Achtung… Blondinen-Gangster

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Bewertung
**
Originaltitel
Without Warning
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1952
Darsteller

Adam Williams, Meg Randall, Edward Binns, Harlan Warde, John Maxwell

Regie
Arnold Laven
Farbe
s/w
Laufzeit
75 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© United Artists Corporation
 
Los Angeles: Es ist drei Uhr nachts, als der Gärtner Carl Martin (Adam Williams) in Zimmer 27 des Motels seine Heckenschere zurück ins am Gürtel befestigte Futteral steckt. Doch Carl Martin trägt einen Anzug und auf dem Bett liegt die Leiche von Mrs. Alma Johnson, die er soeben mit mehreren Stichen ermordete. Beim hastigen Verlassen des Zimmers bleibt Martin mit seinem Jackett am Türrahmen hängen, indessen der Manager Wilson (Robert Foulk) und ein Gast herbei eilen. Sie klopfen an die unverschlossene Tür und Wilson verlangt, dass man das Radio leiser stelle. Weil keine Reaktion erfolgt, treten die beiden ein… Als Police Lieutenant Pete Hamilton (Edward Binns) und Detective Sergeant Don Warde (Harlan Warde) den nächtlichen Tatort betreten, sind die Männer der Spurensicherung bereits bei der Arbeit. Der Polizeifotograf Joe (Mike Lally) macht ein letztes Bild und der zuständige Gerichtsmediziner (Lee Phelps) kann über die Todesursache bereits Auskunft geben. Die Ermittler sehen sich an den Fall einer vor vier Wochen mit einer Schere ermordeten jungen Kellnerin erinnert und der Doc stimmt ihnen zu. Am Tatort fand sich auch ein Stück Stoff, das von einem Anzug stammen könnte… Indessen kommt Carl Martin nach Hause. Es ist spät und er wäscht sich Hände und Gesicht, entfernt die Schere vom Gürtel und bemerkt Blutspuren auf seinem Hemd. Martin entsorgt das Kleidungsstück in einen Standofen und wirft sich mit freiem Oberkörper, aber noch in Hose und in Schuhen zum Schlafen aufs Bett…
 
“The best thing about Without Warning is the early 50s atmosphere in The City of the Angels”, bringt es Glenn Erickson für DVD Talk auf den Punkt. Daraus ließe sich schlussfolgern, der Rest des Films sei nicht der Rede wert, und genau so ist es. Adam Williams und Meg Randall liefern in ihren Rollen halbwegs passable Leistungen ab, wobei sich ihr Talent in Grenzen hält. Edward Binns und Harlan Warde, Biedermänner im Polizeidienst, sind derart stoisch und statisch, dass es wahrlich keine Freude ist ihnen zuzusehen. Ihr Schauspiel ist so vorhersehbar öde wie die Geschichte selbst. Denn es ist mehr als offensichtlich, dass Achtung… Blondinen-Gangster Alfred L. Werkers Film Noir Schritte in der Nacht (USA 1948) mit Richard Basehart und Scott Brady nachempfunden ist. Schon der wird von Film-Noir-Freunden aufgrund der Kameraarbeit John Altons häufig überschätzt, doch im Vergleich zu Arnold Lavens Machwerk erscheint Alfred L. Werkers Film allemal wie ein Meisterstück. Vor allem ist Richard Basehart als pathologischer Killer Roy Morgan ein komplexer und über die gesamte Strecke von inneren Dämonen heimgesuchter Charakter. Adam Williams’ Carl Martin wirkt bei seinen Versuchen Ähnliches zum Ausdruck zu bringen eher tumb. Und in beiden Filmen haben wir die gleiche Sorte von kreuzbraven Staatsbeamten sowie jenen Spezialisten der Spurensicherung im Laborkittel - hier ein Kerl namens Charlie Wilkins (Byron Kane) - zwischen lauter Reagenzgläsern und Apparaturen, wo er aus geringsten Hinweisen wie durch Zauberhand Indizien entstehen lässt... Wen schon beim Lesen dieser Details das Gähnen anfällt, sollte sich den Film auf keinen Fall zu Gemüte führen, denn zum Gähnen ist das in der Tat.
 
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© United Artists Corporation
 
“The whole case, apart from the aforementioned seduction and stabbing, seems pretty tame, the sort of thing that might make a nice two-part episode of a TV cop show”, resümiert Erick Harper für DVD Verdict und zeigt damit die Enttäuschung dessen, der das Versprechen eines “Lost Noir”- so die Werbebotschaft auf dem Cover der DVD-Edition (2005) von Dark Sky Films - allzu ernst nahm. Ein Erzähler aus dem Off, ein von der eigenen Psyche heimgesuchter Protagonist, auch hin und wieder das Bild einer Femme fatale in einer Nachtbar… Es scheint, als gäbe es hier tatsächlich so etwas wie einen verlorenen Film Noir zu entdecken, doch der Schein trügt. In letzter Konsequenz ist das der handelsübliche Kriminalfilm, der trotz Mitwirkung des Kameramanns Joseph F. Biroc und seiner Schauplätze in Los Angeles, die an Filme à la Stadt ohne Maske / Die nackte Stadt (USA 1948) denken lassen, über den von Harper angesprochenen TV-Standard nicht hinauskommt. Die Figur des Mädchen Carmelita (Connie Vera), das sich in der Nähe von Carl Martins Haus herumtreibt und deren Puppe er ihren Kopf neu montieren muss, ist eine schöne Idee, zumal sie im Finale eine Schlüsselrolle spielt, doch sie rettet den Film nicht. Fast auf den Tag zur gleichen Zeit (Mai 1952) hatte auch Ed Dmytryks The Sniper (USA 1952) Prämiere; die Parallelen zwischen den Werken sind auffallend. Aber Arthur Franz’ zutiefst verstörter und von Schuld zerfressener Eddie Miller ist ein waschechter Film-Noir-Charakter und seine Darstellung in einem auch sonst überlegenen Film mehr als nur kompetent. Achtung… Blondinen-Gangster wird der Blödigkeit seines deutschen Kinotitels letztlich gerecht und ist in seiner grundbiederen Art selbst für den B-Film-Fan keine Bereicherung.
 
Die DVD-Ausgabe (2005) von Dark Sky Films (USA) als Without Warning zeichnet sich durch eine überraschend hochwertige Bild- und Tonqualität aus und zeigt den Film im Originalformat, ungekürzt mit englischem Ton ohne Untertitel und ohne Extras. In Deutschland ist sie leider nicht erhältlich.
 

 

Film Noir | 1952 | USA | Arnold Laven | Joseph F. Biroc | Edward Binns | John Maxwell | Robert Shayne

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