Frau am Abgrund

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Bewertung
***
Originaltitel
Whirlpool
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1949
Darsteller

Gene Tierney, Richard Conte, José Ferrer, Charles Bickford, Barbara O’Neil

Regie
Otto Preminger
Farbe
s/w
Laufzeit
98 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Twentieth Century Fox Film Corporation
 
Los Angeles, Kalifornien: Ann Sutton (Gene Tierney), attraktive Frau des Psychoanalytikers Dr. William Sutton (Richard Conte) wird im renommierten Wilshire Store beim Ladendiebstahl erwischt. Eine 300 US-Dollar teure Brosche landet in ihrer Handtasche und Kaufhausdetektiv Hogan (Ian Macdonald) führt die Frau aus ihrem Auto ins Büro des Geschäftsführers Mr. Simms (Larry Keating). Eher zufällig nimmt der anwesende Hypnotiseur und Heiler David Korvo (José Ferrer) von der peinlichen Situation Notiz und sorgt mit einem resoluten Einschreiten dafür, dass Mrs. Sutton, die in dem Kaufhaus ein sauber geführtes Konto besitzt, aus der misslichen Lage befreit wird. Zuhause angekommen, ist die Frau völlig außer sich, befiehlt der Haushälterin (Myrtle Anderson) ihren Mann herbei zu rufen, der just im Haus praktiziert, flüchtet dann aufgebracht in ihre Zimmer und spielt Bill bei dessen Erscheinen die entspannte Gattin vor. Kurz darauf besteht Korvo, der sie anruft, auf einer Verabredung zum Mittagessen, obwohl Ann bereits eine andere Zusage gegeben hat. Sie fürchtet, dass er sie erpressen wolle, da schließlich ihr Mann nicht einmal ahnt, dass sie seit Jahr und Tag kleptomanisch veranlagt ist. David Korvo weiß, dass ein solcher Vorfall das Renommee William Suttons beschädigen könnte, und so schreibt ihm Ann sofort einen Scheck über 5000 US-Dollar aus. Doch Korvo macht ihr klar, dass ihm an Geld gar nichts liegt und dass er viel mehr Interesse daran habe, sie eigenhändig von ihrer Krankheit zu heilen…
 
Frau am Abgrund war der Titel, unter dem dieser Film Otto Premingers 1955 in Österreich ins Kino kam, derweil er in Deutschland gar nicht gezeigt wurde. Trotz seiner hochklassigen Besetzung und des namhaften Regisseurs ist das nicht zu bedauern. Das Melodram mit deutlichen Bezügen zum Film Noir, vor allem in der zweiten Hälfte und auch im Finale, dürfte Premingers schwächster Film aus seiner Frühphase sein. Grund ist ein nach den ersten zwanzig Minuten zunehmend fades Skript, dessen Implikationen der nach dem Weltkrieg in Mode geratenen Psychoanalyse Sigmund Freuds in Kombination mit dem Wirken eines Hypnotiseurs am Rande der Scharlatanerie teils lächerlich sind. Weder überzeugt Richard Conte als angesehener Psychoanalytiker noch Gene Tierney als seine kleptomanische Frau nach acht Jahren Eheleben. Die beiden zeigen kaum eine Chemie miteinander. Gene Tierney, hübsch wie eh und je, ist auch sonst überraschend mittelmäßig; sie kann an ihre Laura (USA 1944) nicht anschließen. Das liegt zum Teil an den Rollencharakteren der beiden, die wenig zu bieten haben. Ann Suttons übersteigerte Furcht, ihr Mann möge sie nach Entdeckung ihrer Kleptomanie verlassen, weil er als erfahrener Psychoanalytiker ihre Sucht nach Diebstahl für moralisch verwerflich hielte, ist schlicht albern. An dieser Frau, die ein interessanter Charakter hätte werden können, überzeugt gar nichts. Aber auch Dr. William Sutton lässt in seinen Äußerungen zum eigenen Wirken jedwede Klasse vermissen. Es sind Magazinweisheiten, durchweg Halbgares, was hier vorgebracht wird, ziemlich banal.
 
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© Twentieth Century Fox Film Corporation
 
Dies fällt besonders auf, weil sowohl Charles Bickford als Lt. James Kolton als auch José Ferrer als der durchtriebene David Korvo richtig auftrumpfen und ihren Gestalten weit mehr Leben einzuhauchen verstehen. Solches Ungleichgewicht steht der Dynamik des Films im Weg, denn während man zum Beispiel Colton den Verlust seiner Frau als leidvolle Erfahrung mit kaum einem Zucken der Mundwinkel und einem Augenaufschlag abnimmt, kann das Geschwätz der Suttons nicht ansatzweise die Illusion einer Ehe herbeizaubern. Der Film plätschert vor sich hin, José Ferrer wird als ungemein cleverer Bursche aufgebaut und patzt im Finale ebenso unbegreiflich wie Vincent Price als Andrew Colby in The Web (1947). Der Zuschauer fühlt sich veräppelt, die Spannung hält sich trotz Doppelbödigkeiten und pointierter Dialoge in Grenzen und das Ende entlockt einem bestenfalls ein herzhaftes Gähnen. Wie in manchen Produktionen der folgenden Fünfziger wird vor lauter Rücksicht auf Zensurbehörde und Publikum eine Menge Talent im Mittelmaß der Produktion versenkt, so etwa Arthur C. Millers Kameraarbeit, der in den nächtlichen Szenen viel Film Noir auf die Leinwand zaubert. 1950 sollte Gene Tierney sowohl in Dassins Die Ratte von Soho (UK 1950) als auch in Premingers Faustrecht der Großstadt (USA 1950) noch zwei Male die weibliche Hauptrolle bekleiden – die in zwei Fällen eine Nebenrolle wurde. Bereits mit 30 Jahren begann ihr Stern zu sinken. Zuletzt mit Bunny Lake ist verschwunden (UK 1965) kehrte Otto Preminger noch mehrmals zum Film-Noir-Thriller zurück; auch Richard Conte blieb ihm bis Ende der Fünfziger treu.
 
Erstklassige DVD des British Film Institutes (BFI), die der von Twentieh Century Fox Home Entertainment aus den USA in der Reihe Fox Film Noir (2005) nur geringfügig nachsteht. Bildtechnisch topp restauriert, original englischer Ton mit optional englischen Untertiteln, ungekürzt und im Originalformat, zwei schriftlich beinhaltete Biografien von Regisseur Otto Preminger und Drehbuchautor Ben Hecht als Extras.
 

Film Noir | 1949 | USA | Otto Preminger | Arthur C. Miller | Charles Bickford | Fortunio Bonanova | Mauritz Hugo | Richard Conte | Gene Tierney | Sally Forrest

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