Johnny O’Clock

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Bewertung
***
Originaltitel
Johnny O’Clock
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1947
Darsteller

Dick Powell, Evelyn Keyes, Lee J. Cobb, Ellen Drew, Nina Foch

Regie
Robert Rossen
Farbe
s/w
Laufzeit
96 min
Bildformat
Vollbild
 

 

Johnny O-Clock-Poster-web1.jpg Johnny O-Clock-Poster-web2.jpg Johnny O-Clock-Poster-web4.jpg
© Columbia Pictures Corporation
 
Vor der Tür eines Hotels kauft Police Inspector Koch (Lee J. Cobb) die Abendausgabe einer Tageszeitung und betritt damit die Lobby. Er fragt den Hotelportier (Phil Brown) nach einem Gast namens Johnny O’Clock (Dick Powell) und nennt noch weitere Namen, die jener gern benutzt, nachdem er eine abschlägige Antwort erhalten hat. Als Koch seine Polizeimarke vorweist, bekommt er die gewünschte Auskunft mit dem Hinweis, dass O’Clock niemals vor 9 Uhr am Abend aufstehe. Koch weiß das und lässt sich mit seiner Zeitung in einem Sessel nieder… Inzwischen wird Johnny O’Clock, der Juniorpartner eines noblen Spielcasinos, im Zimmer 1514 von seinem Assistenten Charlie (John Kellog) geweckt. Einmal habe Nelle (Ellen Drew) schon angerufen, erklärt Charlie, nachdem sie ein Päckchen für Johnny abgegeben hatte, das jener nun öffnet. Es enthält eine Taschenuhr, auf deren Rückseite eingraviert steht: „To My Darling with Unending Love“. Johnny O’Clock ist nicht entzückt davon und auch nicht begeistert, als er an der Rezeption auf Harriet (Nina Foch) trifft, die soeben versucht, ihn im Zimmer zu erreichen. Er nimmt vom Portier seine Post entgegen, und als er sieht, dass jemand Harriet geschlagen hat, fragt er sie, ob es Chuck Blayden (Jim Bannon) gewesen sei. Da tritt Inspector Koch auf ihn zu, der ihn wegen Chuck Blaydens zu sprechen wünsche, denn jener Polizist ist ein Geschäftspartner von O’Clock und hat in der vergangenen Nacht einen professionellen Spieler bei dessen Verhaftung erschossen. Aber O’Clock weiß, dass ihm Koch nichts anhaben kann, zeigt ihm die kalte Schulter und zieht mit Harriet seiner Wege…
 
“Koch is my name.” - “How do you spell it? C – O – P?” Als Autor und Regisseur hat sich Robert Rossen für alle Zeiten einen Namen gemacht. Großartige Filme wie They Won’t Forget (USA 1937), Jagd nach Millionen (USA 1947), Force Of Evil (USA 1948) und natürlich Haie der Großstadt (USA 1961) tragen seinen Stempel. Johnny O’Clock war für den Drehbuchautor nach 10 Jahren in Hollywood die Chance, endlich auch Regie zu führen. Aber die erste Arbeit als Autor und Regisseur in Personalunion leidet an einer Menge Kinderkrankheiten. Trotz einer bemerkenswerten Besetzung, die Damen und Herren aus der ersten und zweiten Riege von Film-Noir-Darstellerinnen zusammen bringt, überzeugt das im Ganzen überfrachtete und zähe Großstadtdrama leider nicht. Vor allem Dick Powells dem Film seinen Titel gebender Johnny O’Clock ist mehr eine Comicfigur als ein wirklicher Charakter. Dick Powell hatte in Edward Dmytryks Murder, My Sweet (USA 1944) den ersten und besten Philip Marlowe der Filmgeschichte abgeliefert. Seitdem schien er dem Sam Spade (Privatdetektiv in Dashiell Hammetts Die Spur des Falken / Der Malteser Falke) in der Verkörperung durch Humphrey Bogart hinterher zu laufen und mimte Tough Guys, deren Coolness und Härte die Grenze zur Selbstparodie weit überschritten. So ist es auch hier, was seinen Rollencharakter im Nu völlig uninteressant werden lässt.
 
Johnny O-Clock-lc-web2.jpg Johnny O-Clock-lc-web1.jpg Johnny O-Clock-lc-web3.jpg
© Columbia Pictures Corporation
 
Allein die Szene, da Nancy Hobson (Evelyn Keyes) sich am Tag nach dem Tod ihrer Schwester mit ihm trifft und sich - ohne die mindeste Spur von Trauer! - auf der Stelle in Johnny O’Clock verliebt, ist so klischeehaft, dass sie bloß dämlich wirkt. Im vorhergehenden Dialog eröffnet Nancy Hobson Inspector Koch, dass sie und ihre Schwester sich 1 Jahr nicht gesehen hätten, aber einmal pro Woche schrieben, dennoch sei sie nicht im Bilde, was die Tote für ihren Lebensunterhalt getan habe. Von Johnny O’Clock wisse sie wiederum, dass er ihr einen Job besorgt habe, etc. pp. Derlei inkonsistente Handlungsdetails sind erstaunlich, insofern Robert Rossen sowohl zuvor als auch später bedeutend bessere Drehbücher vorzuweisen hatte. Neben dem lächerlich selbstzufriedenen Dick Powell ist es die Summe der Unstimmigkeiten, die den in Nebenrollen mit Thomas Gomez, John Kellog, und Lee J. Cobb gut besetzten Film zu Fall bringt. Rossens Skript basierte auf einer Erzählung Milton Holmes’, der 1946 für sein Drehbuch zu Gauner und Gangster (USA 1945) eine Oscar-Nominierung einheimste und dessen verfilmte Erzählung Der Mann, der zu Weihnachten kam (USA 1949) - auch hier spielte Evelyn Keyes die weibliche Hauptrolle - ein schrecklicher  Hybrid aus Film Noir und Komödie wurde. Im Ganzen ist Johnny O’Clock, der in Deutschland nie im Kino oder im Fernsehen lief, ein bestenfalls passabler, zu keiner Zeit herausragender Film Noir light der klassischen Ära. Muss man definitiv nicht gesehen haben.
 
Johnny O’Clock erschien bildtechnisch topp restauriert in der 5DVD-Box Columbia Film Noir Classics Volume IV (2013) mit der Originalspielzeit von 96 Minuten, englischem Originalton und mit ein paar kleineren Extras. Eine vor Jahren in Spanien erschienene europäische DVD-Ausgabe mit ebenfalls englischer Tonspur ist inzwischen vergriffen.
 

Film Noir | 1947 | USA | Robert Rossen | Robert Rossen | Burnett Guffey | Dick Powell | Jeff Chandler | John Kellogg | Lee J. Cobb | Thomas Gomez | Evelyn Keyes | Nina Foch | Robin Raymond

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