Tödliche Begierde

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Psychologische Verteidigung


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Bewertung
**
Originaltitel
Aroused
Kategorie
Post Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1966
Darsteller

Djanine Lenon, Steve Hollister, Joanna Mills, Fleurette Carter, Ted Gelanza

Regie
Anton Holden
Farbe
s/w
Laufzeit
74 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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New York: Ein Mann ist in der Abenddämmerung auf dem Weg zu seinem Termin mit der Prostituierten Pat Wilson (Marlene Stevens), in deren Apartmenthaus er auch kurz darauf eintrifft. Zur gleichen Zeit schleicht sich der Barkeeper Louis (Tony Palladino) durch Hinterhöfe und über Feuerleitern zu einem Aussichtsplatz am Fenster von Pats Schlafzimmer. Hier wird er Zeuge, wie der Freier mit der Prostituierten einen Drink nimmt und dann mit ihr schläft. Nachdem er sich von ihr verabschiedet hat, geht Pat ins Badezimmer, wo sie eine Dusche nimmt. Louis öffnet ohne Schwierigkeit das Schlafzimmerfenster und geht gleichfalls ins Bad. Im Nu ergreift er die junge Frau und wirft sie in den Duschvorhang eingewickelt auf den Boden, wo er sie brutal erdrosselt. Indessen hört er in seinem Inneren die Stimme der eigenen Mutter, die ihn als Nutte, die sie war, einst selbst aus ihrem Schlafzimmer hinauswarf, weil ihr Freier es von ihr verlangte. Als Pat schließlich tot vor ihm liegt, wirft sich Louis in einem Anfall von Zärtlichkeit über sie und schlingt ihre Arme um seinen Nacken… Das Model Ginny Smith (Djanine Lenon) hat zu Pat Wilsons Apartment einen Schlüssel, doch als sie heute dort eintrifft, antwortet ihr niemand. Vom Flur aus sieht sie im Badezimmer einen Mann (Steve Hollister) über Pats Leiche knien. Aus ihrer Handtasche zieht sie ein Klappmesser und schleicht von hinten an den vermeintlichen Killer heran. Aber schon wird ihre Hand von hartem Griff zurückgezogen, der Verdächtige ist ein Polizeibeamter…

 

”The eccentric and often gutsy style of film noir had no where else to go… but to reach for even more off-beat, deviant, endlessly risky and taboo oriented set of narratives”, schreibt Jo Gabriel aka Monster Girl in ihrem Blog The Last Drive In. Lustmörder und die Schrecken einer unkontrollierbaren Bedrohung aus dem eigenen Inneren hatten Literatur und Filmproduktion schon durchs 20. Jahrhundert hindurch verfolgt, lange bevor es in die Mitte der 60er Jahre mündete. Allemal gelingt es Jo Gabriel in ihrer Listung signifikanter Quellen viele Filme zu nennen, die ihre Argumentation diesbezüglich stützen. Fritz Langs brillanter und stets aufwühlender Pre Noir über einen pädophilen Serienmörder, M - Eine Stadt sucht einen Mörder (GER 1931), erfuhr 20 Jahre später mit Joseph Losey als Regisseur ein Remake als M (USA 1951). Psychopathologische Charaktere, die als mordende Ehemänner oder gar Heiratsschwindler ihr Unwesen trieben, fanden sich in Alfred Hitchcocks Im Schatten des Zweifels (USA 1943), in Charles Chaplins Der Frauenmörder von Paris (USA 1946) und in Peter Godfreys The Two Mrs. Carrolls (USA 1947). Eindeutig sexuelle Neigungen spielten in H. Bruce Humberstones I Wake Up Screaming / Hot Spot (USA 1941), in Robert Siodmaks Zeuge gesucht (USA 1944) und in Delmer Daves’ The Red House (USA 1947) eine tragende Rolle. Mit dem Niedergang des Film Noirs in der zweiten Hälfte der 50er Jahre und der Zunahme von schillernden Pathologien, die von Guest In The House (USA 1944) über Achtung... Blondinen-Gangster (USA 1952) geradewegs zum Schlüsselwerk Psycho (USA 1960) führten, hatte eine Enttabuisierung des Kinos begonnen, der die Nouvelle Vague aus Frankreich noch weitergehende Inspirationen zuführte.

 

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Nun ist Tödliche Begierde nicht mehr als ein Stück Trivialkultur, ein vordergründig auf die Darstellung von Sex in jener noch enorm verklemmten Alltagskultur der Sechziger ausgerichteter Thriller mit Referenzen an den späten Film Noir. Dass man derlei besser machen kann, hatten zu dem Zeitpunkt Michael Powell mit Augen der Angst (UK 1960), Samuel Fuller mit Der nackte Kuss (USA 1964) und Joseph Cates mit Who Killed Teddy Bear? (USA 1965) hinreichend bewiesen. Aber ungeachtet der Tatsache, dass man dem Film sein kaum vorhandenes Budget ansieht und die Darsteller teils absurd schlecht agieren, erweist sich die von Djanine Lenon kompetent gespielte Ginny Smith beizeiten als Sprachrohr für mehr Toleranz und Individualität. Hollister und Lenon gelingt es, in ihren Szenen zu überzeugen, die Kameraarbeit des völlig unbekannten Gideon Zumbach holt aus den begrenzten Möglichkeiten mitunter weit mehr heraus, als man für möglich hält, doch das Finale ist vollends grotesk und wird keinem der Rollencharaktere gerecht. Indem der Autor und Regisseur am Ende mehr auf Tabubruch als auf eine pointierte Geschichte mit Ursachen und Wirkungen setzt, verschenkt er sein eh schmales Potential. Während der klassische Film Noir jener Dunkelheit, der er sich zuneigt, ihren Raum lässt, zerrt Anton Holden in Tödliche Begierde den Schrecken in sensationslüsterner Weise ins Licht vor der Kamera und wirkt damit in letzter Konsequenz billig und banal. Fazit: Muss man auf keinen Fall gesehen haben.

 

Die US-DVD (2003) von Something Weird Video, Inc. beinhaltet neben Aroused im Originalformat in relativ guter Bild- und Tonqualität, englischer Ton ohne Untertitel, noch die Filme Rent-A-Girl (USA 1965) und Help Wanted Female (USA 1968), die keinen Bezug zum Film Noir haben, dazu von Aroused den US-Kinotrailer als Extra. Es gab eine holländische DVD-Ausgabe (2008) von SWV Inc. mit lediglich Aroused in exakt gleicher Fassung und ebenfalls dem Kinotrailer als Extra, doch beide Editionen sind in Deutschland nicht verfügbar.

 

 

 

Post Noir | 1966 | USA | Anton Holden | Richard B. Shull | Fleurette Carter

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