Gegen alle Gewalten

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Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
***
Originaltitel
I Died A Thousand Times
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1955
Darsteller

Jack Palance, Shelley Winters, Lori Nelson, Lee Marvin, Pedro Gonzalez Gonzalez

Regie
Stuart Heisler
Farbe
Farbe
Laufzeit
109 min
Bildformat
Widescreen

 


 

Gegen alle Gewalten-Poster-web2.jpg Gegen alle Gewalten-Poster-web1.jpg Gegen alle Gewalten-Poster-web3.jpg Gegen alle Gewalten-Poster-web4.jpg

© Warner Bros.

In der Sierra Nevada, Kalifornien, durchquert der nach acht Jahren Gefängnis begnadigte Roy “Mad Dog“ Earle (Jack Palance) in der Hitze des Morgens einen öden Wüstenabschnitt, als er vor sich einen alten, voll beladenen Wagen sichtet. Darin sitzen der ehemalige Farmer Mr. Goodhue (Ralph Moody) und seiner Frau (Olive Carey) samt ihrer 19jährigen EnkelinVelma (Lori Nelson). Gerade als Earle überholt, schert der Alte wegen eines Kaninchenszur Mitte hin aus. Earle muss kurzerhand ausweichen und kommt sogar von der Straße ab. Es gelingt ihm zurückzukehren und alle Beteligten kommen mit einem Schrecken davon. Bei der nächsten, inmitten der Einöde gelegenen Tankstelle fährt Earle raus und befiehlt dem Inhaber namens Ed (Dub Taylor) seinen Wagen vollzutanken. Der Ex-Sträfling genießt den Blick auf die verschneiten Gipfel des Gebirges High Sierra, dessen majestätische Kulisse sich vor ihm präsentiert, als auch das Gefährt der Goodhues ankommt. Der ehemals in Ohio ansässige, ältere Herr beglückwünscht Earle zu seinen Reflexen und entschuldigt sich für sein Manöver, indessen Earle sich als Roy Collins vorstellt. Er begrüßt auch die Restfamilie, verabschiedet sich und setzt seine Reise in Richtung der Berge fort… Als nächstes steuert Earle ein Motel an, wo ihn der ex-Polizist Jack Kranmer (James Millican) erwartet, der ihm für seine weitere Fahrt in Richtung Shaw’s Camp Instruktionen und Geld gibt. Kranmer arbeitet für den Mobster “Big Mac“ (Lon Chaney jr.), genau wie auch Roy Earle wieder einmal…

 

“It is an insult to social institutions and to public intelligence to pull this old mythological hero out of the archives and set him on a mountain top again”, urteilte im November 1955 der Filmkritiker Bosley Crowther für die New York Times über dieses Remake von Raoul Walshs über 14 Jahre zuvor erfolgreichem, frühem Film Noir Entscheidung in der Sierra (USA 1941). Seinerzeit hatten Humphrey Bogart und Ida Lupino die zentralen Rollen innegehabt, ein für Jack Palance und Shelley Winters allemal schweres Unterfangen hier mithalten zu können. Aber vor allem hatte Walsh selbst mit seinem eigentümlich gnadelosem Western Noir Vogelfrei (USA 1949) seine Erstverfilmung des Romans High Sierra (EA 1941) von W.R. Burnett, die der Romancier in Kooperation mit John Huston in eine Drehbuchvorlage verwandelt hatte, bereits ein zweites Mal verfilmt. In der zweiten Adaption waren Joel McCrea und Virginia Mayo in Hauptrollen zu sehen und Walsh steuerte ein derart schonungsloses Finale bei, dass es einen noch heute wundert, wie der Film einer drastischeren Zensur durch Joseph Breen und seinen Motion Picture Production Code (oder Hays Code) entgehen konnte. Stuart Heislers gleichfalls für Warner Bros. inszenierte, dritte Verfilmung des Stoffs kam als Gegen alle Gewalten kurz nach Ende der McCarthy-Ära ins Kino und belegt, dass zu der Zeit die Krise Hollywoods nicht bloß eine durch das Fernsehen bedingte sondern auch eine künstlerische war. Fast 7 Jahre war die Filmproduktion in Hollywood durch die Zensur und die Drohungen Edgar J. Hoovers, Direktor des FBI, das eng mit dem House Committee on Un-American Activities (HUAC) zusammenarbeitete, geknebelt worden. Schauspieler wie John Garfield, Marsha Hunt und Howard Da Silva waren mit Berufsverbot belegt worden. Drehbuchautoren wie Dalton Trumbo und Abraham Polonsky arbeiteten anonym. Die Regisseure Joseph Losey und Jules Dassin lebten im europäischen Exil. Der Film Noir der 50er fristete in Kriminalfilmen mit einem oft patriotisch-propagandistischen Unterton, der die US-Bürger auf die Gefahr durch das organisierte Verbrechen einschwören sollte, ein zumeist geradezu lächerliches Schattendasein. Aus diesem Schatten tritt Gegen alle Gewalten mit seinen Stars der 50er Jahre, mit seinem Warnercolor und dem Breitwandformat leider nicht heraus.

 

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© Warner Bros.

“So what? Nobody ever left this world alive… To you, Roy!” Nicht bloß dieser Trinkspruch aus dem Mund des todkranken “Big“ Mac zeugt von der im Grunde unzerstörbaren Substanz der Vorlage. Wer jedoch braucht ein Remake, das dem allemal wunderbaren Original an keiner Stelle und in keiner Hinsicht etwas hinzufügt, so dass es sich im Sinn eines Zugewinns von Qualität unterscheidet? Neben Palance und Winters sind zwar viele der in den Nebenrollen agierenden Darsteller für den erfahrenen Film-Noir-Freund ein Genuss: James Millican, Perry Lopez, Lee Marvin und Howard St. John sind allesamt superb. Der Film bot zudem einem damals 29jährigen Dennis Hopper die Gelegenheit für einen Auftritt knapp oberhalb von Statistenniveau, wenn er für einige Sekunden mit Shelley Winters das Tanzbein schwingt. Doch die Neufassung eines Schwarzweißklassikers in jener Technik seiner Zeit bietet trotz der famosen Kameraarbeit Ted D. McCords einfach zu wenig, um an dieser Stelle einer Leserschaft von Fans klassischen Kinos ernsthaft empfohlen zu werden. Ein Kuriosum: Die bundesdeutschen Programmhefte Illustrierte Film-Bühne und Illustrierter Film-Kurier zeigten zum hiesigen Kinostart im Februar 1956 zu diesem Werk jeweils ein Foto von Jack Palance und Zero Mostel aus Elia Kazans Film Noir Unter Geheimbefehl (USA 1950), dem ersten Werk mit einer für den damals 31jährigen Palance relevanten Rolle.

 

Bild- und tontechnisch solide DVD-Edition (2012) in der Warner Archive Collection (USA) mit dem Film ungekürzt im Originalformat, dazu die original englische Tonspur ohne Untertitel, doch mit immerhin dem US-Kinotrailer als einzigem Extra.

 

Film Noir | 1955 | USA | Stuart Heisler | W.R. Burnett | Ted D. McCord | Dennis Hopper | Howard St. John | Hugh Sanders | Jack Palance | James Millican | Lee Marvin | Perry Lopez | Shelley Winters

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