Collateral

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Bewertung
****
Originaltitel
Collateral
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2004
Darsteller

Tom Cruise, Jamie Foxx, Jada Pinkett Smith, Mark Ruffalo, Peter Berg

Regie
Michael Mann
Farbe
Farbe
Laufzeit
119 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© Paramount Pictures

Auf dem Flughafen von Los Angeles, Kalifornien: Soeben ist Vincent (Tom Cruise) - Maßanzug, Dreitagebart, Sonnenbrille - gelandet, als er in der Schalterhalle mit einem Mann (Jason Statham) zusammenstößt und ihm durch den Aufprall die Reisetasche zu Boden geht. Der Andere hat eine exakt gleiche Tasche und stellt sie ab. Die beiden tauschen eine Entschuldigung aus, dann nimmt jeder die Tasche des anderen und geht seines Weges… In der von Lärm erfüllten Garage eines Taxiunternehmens putzt der Fahrer Max Durocher (Jamie Foxx), dessen Nachtschicht in Kürze beginnt, den Innenraums seines Fahrzeugs mit Glasreiniger und einem Lappen, bevor er seine Lizenz in den dafür vorgesehenen Plastikrahmen einführt. Als er die Tür schließt, nachdem er zuvor die Postkarte eines tropischen Archipels auf die Innenseite der klappbaren Sonnenblende klemmte, herrscht Stille und Max rollt hinaus in den Sonnenschein der frühen Abendstunden. Nach einigen Fuhren und einem Tankstopp steigt die Staatsanwältin Annie Farrell (Jada Pinkett Smith) ins Taxi, die ihm 312 North Spring Street, ein Bürogebäude downtown, als ihr Ziel nennt. Die beiden streiten über die Route und schließen eine Wette um den Preis der Taxigebühr ab. Als sich herausstellt, dass Max mit seiner Einschätzung richtig lag, zollt ihm die Anwältin dafür Respekt und die beiden kommen ins Gespräch. Max erzählt, dass er nur vorübergehend Taxi fahre und einen speziellen Limousinenservice namens “Island Limo“ eröffnen wolle…

 

“One night you will wake up and discover it never happened. It's all turned around on you. It never will. Suddenly you are old. Didn't happen…” Selbstverständlich ließ mich der Name des Hauptdarstellers Tom Cruise im Nu misstrauisch werden. Und bei aller handwerklichen Erfahrung und Finesse, die seinen Ruf als Regisseur begründete, hat Michael Mann zugleich Mainstreamkino à la Der letzte Mohikaner (USA 1992) oder Miami Vice (USA/GER/PAR/URU 2006) abgeliefert, letzterer basierend auf der TV-Serie der 80er Jahre, deren ausführender Produzent er einst war. Doch sein Neo Noir Collateral ist wie der Song einer Rockband, in die man das Vertrauen längst verlor und der sich plötzlich als das entpuppt, was die Band lange vermissen ließ - dreckig und düster, vielschichtig und zupackend. Sobald der Auftragskiller Vincent in das Taxi von Max Durocher einsteigt und sich von dem zuerst ahnungslosen Nachtarbeiter von einem seiner fünf Opfer zum nächsten kutschieren lässt, wird der Zuschauer zum Zeugen einer Auseinandersetzung zweier Charaktere, denen Drehbuchautor Stuart Beattie seine ganze Aufmerksamkeit widmet. In dem durchaus rasanten Thriller basiert die Spannung nicht auf Action oder dem handelsüblichen “Wettlauf gegen die Zeit“, jenem Standardrezept für ein Publikum hungrig nach dem x-ten Adrenalinkick. Wann immer Max im Rückspiegel den Killer Vincent sieht und nach einem Ausweg aus seiner Lage sucht, zwingt ihn dieser, auf sich selbst und seine Lebenslügen zu blicken. Collateral ist auch ein Film, der im Schlagabtausch der beiden Männer aus vollends unterschiedlichen Welten Fragen aufwirft, die ans Eingemachte gehen: "Most people - same job, same gig, doing the same thing 10 years from now. Us, we don't know what we are doing 10 minutes from now.”

 

Das funktioniert deshalb gut, weil sich Vincent nicht an die Spielregeln hält. Ethik und Moral, Liebe und Ehrfurcht, Demut und sogar Angst sind für ihn bloß Konstruktionen, die die sandkorngroßen Schicksale einzelner Individuen mit Bedeutung aufladen sollen. Vincent ist Menschen und der Menschheit gegenüber die fleischgewordene Gleichgültigkeit: ein exzellent gekleideter, adrett aussehender, gebildeter, kluger Mann, der alles und jeder sein könnte und der daher perfekt unauffällig ist. Vincent hat mit dem Tod, den er bringt, nicht im Geringsten ein Problem. Michael Mann, für seine außergewöhnlichen und exzessiven Vorbereitungen eines Filmwerks bekannt, ließ Tom Cruise für die Rolle in L.A. Postpakete ausliefern, indessen die Kunden in ihm tatsächlich nicht den bekannten Filmstar erkannten. Das ist keiner Maskerade zu verdanken, sondern einzig einer Mimik der Indifferenz und Leere, die Cruise in Collateral perfektioniert. Allein dafür zolle ich ihm Respekt. Aber die Schauspieler sind durch die Bank erstklassig, Dion Beebes Kameraarbeit ist grandios, und bei einer Laufzeit von 2 Stunden hält die Regie die Dramaturgie jederzeit straff. Trotz unglaubwürdiger Koinzidenzen und etwas übertriebener Action-Einlagen im Finale ist Collateral jene Art Neo Noir, die einen gefangennimmt und nach dem Schauen lange nachwirkt. Für eine A-Produktion aus Hollywood ist das allemal ein gutes Zeugnis.

 

Via Paramount Pictures gibt es mehrere exzellent editierte Blu-rays (regulär 2010 und 4K Ultra-HD 2020) und eine ebenfalls gute DVD-Edition (2005) mit dem Film ungekürzt im Originalformat, bild- und tontechnisch hochwertig, dazu die original englische Tonspur und die deutsche und auch französische Kinosynchronisation mit optional Untertiteln auf Englisch, Deutsch, Arabisch, Dänisch, Niederländisch, Bulgarisch, Isländisch, Finnisch, Norwegisch, Polnisch, Rumänisch, Tschechisch, Türkisch, Ungarisch, Französisch und Schwedisch. Bei der BD-Edition von 2010 gibt es weitere Tonspuren auf Italienisch und Spanisch, dafür fehlen die UT auf Arabisch, Tschechisch, Bulgarisch, Isländisch, Polnisch, Rumänisch und Ungarisch. Zu den zahlreichen Extras zählen ein Audiokommentar von Michael Mann, ein Making Of namens Die nächtliche Stadt, der Kinotrailer, geschnittene Szenen, etc. Empfehlenswert!

 


Neo Noir | 2004 | USA | Michael Mann | Dion Beebe | Jamie Foxx | Jason Statham | Javier Bardem | Mark Ruffalo | Peter Berg

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