Web, The

banner_noir_film_festival-2018.jpg


Psychologische Verteidigung


Concorde Home Entertainment


Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


Brighton Rock


Hier klicken zur Blu-ray


banner_der_film_noir_3.jpg


Bewertung
****
Originaltitel
The Web
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1947
Darsteller

Edmond O’Brien, Ella Raines, Vincent Price, William Bendix, Maria Palmer

Regie
Michael Gordon
Farbe
s/w
Laufzeit
87 min
Bildformat
Vollbild
 

 

Bild Bild Bild
© Universal-International Pictures Inc.
 
Grand Central Station, New York: Nach fünf Jahren im Gefängnis ist Leopold Kroner (Fritz Leiber) wieder auf freiem Fuß und wird in der Bahnhofshalle von seiner Tochter Martha (Maria Palmer) in Empfang genommen. Er wundert sich allerdings, warum nicht auch Andrew Colby (Vincent Price) gekommen ist. Indessen wird er von dessen rechter Hand Charles Murdock (John Abbott) beschattet… Der Anwalt Robert Regan (Edmond O’Brien) sucht den Firmensitz von Colby Enterprises auf, um für den Obsthändler Emilio Canepa (Tito Vuolo), der von Andrew Colby durch dessen wilden Fahrstil geschädigt wurde, die Summe von 68 Dollar und 72 Cents einzutreiben. Da ihm hier niemand eine Auskunft geben will und Colby auf seine Briefe nicht reagierte, stürmt Regan an Chefsekretärin Noel Faraday (Ella Raines) vorbei in den Besprechungsraum, wo Colby soeben mit einigen Geschäftspartnern tagt. Der Unternehmer zeigt sich von der Art des Anwalts beeindruckt und lässt ihn für den Abend zu sich nach Haus bitten. In dem prachtvollen New Yorker Apartmenthaus trifft Regan auch die hübsche Noel Faraday wieder, die für Colby mehr als eine Sekretärin zu sein scheint und sogar bei ihm wohnt. Andrew Colby erläutert dem Anwalt, dass er für eine besondere Aufgabe seine Dienste benötige. Ein Mann namens Kroner sei aus der Haft entlassen worden und er, Colby, habe Grund, sich von ihm bedroht zu fühlen. Regan erwidert, dass er kein Leibwächter sei, doch das Angebot von 5000 US-Dollar lässt ihn einwilligen…
 
Vier exzellente Schauspieler, die im Jahr 1947 alle kurz davor waren, Stars zu werden, und die bis auf Vincent Price, der ab den Spätfünfzigern in zahllosen Horrorproduktionen zur B-Film-Kultfigur wurde, über diesen Beinahe-Status nie so richtig hinauskamen. Neben Price, der hier einen großartigen Bösewicht gibt, ist es einmal mehr William Bendix, der als Schauspieler höchster Klasse jede seiner Szenen beherrscht. Aber auch Edmond O’Brien und Ella Raines sind ein Genuss, obgleich gerade der Rollencharakter Noel Faraday reichlich dünn gestrickt ist. Die im Grunde simple und für einen Film-Noir-Plot dennoch keinesfalls üble Geschichte des Drehbuchs weist leider an zwei, drei entscheidenden Stelle deutliche Schwächen auf. Neben der zu blassen Noel ist es vor allem der schwache Schluss, der einem zuvor ungemein cleveren Andrew Colby in der Verkörperung durch Price in keiner Weise gerecht wird. So werden zwei Chancen vergeben, die den Film Noir The Web bei konsequenter Umsetzung im Drehbuch vielleicht sogar zu einem Klassiker hätten werden lassen können, denn vieles ist sonst überaus gelungen umgesetzt, so etwa der untergründige Akzent auf dem Materialismus aller bis auf Lt. Damico (William Bendix) an dem Drama Beteiligten.
 
Bild Bild Bild
Im vielleicht wichtigsten Jahr der Entwicklung des Film Noirs, 1947 nämlich, fehlt es in The Web nicht an zahllosen inhaltlichen und stilistischen Referenzen: Eine Missetat in der Vergangenheit, eine undurchschaubare, materialistische Femme fatale, verdeckte Machenschaften, die den Protagonisten am laufenden Meter in Fallstricke verwickeln - eingefangen in Low-key-Beleuchtung und aus den Raum verzerrenden Kamerawinkeln. Vor allem aber nutzt Regisseur Michael Gordon (Woman in Hiding, 1951), der wie sein Kameramann Irving Glassberg (Betrug, 1948) nie einen besonderen Ruf erwarb und hier eine rasante Arbeit vorweist, die Stadt New York als Schauplatz der Irrungen und Wirrungen. Die vielen Außenaufnahmen, angefangen bei der Grand Central Station in der Eröffnungssequenz über zahllose Straßenszenen bis zu Blicken über Manhattan, sind im Jahr vor Jules Dassins Stadt ohne Maske / Die nackte Stadt (USA 1948) überaus bemerkenswert. Als Thriller legt The Web ein gehöriges Tempo vor, die Ereignisse greifen konsequent ineinander und alle Figuren bekommen am laufenden Meter Film-Noir-Zeilen in den Mund gelegt, dass es eine Freude ist. Colby: ”A very rare thing to find these days – loyalty!“ Regan: “You can buy it at any dog store in town.” Colby: “Unfortunately that’s about the only place.” In einer Nebenrolle spielt Fritz Leiber, der Vater des später in den USA berühmten Science-Fiction-Autors gleichen Namens. The Web lief in Deutschland nie im Kino und wurde 1986 unter dem Titel Das Netz einmalig im Fernsehen ausgestrahlt.  
 
Leider gibt es The Web weltweit nicht als DVD- oder etwa gar BD-Ausgabe und auch die vor einigen Jahren kursierenden Bootlegs (aus den USA) sind verschwunden. Darauf war der Film in einer überraschend guten Qualität zu sehen, so dass die Quellensuche kein zentrales Problem darstellen sollte. Es wäre jedenfalls wünschenswert, wenn Michael Gordons Film Noir endlich offiziell verfügbar wäre.
 

Film Noir | 1947 | USA | Michael Gordon | Ed Begley | Edmond O'Brien | Fritz Leiber | Howland Chamberlain | Vincent Price | William Bendix | Ella Raines | Robin Raymond | Ruth Roman

Neuen Kommentar schreiben

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.