Liebesgrüße aus Pistolen

 

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Bewertung
***
Originaltitel
Shaft’s Big Score!
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1972
Darsteller

Richard Roundtree, Moses Gunn, Joseph Mascolo, Kathy Imrie, Wally Taylor

Regie
Gordon Parks
Farbe
Farbe
Laufzeit
104 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.

 

New York um 2:00 Uhr in einer Winternacht: Im Büro der Versicherungs- und Bestattungsunternehmer Asby & Kelly entnimmt der Seniorpartner Cal Asby (Robert Kya-Hill) dem Tresor die Summe von 250.000 US-Dollar und steckt die gebündelten Scheine in eine Papiertüte. Damit geht er in den Ausstellungsraum, wo luxuriöse Särge auf Kunden und Insassen warten, und will das Geld am Kopfende eines Sarges unterhalb eines Kissens verbergen, als er von Jesse, der Reinigungskraft, gestört wird. Cal Asby schickt Jesse zu seiner Arbeit zurück und verstaut die Banknote wie vorgesehen. Dann kehrt er ins dunkle Büro zurück und sieht aus dem Fenster, wo zwei Männer regungslos in ihrem Auto warten – Asby greift zum Telefon. Kurz darauf klingelt es im Apartment des Privatdetektivs John Shaft (Richard Roundtree), der just mit Cals hübscher Schwester Arna Asby (Rosalind Miles) im Bett liegt und das Telefonat nur widerwillig entgegennimmt. Cal ist ein alter Freund Shafts, der nun letzterem offenbart, dass er in Schwierigkeiten stecke und sogar seiner Schwester Arna Gefahr drohe. Shaft verspricht sich auf der Stelle mit ihm zu treffen und macht sich auf den Weg zum Ladenlokal von Asby & Kelly. Doch genau in dem Augenblick, als John Shaft seinen Wagen vor dem Gebäude parkt, schaltet Cal Asby die Lampe auf dem Schreibtisch an und das Büro von Asby & Kelly wird durch eine gewaltige Explosion zerstört...

 

“We go to a lot of funerals, Shaft, Willy and me. One day, we'll drop in on yours.“ Nach dem überraschenden Erfolg des Shaft (1971) betitelten Erstlings um den afroamerikanischen Privatdetektiv gleichen Namens, stellte MGM seinem Regisseur Gordon Parks für die Fortsetzung ein größeres Budget zur Verfügung. Die Produktion plante erneut mit Richard Roundtree, Moses Gunn und Drew Bundini Brown in ihren Rollen aus dem Vorgänger, mit Urs Furrer als Kameramann und Ernest Tidyman als Autor des Drehbuchs nach seinem zweiten Roman Shaft beim Kongress der Totengräber (EA 1972, auf Deutsch ungekürzt 2004) und mit Gordon Parks als Regisseur, sowie mit Roger H. Lewis als Produzenten und mit immerhin noch einem Musikstück von Isaac Hayes, welcher mit der Titelmelodie zu Shaft im Vorjahr einen Welthit gelandet hatte. Doch Hayes und MGM wurden sich diesmal nicht handelseinig; also komponierte Parks die Musik für den zweiten John-Shaft-Film selbst. Weit über die Hälfte seiner Spielzeit folgt Liebesgrüße aus Pistolen, wie der idiotische deutsche Verleihtitel lautet, dann auch dem Muster des Vorläufers. John Shaft ist so cool wie irgend vorstellbar, schnell mit der Faust und mit jeglicher Waffe, sogar noch schneller mit den Frauen, die ihm beim ersten Anblick allesamt verfallen. Aber trotz der teils unsäglichen Klischees zeigt sich John Shaft auch empathisch und loyal. Richard Roundtree verleiht seinem Rollencharakter Kontur und Persönlichkeit, obgleich Liebegrüße aus Pistolen die politischen Kontexte des von Rassenspannungen geprägten Großstadtlebens aus Shaft weitgehend ausklammert. Immerhin bebildert Parks die Lebensumstände vieler Afroamerikaner in den USA erneut mit einem unverstellten Blick für die Nöte und die Hoffnungslosigkeit derer am unteren Ende der Nahrungskette an Originaldrehorten in der Metropole New York.  

 

“That ending is (…) a pretty good chase, inventive and superficially exciting, but it isn't good enough to make up for all the things that could have been happening instead”, schrieb 1972 bereits Roger Greenspun für die New York Times und fasste zusammen, was bis heute Gültigkeit hat. Indessen drei Viertel des Films im Fahrwasser des Neo Noirs angesiedelt sind, lässt sich Gordon Parks in der Schlusssequenz zu einem Finale verführen, das den damaligen Status quo des Actionkinos huldigt, somit dem Zeitgeist hinterher läuft und die Originalität eines Films über einen schwarzen Privatdetektiv ins Allerweltkino für jedermann transferiert. Je mehr Geballer und Explosionen uns der Showdown serviert, desto schwächer wird der Film als ein Kinoerleben und ich wundere mich, dass letztlich Ernest Tidyman, der ja schon für den ersten Shaft die Romanvorlage Shaft und das Drogenkartell (EA 1970, auf Deutsch ungekürzt 2004) und das Drehbuch verfasst hatte, für diese Entwicklung selbst verantwortlich zeichnet. Für den 1973 folgenden Shaft in Africa (USA 1973) war außer Richard Roundtree in der Titelrolle niemand aus der Crew und aus der Besetzung der ersten, in New York angesiedelten Filme mehr dabei - der Film markierte das Ende der Spielfilmreihe. Die TV-Serie Shaft (USA 1973/1974) brachte Richard Roundtree als John Shaft für 7 weitere, jeweils 73-minütige Fernsehfilme wieder auf die Straßen New Yorks und das erneut auch mit Eddie Barth aus dem ersten Shaft als Police Lieutenant Al Rossi. Die Drehbücher folgten den just neu erschienenen Shaft-Romanen aus der Feder Ernest Tidymans.

 

Eine deutsche DVD-Edition (2001) von Warner Bros. mit dem Titel Shaft – Liebesgrüße aus Pistolen bringt den Film ungekürzt, aber nicht im Originalformat. Stattdessen erhält man nur die auf das frühere Fernsehformat 4:3 zurecht gestutzte Vollbild-Version, bei der rechts und links Bildteile fehlen. Dafür gibt es neben der original englischen Tonspur (die bei diesem Film einzig mögliche ) und der (knallblöden) deutschen Synchronisation noch Untertitel auf Englisch, Deutsch, Niederländisch, Schwedisch, Norwegisch, Dänisch, Finnisch, Portugiesisch, Polnisch, Griechisch, Tschechisch, Türkisch, Ungarisch, Isländisch, Kroatisch, Französisch und Italienisch. Die US-DVD (2000) Shaft’s Big Score! von Warner Home Video ist beidseitig bespielt und enthält auch die ungekürzte Fassung im korrekten Widescreen-Format. Zur originalen Tonspur auf Englisch gibt es optional englische und französische Untertitel sowie die Kinotrailer zu den drei Spielfilmen um Privatdetektiv John Shaft, zudem eine Kurzbiografie des Regisseurs Gordon Parks in Bildtafeln.

 


Neo Noir | 1972 | USA | Gordon Parks | Joe Santos | Julius Harris | Richard Roundtree

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