Hundstage

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Bewertung
*****
Originaltitel
Dog Day Afternoon
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1975
Darsteller

Al Pacino, John Cazale, Charles Durning, James Broderick, Sully Boyar

Regie
Sidney Lumet
Farbe
Farbe
Laufzeit
119 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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© Warner Bros.
 
Brooklyn, New York City, 1972, am Spätnachmittag eines heißen Sommertages. Drei junge Männer steigen aus einem Auto und betreten kurz vor Geschäftsschluss die in einer Seitenstraße gelegene First Brooklyn Sanvings Bank. Sal (John Cazale) hält den Filialleiter Mulvaney (Sully Boyar) mit einer Maschinenpistole in Schach. Sonny Wortzik (Al Pacino) holt die Angestellten hinter ihren Schreibtischen vor. Sam (Jay Gerber) kriegt es mit der Angst und rennt davon. Zur Überraschung der beiden befinden sich im Banksafe nur 1100 US-Dollar, und als Sonny Dokumente der Bank im Papierkorb verbrennt, bemerkt man auf der Straße den aus der Klimaanlage steigenden Rauch. Zehn Minuten hatten Sonny und Sal für den Überfall eingeplant. Doch als das Telefon klingelt, erklärt Detective Sergeant Eugen Moretti (Charles Durning) den Bankräubern, dass der gesamte Block von 250 Polizisten umstellt ist…
 
Keine Effekte, kein Geballer, kaum Action! Stattdessen hoch verdichtetes Schauspielerkino mit Niveau, dass Jahrzehnte später das heutige Mainstreamfutter Hollywoods zur Puppenstube degradiert. Zwei Stunden dauert der Film, etwa zwölf Stunden nimmt die Handlung in Anspruch. Dennoch hat man streckenweise den Eindruck, Sidney Lumet habe in Realzeit gefilmt. Lange Einstellungen, keine Musik und Mut zur Stille! Erneut wird der Regisseur seinem Ruf gerecht, Schauspieler zu Höchstleistungen anzutreiben. Al Pacino, John Cazale und Charles Durning sind grandios. Noch wichtiger ist das perfekte Casting im Ganzen: dieses Ensemble überzeugt bis in die kleinste Rolle mit all seinen Darstellungen.
 
Sowohl der semidokumentarische Stil – Hundstage beruht auf Tatsachen – als auch die Loser und Außenseiter einer unbürgerlichen Gegenwelt als zentrale Charaktere sind Reminiszenzen ans Film-Noir-Kino à la Stadt ohne Maske / Die nackte Stadt (1948) und Die Rechnung ging nicht auf (1956). Nicht zuletzt die Entfremdung von einer Gesellschaft, darin die Ambivalenzen grenzenlos vieldeutig sind, weist Hundstage als Neo Noir aus. Die Kumpanei der Polizisten, während sie darauf aus sind, die Geiseln in der Bank zu befreien, ist in ihrer unkommentierten Darstellung überwältigend. Post Watergate und Vietnamkrieg ist Hundstage ein Signum der Desillusionierung und Resignation wie zeitgleich auch Zeuge einer Verschwörung (1974) und Die heiße Spur (1975). Täuschung und Selbsttäuschung des zentralen Charakters Sonny Wortzik entwickeln sich in einer glaubwürdig anrührenden Art, so dass es zuletzt nur ein Wort zu fassen vermag: Tragik! Hundstage ist ein Klassiker New Hollywoods, der seinesgleichen sucht und auch als zeitlos pessimistischer Kommentar zur Lage der Nation ein tiefes Unbehagen zurücklässt. Sonny Wortzik: „Don’t give me that deep shit!“
 
Warner Brothers beweist mit der 2DVD von 2006, dass die Pflege von Klassikern dort groß geschrieben wird: ungekürzte Laufzeit im Originalformat, 5 Tonspuren und 16 verschiedene Untertitel, ein vierteiliges Making of Dog Day Afternoon sowie eine Dokumentation über Sidney Lumet auf der zweiten DVD als Extras. Superb!
 

 

 

Neo Noir | 1975 | USA | Sidney Lumet | Al Pacino | Charles Durning | John Cazale | Lance Henriksen | Raymond Serra

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