins Nachbargebäude einsteigen. Hier befindet sich im obersten Geschoss ein Lagerraum für Juwelen und Goldschmuck, wo die Angestellten Litera (Jirí Adamíra) und Kubát (Vojtech Plachý-Tuma) eben damit befasst sind, eine heute besonders umfangreiche Lieferung im stets offenen Safe zu verstauen. Doch jetzt werden sie von Duda und Hovorka, beide mit Nylonstrümpfen maskiert und bewaffnet, überrascht, und Duda beginnt sofort, den Schmuck in die Umhängetasche umzuladen. Als Litera versucht den Alarmknopf zu drücken, schießt Hovorka erst auf ihn, sodann auch auf Kubát, die beide zusammenbrechen…

 

Was in den ersten 10 Minuten wie ein vergleichsweise simpler Kriminalfall anhebt, verdichtet sich mit Beginn der polizeilichen Ermittlungen zu einem zunehmend komplexen Drama, dessen Personen in unerwarteter Weise miteinander in Beziehung stehen. Doch der die Untersuchung leitende Poliezeibeamte Málek (Svatopluk Matyás) hat das Nachsehen, als der wichtigste Zeuge des Falls just durch ihn tödlich verunglückt. Dudas und Hovorkas Fluchtwagen wurde von einem Mitwisser sabotiert und die geraubten Juwelen verschwinden aus ihrem Versteck. Lediglich Burian wird zu acht Jahren Haft verurteilt, von dem der leicht verletzte Litera behauptet, er habe ihn nie zuvor in seinem Leben gesehen… Der blamierte Málek scheidet aus dem Polizeidienst aus und wird in Prag Taxifahrer, als vier Jahre später Burian wegen guter Führung entlassen wird und Litera, inzwischen der begüterte Inhaber einer Autowerkstatt, zufällig bei Málek ins Taxi einsteigt. Das folgende Katz-und-Maus-Spiel führt zu einer Kollision der verschiedenen Interessengruppen und entwickelt sich zu einem überaus spannenden und intriganten Spiel der Kontrahenten, das in der englischen Übersetzung des Films als A Game Without Rules zutreffend beschrieben ist. Seinerzeit fand der Film in der Tschechoslowakei, in Polen und Jugoslawien und als Juwelenräuber werden gejagt in der DDR seinen Weg ins Kino, nicht aber in West-Europa.

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“The brilliant A Game Without Rules (…) offers an image of a detective anti-hero as we know it from classic hard-boiled stories“, schreibt Jana Bébarová in ihrer Einführung zum Film für das Programmheft des Noir Film Festivals 2017 in Křivoklát, Tschechien. Tatsächlich ist verblüffend zu sehen, inwieweit Jindrich Polák einen sowohl klassischen (stets in Schwarzweiß gedrehten) als auch für seine Zeit modernen Film Noir schuf, der im Verlauf einer erbitterten Auseinandersetzung keine Freunde kennt. Für einige sind die Geheimnisse, die sie hüten, letztlich tödlich und auch Unbeteiligte stolpern aus Gier auf jenes Spielfeld, ohne dass es sich schlussendlich für sie lohnt. Der einstige Polizeibeamte versucht aus dem Schatten seiner Veregangenheit zu treten, aber selbst ihm kann der Zuschauer am Ende nicht trauen… Das Vexierspiel der Figuren wird auch von Kameramann Rudolf Milič kunstvoll eingefangen, Poláks Dramaturgie ist von Anbeginn temporeich und die Akteure überzeugen auf ganzer Linie. Jan Tríska und Karla Chadimová waren im Lauf ihrer Karriere ab den 80er Jahren auch in den USA tätig; Svatopluk Matyás blickt heute auf eine beinahe sechzigjährige Laufbahn als Schauspieler zurück. Juwelenräuber werden gejagt ist eine jener Wiederentdeckungen, die den Blick auf den Film Noir als Filmstil erweitern und schärfen, insofern schon seinerzeit die Grenzen und Differenzen politischer Ideologien ein international relevantes und zeitloses Kulturschaffen nirgendwo verhindern konnten.

 

Eine DVD-Edition (2017) der Bohemian Motion Pictures A.S. in Kooperation mit dem Noir Film Festival in Tschechien bringt den Film unter dem Originaltitel Hra vez pravidel ungekürzt und im Originalformat mit dem tschechischen Ton und mit optional englischen und tschechischen Untertiteln, bild- und tontechnisch exzellent restauriert und daher empfehlenswert. Leider in Deutschland z.Zt. (noch) nicht erhältlich.

 


 

 

Neo Noir | 1967 | International | Jindrich Polák | Svatopluk Matyás | Vladimír Mensík

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