Geheimaktion Carlotta

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Bewertung
****
Originaltitel
The Bribe
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1949
Darsteller

Robert Taylor, Ava Gardner, Charles Laughton, Vincent Price, John Hodiak

Regie
Robert Z. Leonard
Farbe
s/w
Laufzeit
98 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Warner Bros.
 
Los Trancos auf der Insel Carlotta vor der mittelamerikanischen Westküste: Ein Tropensturm tobt über dem Pazifik und in seinem Zimmer im Hotel Marlin erinnert sich der Undercoveragent Rigby (Robert Taylor) inmitten der kolossalen Schwüle, wie er hierher gelangte. Eine Schmugglerbande, die mit Flugzeugtriebwerken aus Rüstungsbeständen der US-Armee handelt, nutzt die Insel als Umschlagplatz für ihre so dubiosen wie einträglichen Geschäfte. Der ehemalige Pilot Tugwell Hintten (John Hodiak) gilt als Hauptverdächtiger. Doch bevor er ihn kennen lernte, machte Rigby in seiner Maskerade als Tourist, der zwecks Hochseefischens auf der Insel weilt, die Bekanntschaft seiner Frau Elizabeth (Ava Gardner), einer Nachtclubsängerin in der Bar Pedro’s. Dort trifft man jeden, der Rang und Namen hat – so auch J.J. Bealer (Charles Laughton), einen Kerl mit wunden Füßen, die ihn überall hinführen, wo auch Rigby weilt. Letzterer hat bald nur Augen für Elizabeth, indessen ihn sein Fall zunehmend weniger interessiert. Doch am Tag, als der Amerikaner Carwood (Vincent Price) in Los Trancos erscheint, tritt der schweigsame Bealer auf Rigby zu und bietet ihm 10.000 US-Dollar, wenn er sofort von der Insel verschwände…
 
Regisseur Robert Z. Leonard und sein in Petersburg, Russland, gebürtiger Kameramann Joseph Ruttenberg, beide Jahrgang 1889, hatten jeweils 1913 bzw. 1917 in Hollywood begonnen, im Filmgeschäft zu arbeiten. Als sie über 30 Jahre später den Film Noir Geheimaktion Carlotta, ein Starvehikel für MGM, drehten, waren das zwei alte Hasen, denen man kein X für ein U vormachen konnte. Genau das sieht man dem Film in jeder Minute an – handwerklich stimmt hier einfach alles. Was nicht heißt, dieser Film Noir sei technisch konservativ. Im Gegenteil! Für die Zeit seiner Entstehung überzeugt Geheimaktion Carlotta durch erstaunliche Szenen, von einer herrlich atmosphärischen Gesangseinlage Ava Gardners über eine Unterwasseraufnahme mit Haifisch bis zum Finale im Licht eines spektakulären Feuerwerks. Joseph Ruttenberg inszeniert all das in einer Film-Noir-Manier, die James Wong Howe und John Alton nicht nachsteht. Beständig durchwandern die Protagonisten Licht und Schatten. Nirgendwo herrscht gleichmäßige Helligkeit. Überall, tags und nachts, flimmert, flackert, flunkert es in steter Unruhe. Der Tropensturm des Auftakts findet in den inneren Stürmen der Rollencharaktere seine Entsprechung. Vor allem Rigby und Elizabeth sind von Liebe und Misstrauen zueinander hin- und hergerissen. „I never knew a crooked road could look so straight“, gibt Rigby zum Besten. Ein Satz, der wie die Essenz eines Film-Noir-Skripts anmutet.
 
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© Warner Bros.
 
Nein, dieses Skript ist nichts Besonderes, eine Polizeigeschichte über gestohlene Flugzeugtriebwerke. Aber sich noch weniger für den Fall zu interessieren als Rigby aka Robert Taylor ginge ohnehin schwer. Dass einzige, wofür er Augen hat, ist Elizabeth Hintten aka Ava Gardner. Und genau das ist, was ihn in Schwierigkeiten bringt – erst in ein reales und schließlich noch in ein inneres, moralisches Dilemma. Zum einen verschätzt er sich mit Blick auf seine Widersacher und bleibt zu passiv. Zum anderen gewinnt er kein klares Bild der Frau, die an dem verbrecherischen Treiben sowohl beteiligt als auch unbeteiligt sein könnte. Aus diesen Spannungsverhältnissen zieht die oberflächlich öde Fabel zuletzt ihre Dramatik. Sie wird von einem erstklassigen Ensemble wunderbar umgesetzt. Ava Gardner und Robert Taylor entwickeln eine glaubwürdige Chemie. John Hodiak ist erstklassig als heruntergekommener, versoffener Pilot. Vincent Price zeigt schon hier seine später zum Markenzeichen entwickelte Doppelgesichtigkeit. Der geheime Star des Films ist selbstverständlich Charles Laughton. Er brilliert in jede seiner Szenen, ohne im Geringsten zu übertreiben. Ein Meister seines Fachs! Geheimaktion Carlotta liegt lediglich in den USA als Teil der Warner Brothers Archives Collection vor, ist jedoch weit besser als vieles Andere aus dem Golden Age Hollywoods. Bestimmt kein Meisterwerk, doch für den Film-Noir-Freund eine hoch willkommene Ergänzung des Repertoires. Carl Reiner gründete seine Film-Noir-Hommage Tote tragen keine Karos (USA 1982) zu Teilen auf der Handlung der Geheimaktion Carlotta, die in mehreren Einstellungen auch vorkommt: “Tell me, Rigby, do you fly, walk on all fours...or crawl?“
 
Die DVD-R der Warner Brothers Archive Colection, in Deutschland nicht erhältlich, ist spartanisch, wie für die Reihe üblich: der Film selbst, ungekürzt im Originalformat und ohne Untertitel, ist bildtechnisch einwandfrei. Leider ist der Preis gesalzen. Allemal ist es die bis dato einzige Möglichkeit, diesen seltenen Film zu sehen.
 

Film Noir | 1949 | USA | Robert Z. Leonard | Charles Laughton | John Hodiak | John Hoyt | Robert Taylor | Vincent Price | Ava Gardner

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