isla mínima, La - Mörderland

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Bewertung
****
Originaltitel
La isla mínima
Kategorie
Neo Noir
Land
ESP
Erscheinungsjahr
2014
Darsteller

Javier Gutiérrez, Raúl Arévalo, Antonio de la Torre, Nerea Barros, Jesús Castro

Regie
Alberto Rodríguez
Farbe
Farbe
Laufzeit
105 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Das postfaschistische, seit 5 Jahren demokratische Spanien im Jahr 1980: Pedro Suárez (Raúl Arévalo) und Juan Robles (Javier Gutiérrez) sind Polizeibeamte der Mordkommission in Madrid. Aufgrund des Verschwindens der Schwestern Carmen (Laura López) und Estrella (Cyntia Suano), je 16 und 17 Jahre alt, werden die beiden auf eine Insel im Marschland der Mündung des Guadalquivirs abkommandiert, wo sie Ermittlungen aufnehmen sollen. Doch bei der Anreise bleibt ihr Wagen liegen und sie erreichen den Ort, wo aktuell ein Jahrmarkt gastiert, auf dem Hänger eines Traktors. Das Hotel kann ihnen für die erste Nacht nur mehr ein Doppelzimmer bieten. Vom Fernsprecher in der Halle telefoniert Pedro mit seiner Frau; sie ist schwanger und gesundheitlich angeschlagen. Beim Abendessen erstatten ihnen die Dorfpolizisten Rapport und informieren darüber, dass jene Vermissten die frühreifen Töchter Rocíos (Nerea Barros) und Rodrigos (Antonio de la Torre) seien, letzterer ein auf dem Fluss arbeitender Fährmann. Die Eltern wohnen drei Kilometer jenseits des Ortsausgangs. Spät am Abend besuchen Pedro und Juan den Jahrmarkt und verlustieren sich an einer Schießbude. Juan weist den Kollegen darauf hin, dass er in seinem Leserbrief an eine Tageszeitung besser nicht das Militär kritisiert hätte. Der antifaschistische Pedro hält dagegen, auch weil Juan Robles unter Franco eine dubiose Rolle spielte, über die man bei der Polizei Bescheid weiß. Als Juan eine Flasche Wein mit zwei Gläsern ordert, dreht Pedro sich um und geht ins Hotel zurück…

 

Fast zwei Jahre nach seiner Premiere in Spanien fand der vielfach preisgekrönte Neo Noir La isla mínima sogar hierzulande seinen Weg ins Kino. Damit bildet Deutschland zwar das Schlusslicht einer langen Liste von Ländern, in denen der Film zur Aufführung kam, zudem ist sein Zweittitel “Mörderland“ ebenso beliebig wie offensichtlich reißerisch, aber besser so als gar nicht. Alberto Rodríguez’ nachtdunkler Thriller ist ein weiterer Beleg für die steigende Qualität des spanischen Kinos in den Jahren seit der Jahrzehntwende. Vergleiche mit der HBO-Serie True Detective (USA 2014-15), die ihrerseits zu einem Liebling von Publikum und Kritikern avancierte, sind nicht zu hoch gegriffen. Allerdings soll La isla mínima - Mörderland bereits gedreht worden sein, als die erste Staffel der US-Serie im Januar 2014 ihre Premiere hatte. Mit einer hoch entwickelten Bildästhetik, die das Können des Kameramanns Alex Catalán belegt und im Vorspann auf Fotografien Hector Garridos zurückgreift, schließt das Werk an einen Trend an, der in den letzten 20 Jahren nicht nur in Hollywood oder in Hongkong stetig voranschritt. Aber mit Blick auf die Kombination der zwei unterschiedlichen Cops fern der Heimat bietet La isla mínima - Mörderland erstmal nichts Neues. Vor allem erinnert sein Handlungsverlauf an Joon-ho Bongs Memories Of Murder (KOR 2003), der seinerseits dem Altbekannten nochmals eine unerwartete Facette abringen konnte und dank einer brillanten Dramaturgie und eines konsequenten Finales zum Meisterwerk wurde. Auch der koreanische Film wirft einen Blick in die Vergangenheit des eigenen Landes, seine Handlung spielt im Jahr 1986. Und auch er verknüpft die Jagd nach einem Serienmörder durch zwei unterschiedliche Polizisten auf dem platten Land mit  vielschichtig politischen Untertönen.

 

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© Koch Media GmbH

„Das Ergebnis ist ein spannender, auf subtile Weise höchst verstörender Psychothriller, der von politischen Pathologien und menschlichen Abgründen erzählt“, formuliert es Harald Ladstätter in seiner Rezension für Filmtipps.at. Das Werk ist in seiner Dramaturgie ebenso dynamisch wie im Fluss der Erzählung unaufgeregt. Weder der Regie noch der Kameraarbeit lassen sich Fehler unterstellen. Die Darsteller im Zentrum glänzen durch ein überzeugendes Understatement. Doch es ist Javier Gutiérrez, der die Nuancen und Facetten seiner Figur dergestalt subtil zum Tragen bringt, dass seine Ehrung als bester Schauspieler mit dem Goya, dem höchsten spanischen Filmpreis, vollauf berechtigt scheint. Dennoch fehlt La isla mínima - Mörderland nach meiner Einschätzung und im direkten Vergleich mit Memories Of Murder, den sich das Werk gefallen lassen muss, jener letzte Schliff, den ein Meisterwerk ausmacht. Einerseits ist klar, dass mit dem Ende der Mörderjagd die Schuldigen nicht gefasst sind und weiterhin in guten Positionen am Leben teilnehmen werden. Scheint auch der Fall gelöst, bleibt der Urgrund allen Übels davon unberührt. Die Zeitungen feiern ihren Helden, die öffentliche Meinung ist zufrieden und niemand wird jemals weitere Fragen stellen. Das deutet der im letzten Drittel sehr mit dem Kriminalfall befasste Film aber nur an. Insofern zerrinnt ihm leider der eingangs gut eingeführte Subplot. Mit 4.5 Sternen in diesem Portal ist La isla mínima - Mörderland für mich dennoch ein Muss für den Freund zeitgenössischen Neo-Noir-Kinos und schon jetzt ein außergewöhnliches Stück europäischer Filmgeschichte.

 

Erstklassige BD- und Blu-ray-Editionen (2016) der Koch Media GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, wahlweise den spanischen Ton (unbedingt vorzuziehen) oder eine deutsche Synchronisation, optional deutsche Untertitel und dazu der Kinotrailer, ein Making Of, geschnittene Szenen, ein Videotagebuch, ein Behind the Scenes sowie ein Special zur Musik plus Storyboard und Drehbuch als Extras. Besser geht es nicht.

 

Neo Noir | 2014 | International | Alberto Rodríguez | Antonio de la Torre | Javier Gutiérrez

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