Zirkus Barney

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Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
****
Originaltitel
Dual Alibi
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1947
Darsteller

Herbert Lom, Phyllis Dixey, Terence de Marney, Ronald Frankau, Abraham Sofaer

Regie
Alfred Travers
Farbe
s/w
Laufzeit
82 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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Blackpool, England, an einem Herbstabend: Im strömenden Regen tritt der Zirkusinhaber Vince Barney (Ronald Frankau) aus seinem Wagen und begutachtet die Schar der Tagelöhner, welche mit Werbetafeln in den Straßen der Stadt die Vorstellung ausrufen sollen. Allerdings ist er von den gegerbten Gesichtern so betroffen, dass er anordnet, die Leute alle als Clowns zu schminken. Indessen die Männer in der Garderobe vor Spiegeln hocken, wird Barney stutzig, da er in einem von ihnen (Herbert Lom) ein bekanntes Gesicht zu erkennen glaubt. Er spricht den Fremden an, der apathisch und heruntergekommen wirkt, und schließlich erkennt er in ihm einen der Zwillinge des legendären Trapezduos de Lisle, Jules und Georges mit Vornamen. Einst arbeiteten sie für ihn in Blackpool und waren die Stars der Manege. Schon damals konnte Vince Barney sie nicht auseinanderhalten, und so quittiert der heute Anwesende die Frage nach seinem Namen erneut mit einem Grinsen, während Barney sich erinnert… In Paris besuchte er vor Jahren selbst ihre Vorstellung in einem Zirkus und traf die Zwillinge danach in ihrer Garderobe. Er verabredete sich mit ihnen im Café Du Monde. Kaum hatte er dort an einem Tisch auf der Terrasse Platz genommen, näherte sich ihm mit seinem Bauchladen der Tabakverkäufer Ali (Harold Berens). Der Engländer erwarb zwei Zigarren und wurde von Ali gefragt, ob er nicht auch ein Los der Loterie Nationale kaufen und 1 Millionen Francs gewinnen wolle, indessen sich Jules und Georges de Lisle zu Barney setzten…

 

“Dual Alibi has a plot outrageous enough that aficionados of American B-noir would be raising their eyebrows”, schreibt Don Malcolm für Film Noir of the Week und weist damit implizit darauf hin, dass solche Freunde des Film Noirs das Werk zumeist gar nicht kennen. Tatsächlich zählt Zirkus Barney, der 1949 auch in Deutschland und in Österreich im Kino zu sehen war, trotz seines populären Hauptdarstellers Herbert Lom heute zu den fast vergessenen Beispielen des britischen Film Noirs seiner Zeit. Das ist erstaunlich, denn in den letzten 20 Jahren sind dank der Bemühungen englischer Filmverlage viele obskure B-Produktionen des Filmstils in exzellent restaurierten Fassungen auf DVD und teils sogar auf BD wiedervervöffentlicht worden. Filme von deutlich minderer Qualität sind seit langem greifbar, während Zirkus Barney in den einschlägigen Online-Portalen nur in schlechter Bild- und Tonqualität zur Verfügung steht. Der in Tschechien gebpürtige Schauspieler Herbert Lom steht hier noch am Beginn seiner fast 50-jährigen Karriere im anglo-amerikanischen Film, und er liefert als Trapezduo Georges und Jules de Lisle eine schlicht fantastische Leistung ab. Im Kontext mit einer stringenten Dramaturgie, knackigen Dialogen und auch sonst vital aufspielenden Akteuren wie Ronald Frankau und Phyllis Dixey, Sängerin und Stripteasetänzerin in ihrem zweiten und letzten Filmauftritt, hält der Film seine Zuschauer noch heute von der ersten bis zur letzten Minute bei der Stange. Dass er mit knappem Budget als B-Produktion ins Rennen ging, fällt überhaupt nicht auf. So wie in den USA Anthony Mann oder Edgar G. Ulmer holt Alfred Travers aus seinen Drehorten, der Kameraarbeit, dem Filmschnitt und aus seinen Darstellern das Maximum heraus. Aber vor allem beweist das auf einer Kurzgeschichte von Renalt Capes beruhende Drehbuch, dass es jene Geschichte um die betrogenen Zwillinge Jules und Georges de Lisle auf den Punkt genau in den Abgrund des Film Noirs zu manövrieren weiß.

 

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“I will give you 1 million francs for twenty.” - “Oh yes? I heard that phoney before. What’s the record?” Indessen sich der Tourist Vince Barney im Café Du Monde von Ali zum Kauf eines Lotterieloses bewegen lässt, lehnen die Zwillinge anfangs ab. Um ihrem neuen Arbeitgeber einen Gefallen zu tun, kaufen auch sie beiläufig ein solches Los und… gewinnen die Million Francs, die der niederträchtige Mike Bergen (Terence de Marney), Werbefachmann des Zirkus‘ Barney, für sich einstreicht, nachdem er seine Freundin Penny (Phyllis Dixey) als Lockvogel missbrauchte. So ist Zirkus Barney letzten Endes ein Rachethriller, konsequent geschrieben und mit Bedacht inszeniert, obgleich die Liaison zwischen Penny und Jules nicht ganz überzeugt. Parallelen zu Edmund Gouldings Der Scharlatan (USA 1947), der ebenfalls im Milieu der Schausteller und Artisten angesiedelt ist, sowie der Hinweis auf den im Zirkus spielenden The Dark Tower (UK 1943) von John Harlow und mit Herbert Lom sind durchaus angebracht. Alles in allem findet sich für den Connaisseur internationaler Filmklassik mit Zirkus Barney ein Klassiker des Brit Noirs, der dringend restauriert und wiederveröffentlicht werden sollte.

 

Bis dato gibt es weltweit noch keine BD oder DVD dieses Films, der in mehreren Online-Foren als digitale Kopie von mäßiger Qualität zu finden ist, im Originalformat mit dem englischen Originalton ohne Untertitel.

 


 

Film Noir | 1947 | UK | Alfred Travers | Herbert Lom | Terence de Marney

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