Embezzler, The

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Bewertung
***
Originaltitel
The Embezzler
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1954
Darsteller

Charles Victor, Zena Marshall, Cyril Chamberlain, Avice Landone, Peggy Mount

Regie
John Gilling
Farbe
s/w
Laufzeit
61 min
Bildformat
Vollbild

 


 

The Embezzler-Poster-web1.jpg The Embezzler-Poster-web2.jpg The Embezzler-Poster-web4.jpg

© Strawberry Media

London, England: Der ältliche Chefkassierer der Western Bank Limited, Henry Paulson (Charles  Victor), lebt zusammen mit einem Drachen von Ehefrau (Phyllis Morris), die ihn pausenlos kritisiert und zurechtweist. Auf dem Weg zur Arbeit bleibt er mitunter am Schaufenster eines Reisebüros stehen und denkt sehnsuchtsvoll an all die Orte auf der Welt, die er zu gern einmal hatte besuchen wollen. Als er heute Morgen zur Arbeit kommt, begrüßt ihn der Filialleiter (Alastair Hunter) mit der Nachricht, dass Paulsons Bewerbung auf einen Posten als Manager stattgegeben wurde. Der Kassierer ist über die unerwartete Botschaft mehr verwirrt als erfreut und verzichtet darauf, seiner Frau sofort Bescheid zu geben. Zusammen mit einem Schalterangestellten (Dennis Chinnery) stürzt er sich lieber in die Morgenroutine, öffnet den Safe und will im Beisein des Assistenten die Bestände an Bargeld zählen. Indessen ihm der junge Kollegen davon berichtet, dass seine Bewerbung bei Scotland Yard erfolgreich gewesen sei, erleidet Paulson beim Schließen der Safetür einen Schwächenanfall und greift sich ans Herz. Der Kollege ist besorgt, aber Henry Paulson beschwichtigt ihn. Als er jedoch einen Kardiologen (Ian Fleming) konsultiert, zeigt ihm der anhand einer Röntgenaufnahme, dass seine Herzkammern geweitet seien und die daraus resultierende Herzinsuffizienz für Henry Paulson wohl tödlich enden werde. Der Arzt gibt ihm knapp 2 Jahre, verschreibt ihm eine Medizin und rät von Reisen und anderen Aufregungen ab…

 

”Take a look around in this place… We are half dead. But Paulson, ha! He’ll be sunning himself in the south of France midday tomorrow.” Als der Bankangestellte Henry Paulson an einem Freitagabend den Inhalt des Safes jener Bank, der er über 30 Jahre lang treu diente, in seinem Reisekoffer verstaut, war etwas in der Art tatsächlich sein Plan. Aber bei seinem ersten folgenschweren Schritt vom Weg ab kehrt ausgerechnet der Filialleiter überraschend nochmals in sein Büro zurück und ertappt den Dieb auf frischer Tat. Als Paulson an der Victoria Station eintrifft, ist die Polizei bereits informiert und vor Ort, und so nimmt er den erstbesten Zug, der ihn ins Seebad Eastbourne an der englischen Südküste bringt. Er mietet sich in dem von Mrs. Larkin (Peggy Mount) geführten Eastcote Hotel ein und trifft dort auf eine Schar mehr oder minder illustrer Gäste, die bereits aus der Presse von dem Bankraub in London erfuhren und mit dem unter dem Namen Lawton reisenden Paulson darüber ins Gespräch kommen. Aber so wie Henry Paulson in jenem Hotel, wo er nach 17 Minuten im Film ankommt, wie in einer Sackgasse endet, strandet der Film in einem dialoglastigen Mittelteil, der bei lediglich 61 Minuten Spielzeit deutlich mehr Dynamik und Esprit verlangte. Das ist ganz eindeutig der Film des damals 58-jährigen Charles Victors. Zena Marshall tritt überhaupt in der 20. Minute erstmals in Erscheinung, und Victor zeigt sich als versierter Charakterdarsteller, der seinem Henry Paulson auch subtile Nuancen abgewinnt. Aber die Art und Weise, wie die Hotelbewohner und andere Einwohner der Stadt den Flüchtigen ständig umlagern und in ein Gespräch verwickeln, indessen jener vor Nervosität kaum noch laufen kann, wirkt übertrieben und künstlich.

 

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In seinem ersten Jahrzehnt als Autor und Regisseur fokussierte sich der Engländer John Gilling vornehmlich auf Kriminaldramen, durchweg B-Produktionen kleinerer Filmstudios, von denen viele dem Brit Noir zugerechnet werden dürfen. Indessen ihm einige davon wie In den Fängen der Unterwelt (UK 1953) missglückten, gab es solche wie The Voice Of Merrill (UK 1952), die trotz ihres bescheidenen Budgets überzeugten. Die meisten waren lediglich mittelmäßig und blieben, so wie dies auch für The Embezzler gilt, trotz eines gut gewählten und motiviert aufspielenden Ensembles unterhalb ihrer Möglichkeiten. Indessen Charles Victor und Zena Marshall in den Besetzungslisten von Filmproduktionen schnell wieder abrutschten, wurde Michael Craig (Schmutziges Geld, UK 1961) bis in die Mitte der 60er Jahre zu einem gern gesehenen Hauptdarsteller im englischen Kinofilm. In Akira Kurosawas berühmten Drama Ikiru: Einmal wirklich leben (JPN 1954) erfährt ein leitender Büroangestellte Kanji Watanebe (Takashi Shimura), dass er krebskrank sei und ihm nurmehr wenig Zeit bleibe. Auch er fasst einen folgenschweren Entschluss, und es sollte mich nicht wundern, wenn sich John Gilling für seinen 2 Jahre später folgenden Film von diesem japanischen Klassiker hatte beeinflussen lassen. Unter dem Titel Flucht nach Eastbourne lief er im Jahr 1964 sogar einmalig im bundesdeutschen Fernsehen.

 

Es gibt via Strawberry Media eine englische DVD-Edition (2017) in deren Reihe The British Film Noir Collection mit dem Film ungekürzt im Originalfort, das Ganze bild- und tontechnisch allemal solide und inklusive des englischen Originaltons, aber ohne Untertitel und ohne Extras.

 


Film Noir | 1954 | UK | John Gilling | Charles Victor | Michael Craig | Sam Kydd | Zena Marshall

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